Die Zürcher Kantonalbank brilliert – auch dank einer Übernahme

Der Kauf der Swisscanto stellt die ZKB auf eine solidere Ertragsbasis. Auch im Devisenhandel glänzt die Bank.

Vorsichtig optimistisch: ZKB-Chef Martin Scholl an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Vorsichtig optimistisch: ZKB-Chef Martin Scholl an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Die Führung der Zürcher Kantonalbank (ZKB) schien den gestrigen Medienauftritt bei der Vorlage des Jahresabschlusses 2015 richtiggehend zu geniessen – vor dem Hintergrund der Probleme und Stürme, mit denen sich andere grosse ­Finanzhäuser hierzulande konfrontiert sehen. Die Staatsbank konnte eine breit abgestützte Zunahme ihrer Erträge und Gewinne vorweisen, ebenso eine Stärkung ihrer ohnehin schon komfortablen Kapitalpolster, und mit einer deutlichen Anhebung der Dividenden für den Kanton und die Gemeinden liessen sich darüber hinaus die Begehrlichkeiten der ­öffentlichen Hand befriedigen.

Dass sich aber auch die ZKB den widrigen Rahmenbedingungen des Bankensektors nicht entziehen kann, machte ihr Chef Martin Scholl mit seinem vorsichtigen Ausblick deutlich. Er erwartet zwar ein «ansprechendes» Ergebnis im laufenden Jahr. Doch schliesst seine Aussage auch einen Gewinn unter dem diesjährigen Stand ein, wenn das Umfeld so schwierig bleibt.

«Stabileres Geschäftsmodell»

2015 stand für die grösste Kantonalbank im Zeichen der Eingliederung der Swisscanto; deren Zahlen fliessen seit Anfang April in die Bilanz und Erfolgsrechnung der ZKB ein. Der Zuwachs des Geschäftsertrags (Umsatz) um 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken – ebenso wie der Anstieg des Geschäftsaufwands um 15 Prozent – geht laut ZKB «zu einem grossen Teil» auf die Swisscanto zurück. Scholl machte jedoch keine näheren Angaben dazu, wie stark die Bank im Berichtsjahr aus eigener Kraft zugelegt hat.

Den grössten Einfluss hatte die Integration der Swisscanto – Nummer drei der hiesigen Fondsanbieter, hinter den zwei Grossbanken – auf den Kommissions- und Dienstleistungsertrag (+26 Prozent auf 663 Millionen). Dessen Anteil am gesamten Ertrag stieg im letzten Jahr auf 31 Prozent, verglichen mit 27 Prozent 2010. Für Scholl eine erwünschte Entwicklung, sind doch «unsere Erträge künftig noch breiter abgestützt – was unser Geschäftsmodell stabiler macht». Im laufenden Jahr dürfte der Kommissions- und Dienstleistungsanteil am Gesamtertrag weiter zunehmen, allein schon aufgrund der ganzjährigen Konsolidierung der Swisscanto.

Gleichzeitig werden sich laut Scholl in den kommenden drei Jahren die Synergien aus dem Swisscanto-Kauf in der ZKB-Rechnung niederschlagen, die aus der Zusammenlegung der Fondsleitung, der Portfoliomanagement-Funktionen und der IT resultieren. Den Umfang dieser Einsparungen mochte der ZKB-Chef jedoch nicht beziffern. Die Kehrseite der Medaille sind 20 Kündigungen, die im Zuge der Swisscanto-Eingliederung ausgesprochen werden mussten.

Falsch wäre jedoch die Annahme, so Scholl, dass auch die letztjährige Erhöhung des ZKB-Gewinns um 12 Prozent auf 722 Millionen Franken – nach einem 19-prozentigen Rückgang im Jahr zuvor – grösstenteils der Swisscanto zu verdanken sei. Dies sei schon deshalb nicht der Fall, weil die Kantonalbank bereits im Berichtsjahr damit begonnen habe, den im Übernahmepreis enthaltenen Goodwill der Swisscanto abzuschreiben.

Handel nützt Gunst der Stunde

Umso gewinnbringender war dafür der Handel mit Devisen, Edelmetallen sowie Wertpapieren. Hier glänzte die ZKB mit einem Ertragssprung von 41 Prozent auf 328 Millionen Franken. Dabei profitierte sie von der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar 2015: Die verstärkten Kursschwankungen im Franken/Euro-Segment haben neues Kundeninteresse geweckt, sei es aus wiederbelebter Spekulationslust oder zur verstärkten Absicherung von Positionen.

Das Zinsgeschäft, das mit 54 Prozent des Gesamtertrags immer noch das Fundament der ZKB darstellt, konnte seine Einnahmen – trotz den Belastungen aus den Negativzinsen – um 3 Prozent auf 1,16 Milliarden Franken verbessern.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.02.2016, 22:23 Uhr)

Gewinnausschüttungen

100 Millionen Franken für die Zürcher Gemeinden

Die Kassenwarte von Kanton und Gemeinden im Kanton Zürich warteten besonders gespannt auf den gestrigen Tag. Das Ergebnis nehmen sie erleichtert zur Kenntnis: 326 Millionen Franken werden durch die ZKB an Kanton und Gemeinden ausgeschüttet. So setzt sich diese Summe zusammen: Der Kanton erhält 200 Millionen Franken als Gewinnausschüttung sowie 26 Millionen für die Verzinsung des Dotationskapitals, das der Kanton seiner Bank gewährt. Dieses Grundkapital ist 2015 von 2,5 auf 3 Milliarden Franken erhöht worden. Die ZKB hatte sich eine Erhöhung um zwei Milliarden gewünscht.

100 Millionen Franken schliesslich erhalten die Zürcher Gemeinden. Insgesamt entspricht diese Gewinnausschüttung 223 Franken pro Einwohnerin und Einwohner des Kantons. Die Ausschüttung ist mit 200 Millionen für den Kanton und 100 Millionen für die Gemeinden klar höher als im letzten Jahr (164 bzw. 82 Millionen), allerdings tiefer als in den Vorjahren (220/110 Millionen).

Beatrix Frey-Eigenmann (FDP), Präsidentin der Finanzkommission, spricht bloss von einem «ordentlichen Ergebnis» – der Kantonsrat hatte im Dezember aufgrund des Halbjahresergebnisses 220 Millionen budgetiert. Vor allem aber dämpft sie Hoffnungen in der Bevölkerung, dass das Sanierungsprogramm nun hinfällig würde. Der Kanton muss in den nächsten vier Jahren 1,8 Milliarden sparen – eine andere Grössenordnung. Und nun hat die Ausschüttung nicht mal den budgetierten Wert erreicht.

Jörg Kündig (FDP), der Präsident des Gemeindepräsidentenverbands, ist über die Ausschüttung nach der Unsicherheit im Vorfeld «positiv überrascht». Die Gemeinden werden dadurch um 2 bis 3 Steuerprozente entlastet. Viele von ihnen mussten die Steuern erhöhen, unter anderem wegen der steigenden Sozial- und Pflegekosten. (rba)

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