Die Zurich steckt tief im Loch – und zahlt hohe Dividenden

Die Probleme in der Schadenversicherung werden den Konzern auch in diesem Jahr tangieren. Der Verzicht auf eine Dividendenkürzung soll als Vertrauensbeweis dienen.

«Es ist unwahrscheinlich, dass wir die angestrebte Eigenkapitalrendite erreichen können», sagt Zurich-Chef Tom de Swaan. Foto: Michele Limina (Bloomberg)

«Es ist unwahrscheinlich, dass wir die angestrebte Eigenkapitalrendite erreichen können», sagt Zurich-Chef Tom de Swaan. Foto: Michele Limina (Bloomberg)

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Die Zurich bittet ihre Aktionäre um Geduld: Die Sanierung des Bereichs Schadenversicherung (General Insurance) wird die Rentabilität der Gesamtgruppe noch im ganzen laufenden Jahr belasten. Angesichts der Herausforderungen im besagten Geschäft sei es «unwahrscheinlich, dass wir dieses Jahr die von uns angestrebte Eigenkapitalrendite basierend auf dem Betriebsgewinn von 12 bis 14 Prozent erreichen können», sagte Tom de Swaan, Präsident und Interims-Konzernchef der Zurich, gestern bei der Vorlage des Jahresabschlusses.

Nachdem die Schadenversicherung schon im dritten Quartal 2015 einen Betriebsverlust von 183 Millionen Dollar eingefahren hatte, musste sie im Schlussquartal einen Fehlbetrag von 120 Millionen hinnehmen. Dadurch brach der Betriebsgewinn von General Insurance im Gesamtjahr um 71 Prozent auf 864 Millionen ein – und die betriebliche Eigenkapitalrendite der Zurich-Gruppe sackte auf 6,4 Prozent ab (Vorjahr: 11,2).

Die Aktionäre fest im Blick

Vor diesem Hintergrund – und mit Blick auf einen mehr als halbierten Jahresgewinn von 1,84 Milliarden Dollar (Vorjahr: 3,95) – ist es wohl alles andere als selbstverständlich, dass die Zurich eine unveränderte Dividende von 17 Franken pro Aktie auszahlen will. Manch ein Analyst hatte im Vorfeld eine Kürzung um 3 bis 4 Franken erwartet. De Swaan wollte die beibehaltene Höhe der Ausschüttung als Vertrauensbekundung verstanden wissen – auf dass es der Zurich gelinge, ihre problembehaftete Schadenversicherung wieder in profitable Bahnen zu lenken.

Der Versicherungskonzern macht damit auch deutlich, welch hohen Stellenwert er attraktiven und beständigen Dividendenzahlungen beimisst. Nach Aussage von Finanzchef George Quinn hat die Zurich seit 2008, dem Beginn der Finanzkrise, kumuliert fast 20 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausgeschüttet, was annähernd 70 Prozent ihres aktuellen Börsenwertes entspreche. Nur sehr wenige Finanzfirmen könnten eine derartige Quote vorweisen.

Gleichwohl mussten die Zurich-Aktionäre gestern auch eine Kröte schlucken: Das vom Versicherer identifizierte Überschusskapital in Höhe von rund 3 Milliarden Dollar, das nach der im Dezember bekannt gegebenen Übernahme des US-Agrarversicherers RCIS auf knapp 2 Milliarden geschrumpft ist, soll jetzt doch nicht den Anteilseignern zurückgegeben werden. In der gegenwärtigen Situation, so begründete De Swaan den Entscheid, sei es vorrangig, «die Kapitalstärke und finanzielle Flexibilität» des Konzerns zu erhalten. Die Zurich-Aktien sind mit einem Minus von 2,6 Prozent aus dem ges­trigen Handel gegangen; seit Jahresanfang verloren sie über 20 Prozent.

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Oberste Priorität geniesst jetzt, die Schadenversicherung auf ein tragfähiges Fundament zu stellen. Darüber hinaus will der Konzern seine internen Abläufe vereinfachen und die Organisation verschlanken – Vorhaben also, die schon im letzten Jahr unter der Ägide von Martin Senn, dem Ende 2015 zurückgetretenen Zurich-Chef, in Aussicht gestellt worden waren. Dass Senns designierter Nachfolger Mario Greco, der zu Wochenbeginn als Konzernchef des italienischen Versicherers Assicurazioni Generali zurückgetreten ist, seinen Chefposten bei der Zurich bereits am 7. März und mithin zwei Monate früher als erwartet antreten wird, ist gewiss eine gute Nachricht aus hiesiger Sicht.

De Swaan bekräftigte gestern die bereits im vergangenen Mai bekundete Absicht des Konzerns, mittels effizienzsteigernder Massnahmen bis Ende 2018 die Kosten um mehr als 1 Milliarde Dollar zu senken. Die für 2016 angekündigten Kosteneinsparungen von 300 Millionen sollen übertroffen werden. Ferner bleibt es dabei, dass im Zuge des Konzernumbaus in den nächsten drei Jahren etwa 8000 Stellen und damit 15 Prozent aller Jobs bei der Zurich wegfallen werden. Da der Abbau in der Schweiz in vergleich­barem Ausmass erfolgen dürfte, wären 750 Arbeitsplätze bedroht. Bereits kommuniziert wurde die Streichung von 300 Konzernstellen im Bereich Operations and Technology, der unter anderem das Beschaffungswesen und die Liegenschaftsbewirtschaftung umfasst.

Schwere Schieflage

Wie stark die Schadenversicherung der Zurich aus dem Ruder gelaufen ist, erhellt die Combined Ratio (sie setzt Schadenzahlungen und Kosten in Relation zu den Prämien). 2015 stieg diese Kennzahl auf 103,6 (96,8) Prozent. Im Grosskundengeschäft allein belief sich die letztjährige Combined Ratio auf exorbitante 113,9 (95,7) Prozent; Werte über 100 Prozent bedeuten, dass die Prämieneinnahmen nicht ausreichen, um das operative Versicherungsgeschäft zu finanzieren.

Um die Ergebnisausschläge in ihrer Problemsparte zu dämpfen, will die Zurich kurzfristig mehr als bisher Rückversicherungsdeckung kaufen. Vor allem jedoch fährt der Konzern damit fort, Aktivitäten und Märkte aufzugeben, die auf Dauer als nicht gewinnbringend gelten. So will man etwa «schnellstmöglich» aus dem Geschäft mit Privat- und Firmenkunden im Nahen Osten aussteigen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.02.2016, 23:48 Uhr)

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