Wirtschaft

Die braune Wolke ist verschwunden

Der Konzern BP hat den Ölaustritt im Golf von Mexiko nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit Beginn der Katastrophe stoppen können. Doch jetzt beginnt das bange Warten.

1/45 Wie alles begann: Eine Chronologie der Katastrophe
Am 20. April 2010 kommt es im Golf von Mexiko auf der Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Explosion und Feuer.

   

Livestream vom Bohrloch

Fall Lockerbie

BP steht in den USA weiterer politischer Ärger ins Haus. Am 29. Juli muss sich BP im Senat Vorwürfen stellen, der Konzern habe auf die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi aus schottischer Haft Einfluss genommen.

BP hatte zuvor eingeräumt, bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung Al-Megrahis ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. BP erklärte jedoch, in der Sache selbst nicht Einfluss genommen zu haben.

Tiefseebohrung begonnen

Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobras hat am Donnerstag vor der Atlantikküste des südamerikanischen Landes mit der Ausbeutung von Ölvorkommen in grosser Meerestiefe begonnen. Aus einem knapp 5000 Meter tief liegenden Ölfeld vor der Küste des Bundesstaates Espírito Santo sollen zunächst 13'000 Barrel pro Tag gefördert werden, wie Petrobras mitteilte. Bis Ende 2010 würden mehrere Bohrlöcher mit einer Plattform verbunden und die Förderung dann bei bis zu 100'000 Barrel am Tag liegen.

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Am Golf von Mexiko beobachtet man gebannt die Bilder der Tiefseekameras: Nachdem es BP (BPAM 5.859 -0.61%) am Donnerstag erstmals seit Beginn der Ölpest vor knapp drei Monaten gelungen ist, das defekte Bohrloch wieder zu schliessen, wird sich nun in den nächsten 48 Stunden zeigen, ob die Auffangeinrichtung dauerhaft dem Druck des Öls standhält. Seit Beginn der Katastrophe sind Schätzungen zufolge schon bis zu 700 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen.

Die vorläufige Erfolgsmeldung von BP kam exakt 85 Tage, 16 Stunden und 25 Minuten nach der ersten Explosion auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April, mit der die Katastrophe begann und bei der elf Arbeiter getötet wurden. Dabei hatte es am Donnerstag zunächst wieder einmal nicht gut ausgesehen. Der Beginn der Arbeiten musste verschoben, weil eine der von dem Bohrloch zur Meeresoberfläche aufsteigenden Leitungen defekt war. Danach konnten aber an der neuen Auffangvorrichtung alle drei Ventile geschlossen.

Keine dauerhafte Lösung

Tests sollten nun zeigen, ob die Vorrichtung dem Druck standhält. In den kommenden bis zu 48 Stunden wird gemessen, ob die neue Abdichtung dem Druck des hervorsprudelnden Öls standhält. Hoher Druck wäre dabei ein gutes Zeichen, weil er darauf hindeuten würde, dass sich das Öl tatsächlich in dem Trichter sammelt. Niedrigere Messwerte würden bedeuten, dass es ein Leck irgendwo weiter unten im Bohrkanal gibt.

Eine dauerhafte Lösung ist der Trichter aber nicht: Um den Austritt des Öls endgültig zu stoppen, treibt der Konzern derzeit zwei Entlastungsbohrungen voran. Bis diese erfolgreich sind, können aber noch Wochen vergehen.

Von Zeit zu Zeit wieder geöffnet

Zur grossen Erleichterung von Millionen Menschen am Golf von Mexiko verschwand am Donnerstag aber erstmals die braune Wolke, die auf den Live-Videos vom defekten Bohrloch seit Beginn des Unglücks ständig zu sehen war. BP mahnte aber, noch nicht allzu optimistisch zu sein. Denn selbst wenn die Anlage zwei Tage lang hält, werden die Ventile von Zeit zu Zeit wieder geöffnet werden.

Ingenieure nehmen dann seismische Messungen vor, um sicher zu gehen, dass Öl und Gas nicht aus der Quelle in das Gestein entweichen, erklärte der Beauftragte von US-Präsident Barack Obama, Thad Allen. Obama sprach von einem positiven Signal, mahnte aber: Wir sind noch in der Testphase.» (bru/afp/dapd/sda/)

Erstellt: 15.07.2010, 22:14 Uhr

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22 Kommentare

Georg Stamm

18.07.2010, 17:54 Uhr
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Die "Oelbarone" machen nur was wir alle wollen: Nach Belieben autofahren, wenn möglich mit einem 250 PS-Boliden, für einige Tage zum shoppen nach New York fliegen, gerade jetzt zum Baden nach Thailand reisen oder zur Selbstverwirklichung einen Motorhometrip um die halbe Welt machen. Mit welchem Treibstoff ? Mit Benzin !! Gottfried Keller: Zuhause muss beginnen was leuchten soll im Vaterlaterland. Antworten


Bruno Hochuli

17.07.2010, 16:32 Uhr
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Es wird nicht lange dauern, wird munter weiter gemacht als wäre nichts passiert. Es wird die Menschen noch teuer zu stehen kommen. Den Oelbaronen zählt sowieso nur der Profit. Den Schlamassel ausbaden wird noch Jahrzehnte lang die Natur , die Tiere und die kurzfristig denkenden Menschen. Antworten


Jonas Däppen

16.07.2010, 17:32 Uhr
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@ Markus Schneider: Das ist ja gerade das Problem! Leute die nix verstehen entscheiden und ignorieren Proteste von Spezialisten! Aber wenn Sie Ihren Frust als verkapter Ing. losgeworden sind, mag ich es Ihnen gönnen! Antworten


Markus Schneider

16.07.2010, 14:32 Uhr
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Ja, singt bloss euer kakophonische Loblied auf die Ingenieure. Aber am Schluss machen sie doch, was die Banker wollen. Das grosskotzige Getue von wegen, sie würden so viel wissen - nächstes Mal sollen sie ihr Wissen dann auch so anwenden, dass sie dem Banker nein sagen und keine Druckventile vergessen, bloss weil gespart werden muss. Antworten


Marc Altheer

16.07.2010, 11:52 Uhr
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Bitte unterscheiden! Es gibt versch. "Ingenieure". In vielen Disziplinen sind Ingenieure nicht wirklich wertvoll. Ausserdem kommt es sehr darauf an wieviel Erfahrung und Kreativität vorhanden ist. Viele "studierte" Ingenieure sind nix Wert. Ich weiss das aus Erfahrung. Antworten


Hans Breitenmoser

16.07.2010, 11:48 Uhr
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Lächerlich, die Ingenieure gegen die Financiers auszuspielen. Es braucht beide. Und richtig arbeiten tun wohl nur die Handwerker und Arbeiter auf den Baustellen. Gottlob gibts nicht zuviele Ingenieure, sonst wäre die Welt nur noch ein einziger Betonklotz. Antworten


Rolf Baumann

16.07.2010, 11:47 Uhr
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@Müller. Die Natur kann Öl abbauen, aber nur in beschränkten Mengen. Die durch das Tankerunglück ExxonValdez betroffenen Gegenden sind immer noch nachhaltig verseucht. Zwar sind sichtbare Schäden bereinigt, die Mehrzahl der Kleinstlebewesen ist aber nicht lebensfähig, und jene die überleben tragen das Gift in die Nahrungskette. Die Fischereiindustrie ist auch 20 Jahre danach noch komplett imEimer Antworten


Ruedi Schmid

16.07.2010, 11:17 Uhr
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Ingenieur kontra Finanzier: Wer ist Kreativ, wer bringt die Ideen, wer ist der Macher, der Ingenieur Wer verdient das Geld und entscheidet über Projekte, der Finanzier Das Risiko kennen nur die Ingenieure, aber die werden nicht gefragt. Die Schuld trifft auch die Ingenieure, obwohl sie nichts zu entscheiden haben. So läuft der Hase. Antworten


Stefan Meier

16.07.2010, 11:10 Uhr
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Bravo an BP enorme Leistung! Ich hoffe, dass wir dies in der Schweiz auch eines Tages fertig bringen werden. Gruss Antworten


Peter Keller

16.07.2010, 11:00 Uhr
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@Virtual Color: Bingo! @P. Bondra: Es geht mir darum, ob Ingenieure in vorliegenden Fall gute Arbeit geleistet haben. Es gehört eben auch dazu, mögliche Katastrophen-Szenarien zu ermitteln und Massnahmen zur Verhinderung solcher zu definieren. Kommt man zum Schluss, dass bei einer möglichen Katastrophe keine Gegenmassnahmen möglich sind, so sollten die Bohrungen ausbleiben. Nicht so falsch, oder? Antworten


Bondra Peter

16.07.2010, 10:39 Uhr
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@Peter Keller: Und ganz ohne Ingenieure würden wir auch ohne Oel auskommen müssen. Und die Bankster würden IHRE Geschäfte mit dem Rechenschieber tätigen; selbstverständlich lokal und nicht global. Antworten


Virtual Color

16.07.2010, 10:17 Uhr
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@Stefan Meier: Peter Keller scheint auch ein Banker zu sein :-( Antworten


Peter Keller

16.07.2010, 10:04 Uhr
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@Stefan Meier: Hätten die Ingenieure vorher ihre Arbeit gemacht, dann wäre es nicht zur Katastrophe gekommen. Bevor solche Bohrungen durchgeführt werden, sollten die von Ihnen gepriesenen Ingenieure sich Gedanken zu möglichen Katastrophen-Szenarien machen und entsprechende Sicherungssysteme einbauen. Sie sollten vom hohen Ross hinuntersteigen, DAS war sicher keine gute Ingenieursleistung! Antworten


Hans Müller

16.07.2010, 09:51 Uhr
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Und jetzt durchatmen. Das Öl wird, sofern man nicht mit Chemie dahintergeht, biologisch abgebaut, wie die Ölkatastrophen bisher zeigten. (Die Orte ohne "Reinigung" haben sich besser erholt als die Orte mit) Antworten


philipp glanzmann

16.07.2010, 09:41 Uhr
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also ich finee es schade für das viele öl das man auslaufen liess, ich hätte damit noch viel geld gemacht. Antworten


Hans Breitenmoser

16.07.2010, 09:39 Uhr
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@Meier: Ohne Geld würde die Ing. ja auch nicht arbeiten. Und das Geld kommt halt von den Banken, obs uns nun passt oder nicht. Es ist anzunehmen, dass ohne Bankkredite so einige Projekte nicht zustande kämen, u.a. auch diverse Eigenheime. Also, solche Pauschalaburteilungen helfen niemandem. Antworten


Hanspeter Lechner

16.07.2010, 08:35 Uhr
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@Stefan Meier: Ich kann Ihnen da nur beipflichten! Ingenieure sind halt sehr oft auch Generalisten, die von sehr Vielem sehr viel wissen. Im Gegensatz zu den Banken: die sind halt (fast alle) Spezialisten - und wissen alles von rein gar Nichts ... ! - Und was die Entlöhnung von Ingenieuren anbetrifft: meine Rede! Kein Wunder, dass heute nur noch ganz Wenige Ingenieurwissenschaft studieren ... Antworten


Hansueli Reich

16.07.2010, 08:25 Uhr
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Bravo Stefan Meier! Bin selbst Ingenieur. Leider sind für viele Leute die Macher nicht so gefragt. Es freut mich, dass es weitergeht im Golf, aber die ganze Geschichte darf nicht vergessen werden, siehe Nigerdelta. Antworten


Anthony Stroppel

16.07.2010, 02:43 Uhr
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Dann kann BP jetzt ja damit anfangen all die Leute zu entschädigen die wegen ihnen ihre Lebensgrundlage verloren haben. BP hat noch eine Menge an Aufräumarbeiten zu bezahlen bis zumindest ein ähnlicher Zustand wiederhergestellt ist ! Antworten


Rolf Wittwer

15.07.2010, 22:50 Uhr
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Beim vorhandenen Intelligenzpotential Amerikas bin ich erstaunt, dass es erst nach knapp 3 Monaten gelang, den Groundflow endlich aufzuhalten. Nach einem ARD Bericht erwirtschaftete BP bislang 600 Milliarden USD allein im Nigerdelta, einen Bruchteil davon wird nun in den USA für die "Wiedergutmachung" verwendet. Im Nigerdelta lässt sich längst nicht mehr leben. Lebendige Politik also! Antworten


Stefan Meier

15.07.2010, 17:45 Uhr
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Trotz aller Schmähung an BP - es ist festzustellen, dass ohne Ingenieure nichts läuft (auch wenn Banker von sich glauben, systemrelevant zu sein - Ingenieure sind es). Sie sind es, die die Probleme im Schlaf wälzen und die ECHTE Verantwortung tragen. Und das für einen Hungerlohn (gemessen an denen, die sich für wichtig halten, alles kaputtmachen, von null eine Ahnung haben und viel Geld kosten). Antworten


Roland Moser

15.07.2010, 17:42 Uhr
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Wenn ich den Artikel richtig verstehe, soll das Bohrloch jetzt provisorisch verschlossen werden? Wenn es klappt ist ja gut, wenn nicht könnte doch auch das austretende Öl abgesaugt werden? Antworten



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