«Millionen zusätzlicher Leser»: Aufregung um «X-Large»-Kindle

Amazon hat in den USA die dritte Version des drahtlosen Lesegeräts Kindle vorgestellt. Universitäten und Zeitungen arbeiten mit dem Onlinehändler zusammen.

Amazon-Chef Jeff Bezos mit Kindle DX.

Amazon-Chef Jeff Bezos mit Kindle DX. (Bild: Reuters)

Bisher gibt es den Kindle – eine Art iPod für Bücher – nur in den USA, aber Amazon hat mehrfach angekündigt, das Gerät bald auch in anderen Ländern zugänglich zu machen. Gestern präsentierte der Onlinehändler die dritte Version seines drahtlosen Lesegeräts, das es 2007 erstmals zu kaufen gab. Die neue Bildschirmdiagonale von fast 25 Zentimetern ermöglicht es, nicht mehr nur Bücher-, sondern auch Magazin- und Zeitungsseiten abzubilden und diese komfortabel lesbar zu machen.

Dies sorgt in der schwer angeschlagenen US-Zeitungsbranche für Aufregung. Einige sehen in dem Gerät die neue Zukunft für die Industrie. Drei grosse Zeitungen haben Sonderangebote angekündigt: «New York Times», «Washington Post» und «Boston Globe» werden den Kindle DX zu reduzierten Preisen anbieten, gekoppelt mit einem längerfristigen elektronischen Zeitungsabonnement – vorerst wohl nur für Leser in Gebieten, wo die Hauszustellung der Zeitung nicht möglich ist. «Wir erwarten, dass wir Millionen zusätzlicher Leser erreichen können», sagte Arthur Sulzberger, Verwaltungsratspräsident der «New York Times», bei der Präsentation des neuen Geräts in New York.

Kindle wird an Universitäten getestet

Amazon hat auch Verträge mit den drei grössten Verlagen für Universitäts-Lehrbücher abgeschlossen. Laut Amazon-Chef Jeff Bezos werden Studenten an fünf Universitäten ab Herbst den neuen Kindle ausprobieren. Die Unis testen so, wie sich das Lese- und Lernverhalten mit Kindle von jenem mit Büchern unterscheidet.

Das Konzept des Kindle ist simpel: Das 530 Gramm leichte und 9,7 Millimeter dünne Gerät hat einen drahtlosen Internetzugang, sodass man jederzeit von überall her Lesematerial herunterladen kann – ganze Bücher in 60 Sekunden. Weil der Kindle eine andere Bildschirmtechnik hat als Computer, ermüdet er die Augen nicht und braucht viel weniger Energie, womit die Batterielaufzeit kein Problem ist.

Das Gerät fasst bis zu 3500 Bücher, Magazine oder Dokumente. Wie ein iPhone kann man es vertikal oder horizontal halten, der Bildschirm passt sich an. Allerdings ist der Kindle DX nur schwarz-weiss, mit 16 Grautönen. Zu haben ist er ab Sommer für 489 Dollar; auf der Amazon-Homepage kann er vorbestellt werden.

Bisher gibts 275'000 Bücher

Amazon hat bisher nicht verraten, wie viele Geräte es schon verkauft hat – nach Schätzungen waren es 2008 rund 500'000. Die Zahl basiert auf Angaben des US-Mobiltelefonbetreibers Sprint Nextel, über dessen Netz die elektronischen Bücher heruntergeladen werden. Im Februar dieses Jahres erst hatte Bezos eine neue, verbesserte Version präsentiert. Gestern verkündete er die «Kindle Vision»: «Jedes Buch, das je in irgendeiner Sprache gedruckt wurde, verfügbar in weniger als 60 Sekunden.» So weit ist es noch nicht: Bisher stehen 275'000 Bücher für das Gerät zur Verfügung. Auf Amazon.com werden bereits 35 Prozent aller Bücher, die eine Kindle-Version haben, in diesem Format verkauft.

Der Kindle ist nicht das einzige elektronische Lesegerät. Mehrere Firmen planen neue Produkte. Ziemlich weit ist das finanziell gut gepolsterte Startup-Unternehmen Plastic Logic, das noch 2009 in Dresden digitale Zeitungslesegeräte produzieren will.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2009, 09:38 Uhr

3 KOMMENTARE

Björn Amherd

07.05.2009, 08:29 Uhr

Keine Frage, langsam aber sicher wird das E-Book bzw. die E-Reader zu einem Massenprodukt. Die Chance, dass das Gerät aber kurz- bis mittelfristig in der Schweiz auftauchen dürfte eher gering sein.


Rolf Eicher

07.05.2009, 07:48 Uhr

Fürwahr, eine traumhafte Vision, die elektronische Zeitung! Tonnenweise Abfall, auf der Vorderseite bedruckt mit "Blick am Abend", "20 Minuten" oder wie auch immer, den man einsparen kann. Nicht zu denken an das Holz das gespart wird und die Ordnung die endlich wieder herrscht in Trams und Zügen!


Philip Santschi

06.05.2009, 23:51 Uhr

Als Auslandschweizer in New York würd ich sicher gern den Tagi so lesen ... aber bis der Tagi auf diesem Weg erhältlich ist, sind die Unterschiede zwischen Tagi, Blick und 20Minuten wohl so klein geworden, dass sich alle drei im Niveau nicht mehr vom Ami-Fernsehn unterscheiden und ich mir somit auch den Amazon Kindle sparen kann.



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