Wirtschaft

Die provokative Frage von Joe Ackermann

Im Angesicht des Bankendesasters kritisierte der Deutsche-Bank-Chef die Tendenz zu einem Banken-Oligopol – und schloss sogar rabiate Massnahmen nicht aus.

Für seinen Auftritt wählte Josef Ackermann passenderweise eine Veranstaltung mit dem Titel «Geld, Geist und Magie in Goethes Faust II». Wie die Online-Redaktionen der «Frankfurter Allgemeinen» und des «Spiegel» berichten, warnte er angesichts der Erfahrungen aus der Finanzkrise in deutlichen Worten vor der zunehmenden Konzentration in der internationalen Bankenszene.

Überraschend stellte er auch eine provokante Frage, die mit der Grundhaltung vieler Berufskollegen kaum übereinstimmt: «Wie kann man Banken auf eine solche Grösse reduzieren, dass sie aus dem Markt ausscheiden können, ohne das System zu gefährden?», zitierte die FAZ den Topmanager – ein indirekter Hinweis auf die Möglichkeit massiver Eingriffe in den Markt durch den Staat oder Aufsichtsbehörden, wenn eine Bank durch ihre Grösse zu einem Klumpenrisiko wird.

Zum Niedergang der amerikanischen Grossbank Lehman Brothers, der die Finanzkrise entscheidend in Gang brachte, sagte Ackermann laut den Berichten, dass dieser Vorfall «in historischer Perspektive gar nicht so schlecht» gewesen sei. Er habe gezeigt, dass es einen «moral hazard» nicht geben dürfe – das Phänomen, dass Marktteilnehmer allzu grosse Risiken eingehen, weil sie als systemwichtige Mitspieler darauf zählen können, von der Politik gerettet zu werden. (raa)

Erstellt: 18.06.2009, 12:17 Uhr

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11 Kommentare

Dieter Wundrak

27.07.2009, 11:17 Uhr
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Es geht doch nicht um Joe Ackermann oder irgend einem anderen Bankphilosophen von der Deutschen Bank. Es geht auch nicht darum, ob Schweizer oder Deutscher. Auf was es ankommt, dass ist die Ethik in einer Gesellschaft. Und da stelle ich fest, egal aus welchem Land diese Top Manager auch stammen, die meisten davon haben dieses Wort Ethik noch nie gelesen. Und darum haben wir diese Wirtschaftskrise. Antworten


Kurt Hauser

20.06.2009, 13:14 Uhr
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@P. Thürig: Herr Joe Ackermann hat wenigstens sein Metier von der Pike auf gelernt! Das Image wird halt von Neidern niedergemacht (auch weil er Schweizer ist). Antworten


Paul Thürig

19.06.2009, 11:32 Uhr
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Auch der jenseits des Rheins arbeitende,ehemalige Zürcher Banklehrling Joe Ackermann kocht auch nur mit Wasser! Und manche grossen Sprüche haben wenig Inhalt! Dementsprechend ist auch sein Image,besonders bei der Deutschen Bevölkerung nicht das Beste! Antworten


Karl Mrak

18.06.2009, 15:53 Uhr
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Ich bin vor 30 Jahren schon mit Schönredner zur Schule gegangen. Der angeschlagenste dieser Hochstapler konnte zweimal den Psychiater mit Gesundschwätzerei überreden ihn wieder laufen zu lassen. Er wusste schon damals was sich eigentlich gehörte. Bei sich selber hat er es allerdings nie eingesehen. Antworten


David Haltiner

18.06.2009, 14:55 Uhr
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Schöne Idee, Res Zaugg! Das System krankt weiter und kann so nicht gesunden, Regulatorien hin oder her (durchzusetzen sind sie sowieso nicht), ein wirkliches Umdenken wäre von nöten, aber das wird's auch nicht geben. Unsereiner kann schon klagen - wer mal an der Macht und im Filz drin ist, ist nicht mehr frei und schon gar nicht gewillt, seinen (hart erarbeiteten) Status aufzugeben... Antworten


Hansruedi Ramsauer

18.06.2009, 14:17 Uhr
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Schöne Worte von Ackermann. Die Deutsche Bank macht das Gegenteil: Per Ende des 1. Quartals hatte die DB ein Eigenkapital von 33.7 Milliarden Euro und eine Bilanzsumme von 2'103 Milliarden Euro. Das macht nach Adam Riese einen Hebel von 60 oder eine Eigenkapitalunterlegung von 1.65 Prozent. Hier stehts: http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/das-deutsche-bank-modell-heisst-leverage/ Antworten


Nadine Binsberger

18.06.2009, 13:32 Uhr
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Bravo! Weg vom Wachstums-Zwang, hin zu einer zweckmässigen Tätigkeitsorientierung, die sich an einer sinnvollen gesellschaftlichen Nützlichkeit misst. Diese Maxime müsste nicht nur für die Banken sondern auch für die Wirtschaft als Ganzes gelten. Antworten


Alexander Dominguez

18.06.2009, 13:24 Uhr
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Unter Top-Managern wird doch immer dem grenzenlosen Wachstum gehuldigt. Man will "Global-Player" sein und wenn der Gewinn in einem Jahr mal nur 20% statt 50% wächst, dann geht die Manager-Welt unter. Wir brauchen wieder mehr Firmen überschaubarer Grösse, die in ihren Regionen verwurzelt sind und wir brauchen Manager mit Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft. Antworten


Res Zaugg

18.06.2009, 12:49 Uhr
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Nach dem absehbaren Abgang aus der Deutschen Bank wäre J. Ackemann ein Bundesratskandidat. Nach dem Laientheater der letzten Jahre endlich mal ein Profi am Ruder der Finanzen. Aber das wird wohl ein Traum bleiben. Antworten


Rolf Meierhans

18.06.2009, 12:25 Uhr
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Gratuliere dem Joe! Er scheint einer der ersten Bänker zu sein die endlich begriffen haben wo das Problem liegt. Ändern wird sich ursächlich trotzdem nichts. Die Bankenlobby auf der ganzen Welt ist zu stark, als dass sie zukünftig auf indirekte gratis Staatsgarantien und sonstigen Privilegien verzichten möchte. Antworten


Ronnie König

18.06.2009, 12:08 Uhr
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Toll dieser Ackermann! Er schaft es die Erkenntnis von Marx (mehr als 100Jahre alt!!!!) und der Kapitalkonzentration zu verkaufen. Wenn Kapitalisten nun das Wissen von Marx bemühen, war wohl die Irrlehre vom Kapital doch wahr, resp. der Neoliberalismus ein Irrtum hundertprozentiger Art. Wer das vor 20-30Jahren behauptete war Moskau gesteuert. Nun nicht mehr. Seltsam oder nicht? Antworten



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