Analyse

Die wahre Liebe der Zurich

Die Zurich-Versicherung baut 800 Stellen ab – stark betroffen ist der Gruppenhauptsitz in Zürich. Dahinter steht ein Plan, der bereits am Investorentag im Dezember umrissen worden ist.

«Wahre Liebe»: Werbespot der Zurich Insurance Group.


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In einem aktuellen Werbespot klärt die Zurich-Versicherung über die Liebe auf. «Wahre Liebe» ist, wenn der Mann sich im strömenden Regen bis auf die Unterhosen auszieht, damit seine Frau die trockenen Kleider anziehen kann. Dies im Gegensatz zu «keiner Liebe» und «ein bisschen Liebe», wo der Mann sich gar nicht oder nur halbherzig um seine frierende Frau kümmert. Wahre Liebe ist, besagt ein weiterer Clip der Zurich, wenn der urbane Velofahrer sein poliertes Gefährt nicht mit der kratzigen Eisenkette abschliesst, sondern einen Ringer anstellt, der das Velo wie seinen Augapfel behütet.

Die Zurich weiss, was Liebe ist, so die Botschaft. Heute hat die Firma den Abbau von 800 Stellen bis 2015 verkündet. Jährlich 250 Millionen Dollar will die Firma damit einsparen. Damit wird ein Plan umgesetzt, den die Zurich bereits an ihrem Investorentag im Dezember umrissen hatte: Die Versicherung will ihre Präsenz in bestimmten Märkten überprüfen und das Grosskundengeschäft vorantreiben; Schlankere Strukturen sollen die Profitabilität sichern. Wichtigstes Ziel der Zurich ist, so betont Konzernchef Martin Senn, weiterhin hohe Dividenden zu bezahlen. Für 2013 werden 17 Franken pro Aktie vorgeschlagen, das ergibt total rund 2,5 Milliarden Franken.

Hohe Dividenden und relativierte Gewinnziele

«Wahre Liebe»: Dies will sich die Zurich vor allem bei den Investoren sichern. Zuletzt waren diese ins Zweifeln geraten: Mittelmässige Geschäftszahlen und der Suizid des Finanzchefs Pierre Wauthier im Spätsommer haben am Ruf der Zurich gekratzt. Die Zurich musste zurückkrebsen und das Ziel der «besseren Margen als die Konkurrenz» relativieren. Das Renditeziel wurde zurückgeschraubt. Möglichst wenig von diesen Vorgängen zu spüren bekommen sollen aber die Aktionäre: Auch in Zukunft sollen sie bei der Zurich in Genuss einer überdurchschnittlichen Ausschüttung kommen.

Die Strategie kommt auf dem Finanzmarkt an. Seit dem Investorentag am 5. Dezember hat die Zurich, ausgehend von einer kleinen Kursdelle, fast 10 Prozent zugelegt. Beim Ergebnis für 2013 konnte die Versicherung von geringen Schadensereignissen profitieren, der Gewinn stieg auf über 4 Milliarden Franken. Das 1872 gegründete Haus gilt als solide finanziert, etwas vage sind die Wachstumsaussichten. «Die Neuausrichtung rollt erst langsam an», sagt Stefan Schürmann, Analyst bei der Bank Vontobel. Die angekündigte Vereinfachung der Strukturen geht für ihn in die richtige Richtung.

Zwei unterschiedliche Vergleichsmethoden

Personal einsparen will die Zurich vor allem im Management – auf der Ebene zwischen Gruppenleitung und den lokalen Einheiten. Dort bestünden noch Überlappungen und Synergiemöglichkeiten, sagt Sprecherin Sylvia Gäumann. Als Beispiel nennt sie die Leitungsfunktion für das Schadensversicherungsgeschäft in der Region Naher Osten, die wegen der Zusammenlegung mit der Region Europa bereits im letzten Jahr wegfiel. Analyst Dominik Studer von J. Safra Sarasin schätzt, dass der Hebel vor allem in der Sparte der Lebensversicherungen angesetzt wird, die zuletzt nicht so gut lief. Angesichts der «komplexen Konzernstruktur» mache die Management-Verschlankung Sinn.

Laut Sprecherin Gäumann könne man nähere Angaben zu den wegfallenden Stellen erst machen, nachdem die verschiedenen Ländergesellschaften und Mitarbeiter ihre Rückmeldungen eingebracht hätten und der Konsultationsprozess mit Personalvertretungen vorüber sei. Dies werde im Sommer der Fall sein. Fest steht bereits jetzt, dass sich die Sparmassnahmen in der Schweiz auf den Konzernhauptsitz am Zürcher Mythenquai und auf weitere Standorte in Zürich konzentrieren werden. Nicht tangiert werde die Ländergesellschaft Schweiz mit Sitz in Oerlikon, wo das Geschäft mit Privatkunden und KMU sowie mit global agierenden Unternehmen betrieben wird.

Weitere, von der globalen Initiative stark betroffene Regionen seien Grossbritannien und Irland, so Zurich-Sprecherin Gäumann. Man müsse den Abbau von 800 Personen in Bezug zu den total 55'000 Mitarbeitern bei der Zurich setzen, sagt sie – das wären 1,5 Prozent. Eindrücklicher ist der Vergleich, wenn man die 5400 Beschäftigten in der Schweiz ins Zentrum rückt. Unter der Annahme, dass die Hälfte der 800 Entlassungen die Schweiz treffen, könnte der angekündigte Abbau der hiesigen Beschäftigten bei der Zurich bei 7,5 Prozent liegen. Diese Menschen erwartet bei der Zurich nun die betreute Neuausrichtung – oder, in der Terminologie der Firma, nur «ein bisschen Liebe».

Erstellt: 11.03.2014, 14:03 Uhr

Werbespot der Zurich

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Die Zurich, eine Dividendenperle: Konzernchef Martin Senn. (Bild: Keystone )

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