Die willigen Helfer der afrikanischen Despoten

Jahrelang wurde der Schweiz vorgeworfen, Fluchtgeld afrikanischer Herrscher anzunehmen. Die Kritik ist verstummt. Amerikanische Banken hingegen sind noch immer im Geschäft, wie ein Bericht zeigt.

1/4 Teodoro Nguema Obiang Mangue, der Sohn des Präsidenten von Äquatorialguinea, nutze verschiedene Anwälte, Banker und Treuhänder um insgesamt 110 Millionen US-Dollar in die USA zu schmuggeln.
Africatime.com

   

Unfreie Länder

Keines der vier im Bericht genannten Länder gilt als frei. Die Nichtregierungsorganisation Freedom House stuft Gabun und Nigeria als «teilweise frei» ein, Äquatorialguinea und Angola gar als «unfrei» ein. Teilweise frei heisst, dass die politischen Rechte eingeschränkt sind und die Politik durch starke Korruption und eine schwache Rechtssprechung beeinträchtigt ist. (se)

Der Bericht eines Ausschusses des Senats der USA hat es in sich: Anhand von vier Beispielen wird dargelegt, dass die USA weit davon entfernt sind, ihr Land von Schwarzgeldern afrikanischer Herrscher sauber zu halten.

Da ist zum Beispiel Teodoro Nguema Obiang, der Sohn des Präsidenten von Äquatorialguinea. Er soll mit Hilfe von amerikanischen Treuhändern, Bankern und Immobilienhändlern zwischen 2004 und 2008 insgesamt 110 Millionen Dollar in die USA geschleust haben. Er hat als Landwirtschaftsminister 60'000 Dollar im Jahr verdient, im kalifornischen Nobelküstenort Malibu soll er aber für 30 Millionen Dollar eine Villa und für knapp 40 Millionen ein Flugzeug gekauft haben. Der Senats-Report zeigt auch detaillierte Ausgaben, die von einem Konto der Bank of America aus getätigt wurden. Innerhalb eines Monats im Jahr 2004 gingen sie in die Hunderttausende. Empfänger waren unter anderem Ferrari-Verkäufer, Gucci-Läden und Lamborghini-Händler. Für 58'500 Dollar liess Obiang Junior eine Bang&Olufsen-Anlage installieren. Inzwischen wurden die amerikanische Behörden allerdings hellhörig. Gegen Teodoro Nguema Obiang laufen Ermittlungen.

Früher war es die Schweiz

Was Obiang in den USA gelang, war früher oft in der Schweiz der Fall. Mit Tricks wurden Millionen aus Ländern Asiens und Afrikas seit den Sechzigerjahren auf hiesige Konten geschoben. Genannt seien hier nur Mobutu, Duvalier, Marcos und Abacha. Mit dem Fall Marcos allerdings, der 1986 aufflog, begann das Umdenken. Mit dem Gesetz gegen Geldwäscherei von 1998, der Eröffnung einer Geldwäscherei-Meldestelle und grössere Sorgfalt der Banken bei politisch exponierten Personen wurden deutliche Verbesserungen erreicht. Das wird inzwischen auch international anerkannt.

Anders offenbar in den USA. Nicht nur Obiang, auch Omar Bongo, der jüngst verstorbene Präsident von Gabun sowie Atiku Abubakar, ehemaliger Vizepräsident Nigerias brachten dem Bericht zufolge haufenweise Geld ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wie einfach es ging, zeigt das Beispiel Bongos. In einem Fall brachte er im Jahr eine Million Dollar in Noten in seinem Aktenkoffer ausser Landes. Das Geld habe er im Namen seiner Tochter, Yamilee, in einem Schliessfach einer New Yorker Bank versteckt. Allerdings soll das Konto der Studentin kurz danach geschlossen worden sein. Zwischen 2000 und 2007 flossen aber weitere Gelder in andere Finanzhäuser. Omar Bongo starb im letzten Jahr, sein Sohn Ali übernahm die Macht. Beide hätten in ihrer Amtszeit «substanzielle Vermögen angehäuft, während das Volk in Armut lebt», heiss es in dem Senatsbericht.

Bekannte Institute mit dabei

Schlecht kommt auch Jennifer Douglas weg. Die vierte Frau von Abubakar, die einen US-Pass besitzt, half ihrem Mann zwischen 2000 und 2008 insgesamt 40 Millionen Dollar in die USA zu schaffen.

In die Deals involviert waren unter andern auch bekannte Institute. Genannt werden neben der Bank of America auch die Citibank und der britische Riese HSBC. Zwar nennt der Bericht auch Beispiele, bei denen die Banken dunkle Machenschaften witterten und entsprechende Konten schlossen. So zum Beispiel geschehen bei der HSBC. Gleichzeitig sei aber in anderen Fällen die Kontrolle der Herkunft der Gelder überhaupt nicht genügend gewesen.

Besonders erschreckend ist der vierte in dem Bericht erwähnte Fall. Pierre Falcone, ein angolanischer Waffenhändler hatte freien Zugang zu mehr als 30 Bankkonti im US-Bundesstaat Arizona und das über eine Zeit von 18 Jahren. Brisant: Die Konti hatte der inzwischen verurteilte Kriminelle bei der bekannten Bank of America. Laut dem Bericht hatte sie bereits 2005 von den Machenschaften Falcones erfahren, blieb aber offenbar bis 2007 untätig. Dann wurden Konti geschlossen, die Bank entschuldigte sich öffentlich, mit Falcone geschäftet zu haben. Falcone sitzt derweil in Frankreich seine sechsjährige Strafe ab.

Bekannte Institute mit dabei

Senator Carl Levin, Demokrat und einer der verantwortlichen für den Bericht, sagte zu den jüngsten Erkenntnissen, die Banken würden gut daran tun, sämtliches Schwarzgeld abzulehnen. Dies auch auf dem Hintergrund der 2001 verschärften Regeln über Geldwäscherei. Naiv ist Levin aber nicht: «Noch immer existieren viele Finanzvehikel, in die Schwarzgeld fliessen kann.» (cpm)

Erstellt: 08.02.2010, 11:00 Uhr

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