Wirtschaft
«Diese Mentalität erschüttert das Vertrauen in die Wirtschaft»
Aktualisiert am 17.02.2013 185 Kommentare
Sass mit Vasella im Wirtschaftsdachverband: Der frühere Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer. (Bild: Keystone )
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Nach ihrem Auftritt in der «Arena» des Schweizer Radios und Fernsehens äussert sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga nun zum zweiten Mal öffentlich über die Millionenentschädigung von Daniel Vasella.
«Diese Selbstbedienungsmentalität erschüttert das Vertrauen in die ganze Wirtschaft. Das ist ein enormer Schaden für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land und macht mir persönlich grosse Sorgen», sagt sie im Gespräch mit dem «SonntagsBlick». Zum guten Glück handle nur eine Minderheit der Manager so. Die grosse Mehrheit der Unternehmen, vor allem die KMU, arbeite hervorragend und habe bei dieser ganzen Abzockerei nie mitgemacht.
Grosse Erwartungen
Für die SP-Bundesrätin ist unklar, was künftig mit einem Fall Vasella passieren würde. «Zuerst müsste entschieden werden, ob es sich in diesem Fall tatsächlich um ein Konkurrenzverbot oder doch um eine getarnte Abgangsentschädigung handelt. Denn wäre es eine getarnte Abgangsentschädigung, so wäre eine solche bei einer Annahme der Initiative nicht mehr möglich. Beim Gegenvorschlag bräuchte es die Zustimmung von zwei Dritteln der Aktionäre. Wäre es hingegen tatsächlich ein Konkurrenzverbot, wäre dies sowohl bei der Initiative als auch beim Gegenvorschlag wohl weiterhin möglich», erklärt Sommaruga.
Die Bundesrätin glaubt, dass die Erwartungen an das Volksbegehren sehr gross sind. Die Stimmbürger hoffen, dass sie mit dem Ja die Abzockerei beenden können. Wird die Initiative angenommen, müsse zuerst ein Gesetz ausgearbeitet, vom Parlament beraten und verabschiedet werden. Wie das ganze am Schluss aussieht, wissen wir heute nicht. Anders beim Gegenvorschlag, dieser sei bereits vom Parlament verabschiedet.
Gleichzeitig nimmt die Bundesrätin bereits die Manager in die Pflicht, wenn Thomas Minder am 3. März mit seiner Abzockerinitiative durchkommt. «Wer wirklich dafür verantwortlich ist, falls es zu einem Ja kommt, sind jene Manager, die jedes Mass verloren haben.»
Kritik von Bührer
Neben Sommaruga zeigt sich auch Gerold Bührer, der ehemalige Economiesuisse-Chef, entrüstet über den Vasella-Deal. Sein Verhalten ist absolut unverständlich und für mich nicht nachvollziehbar. Ich finde das ethisch verwerflich, sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Mit den Zahlungen würden Grundsätze der Unternehmensführung, die in den letzen Jahren von der Wirtschaft und der Politik erarbeitet wurden, massiv verletzt.
Die Zahlung, die unter dem Titel «Konkurrenzverbot» abgewickelt würde, sei «eine klare Abgangsentschädigung». Man habe etwas konstruiert, um diese Tatsachen zu verschleiern. Es sei nicht statthaft, dass sich Vasella für ein Konkurrenzverbot bezahlen lässt. Jetzt müsse der Verwaltungsrat von Novartis auf die Vereinbarung zurückkommen, fordert Bührer, der zusammen mit Vasella im Vorstand des Wirtschaftsdachverbandes sass. (wid)
Erstellt: 17.02.2013, 11:21 Uhr
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