Wirtschaft

EU könnte die Schweiz zur Kasse bitten

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.10.2011 149 Kommentare

Knapp 900 Millionen Franken hat der IWF mit Geldern aus der Schweiz bereits an Griechenland, Portugal und Irland bezahlt. Weitere Formen der Beteiligung an den Euro-Krisenstaaten werden geprüft.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barrosso stehen dieser Tage in ständigem Kontakt: Barroso zu Besuch in Lausanne bei einer Preisverleihung im Oktober.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barrosso stehen dieser Tage in ständigem Kontakt: Barroso zu Besuch in Lausanne bei einer Preisverleihung im Oktober.
Bild: Keystone

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Die Staatskassen der Euroländer leeren sich, deren Geldbedarf steigt. Zudem wird mit Dexia nun die erste europäische Grossbank, die den Stresstest im Sommer noch bestanden hat, zerschlagen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sondiert nun Alternativen, um die Schuldenkrise zu finanzieren.

Im Interview mit der «Bild»-Zeitung liess Barroso mit folgenden Worten aufhorchen: «Ich würde mir wünschen, dass alle Länder Unterstützung leisten, wenn sie die finanziellen Möglichkeiten dazu haben.». Dies läge auch in ihrem eigenen Interesse. «Wenn der Euro wankt, bringt das alle Länder in Schwierigkeiten – auch die mit eigener Währung.»

Zwei Länder ausserhalb der Eurozone kommen hierbei besonders in Frage: Grossbritannien als EU-Mitglied und wichtigster Finanzplatz und die Schweiz als das grösste Bankenzentrum Europas. «Die Aussagen Barrosos sind speziell auf Grossbritannien gemünzt», schränkt Kommissionssprecher Jens Mester gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Aussagen seines Chefs ein, «mehr können wir dazu im Moment nicht sagen».

Zugeknöpft geben sich auch das Schweizer Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) und das Bundesministerium der Finanzen in Deutschland (BMF). Doch: «Eine Beteiligung der Schweiz an weiteren Rettungsmassnahmen in der EU will ich nicht ausschliessen», sagt BMF-Sprecher Bertrand Benoit zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Noch haben wir keine formelle Anfrage erhalten», heisst es knapp vom EFD.

IWF kann 16 Milliarden Franken abrufen

Über die Nationalbank (SNB) ist die Schweiz bereits am Internationalen Währungsfonds (IWF) mit rund 16 Milliarden Franken beteiligt. Der IWF und der Euro-Rettungsschirm EFSF sind die zwei Hauptinstrumente, um Hilfszahlungen an finanzmarode Staaten und Banken in der Eurozone zu leisten. Knapp 900 Millionen Franken hat der IWF in Form von Sonderziehungsrechten zur Stützung von Griechenland, Portugal und Irland von der SNB bereits erhalten, wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet erfuhr.

Ob das wirtschaftliche Engagement der Schweiz ausgeweitet wird, muss nach dem heutigen Besuch von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey im Brüsseler EU-Parlament noch geklärt werden. Bei der «Soirée Suisse» trifft sie zum Abschluss ihres Parlamentsbesuchs auf hochrangige Vertreter der EU-Kommission, um die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU zu besprechen. Die Zeit drängt, denn: «Man weiss zwar, dass gegenüber Griechenland das Risiko der Schweizer Banken klein ist. Aber es gibt Zweit- und Drittrunden-Effekte, die derzeit geprüft werden», kommentiert ein EFD-Sprecher den Besuch in Brüssel.

Schweizer Banken prüfen Ausfälle

In den Datenräumen der Grossbanken rauchen deshalb bereits die Köpfe. Die Finanzinstitute würden über ihre Bücher gehen, um die Auswirkungen gleich mehrerer Bankenausfälle zu prüfen, sagt ein Bankenvertreter. Auch Schweizer Finanzinstitute verfolgen mit Argusaugen die Zerschlagung einzelner Geldhäuser wie derzeit etwa jene der franko-belgischen Dexia. Die Analyse der Forderungen und Verbindlichkeiten von Schweizer Banken gegenüber Instituten der Eurozone habe oberste Priorität. Denn: «Eine, zwei oder drei Bankenpleiten mögen für den Schweizer Finanzplatz noch verkraftbar sein, aber dann wird es ernst», sagt ein EFD-Beamter.

Hinter den Kulissen wird eifrig über den Modus verhandelt, wie sich Banken und Staaten an den Auffanglösungen für systemrelevante Finanzinstitute beteiligen können – bis hin zur Zerschlagung. Die Grundlagen für die Verhandlungen kommen unter anderem vom deutschen Sachverständigenrat, den sogenannten «Wirtschaftsweisen». Die Ökonomen des Sachverständigenrats Peter Bofinger und Lars Feld dürfen in dieser heiklen Phase nicht mehr mit der Öffentlichkeit kommunizieren, heisst es auf Anfrage. In den nächsten Tagen wird der Rat einen Report veröffentlichen, der Aufschluss darüber geben soll, welche Folgen der Zahlungsausfall Griechenlands und allfällige Bankenhaftungen für Europa haben könnten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2011, 17:04 Uhr

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149 Kommentare

Kurt Hauser

11.10.2011, 17:20 Uhr
Melden 222 Empfehlung

Um zur Kasse gebeten zu werden muss man nicht einmal EU-Mitglied sein, eine schwache Regierung reicht bereits! Antworten


Felix Thoma

11.10.2011, 17:14 Uhr
Melden 143 Empfehlung

Jetzt ist aber langsam genug mit dieser EU!!!! Wenn wir schon 900 Mio geliefert haben und sie wollen immer noch mehr obschon wir nicht in diesem Club dabei sind, finde ich das eine Ungeheuerlichkeit! Sicher sind wir auch interessiert an einem gesunden Bankensystem, aber ich frage mich, ob sie uns auch helfen, wenn wir mal Probleme haben! Nein im Gegenteil! Täglich stellen sie neue Forderungen! Antworten



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