Wirtschaft

Edgar Oehlers Bezüge unter der Lupe

Von Andrea Schafroth. Aktualisiert am 31.01.2011

Abgang mit Nebengeräuschen: Edgar Oehler, der per Ende April als CEO der AFG Arbonia Forster Holding abtritt, soll sich in der Firma bedient haben. Die interne Revision soll nun alle Bezüge mit «vergütungsähnlichem Charakter» überprüfen.

Edgar Oehlers private Bezüge sollen intern geprüft werden. Das hat der Verwaltungsrat der AFG Arbonia Forster Holding angeordnet.

Edgar Oehlers private Bezüge sollen intern geprüft werden. Das hat der Verwaltungsrat der AFG Arbonia Forster Holding angeordnet.
Bild: Keystone

Der Ostschweizer Unternehmer und ehemalige CVP-Nationalrat Edgar Oehler zieht sich angeblich aus Altersgründen per Ende April als CEO der AFG Arbonia Forster Holding zurück. Wie das Unternehmen letzte Woche mitteilte, will sich Oehler künftig auf das Verwaltungsratspräsidium der AFG Arbonia Forster Holding AG konzentrieren. Für den Rücktritt scheint es jedoch noch andere Gründe zu geben. Oehler soll sich jahrelang in der Firma bedient haben. Dies zumindest schreibt die Zeitung «Sonntag» in ihrer gestrigen Ausgabe.

Leistungen im «grossen Stil»

Die Vorwürfe gegen Oehler sind happig. Er soll Leistungen «im grossen Stil» beansprucht haben, die nie öffentlich gemacht worden seien. Besonders brisant ist dabei eine Spezialvereinbarung von Oehler mit der AFG über den Bezug von Produkten zum Einstandspreis. Laut «Sonntag» habe dies Oehler erlaubt, Küchen und andere Produkte zum Billigpreis zu erwerben. Die Zeitung nennt dies im Zusammenhang mit zahlreichen Häusern und Wohnsiedlungen, die Oehler in der Ostschweiz gebaut haben soll. Oehler besitze laut der Wirtschaftsauskunft Teledata insgesamt fünf verschiedene Bau- und Immobiliengesellschaften.

Auch Oehlers Familienmitglieder sollen von Leistungen der AFG profitiert haben, obwohl sie nie beim Unternehmen angestellt waren. Laut «Sonntag» flog die ganze Familie auf Firmenkosten First Class nach Miami, wo die Oehlers ein Ferienhaus besitzen. Die Reise sei mit einem Besuch eines Vertriebspartners in den USA begründet worden. Weiter sollen Familienmitglieder die von der AFG gemieteten Firmenparkplätze am Flughafen Zürich genutzt und ihre Autos auf Firmenkosten aufgetankt haben. Schliesslich soll Oehler die repräsentative Liegenschaft, die in Arbon direkt am See liegt und eigentlich als Musterwohnung der AFG dient, privat genutzt haben.

Zahlen bisher verschwiegen

Der AFG-Verwaltungsrat erklärte im «Sonntag», dass er im Hinblick auf die Jahresrechnung die interne Revision mit der Prüfung von Leistungen mit vergütungsähnlichem Charakter beauftragt habe. Die Untersuchung solle Klarheit schaffen über den Bezug von Produkten und Dienstleistungen zu Sonderkonditionen. Laut «Sonntag» macht die AFG keine Angaben über die Höhe der Rabatte und Dienstleistungen von denen Oehler, seine Familie und seine privaten Immobilienfirmen profitiert haben sollen. Überhaupt habe die AFG diese Zahlen bisher verschwiegen. Im Geschäftsbericht seien lediglich die Verwaltungsratshonorare sowie Oehlers Lohnbezüge aufgeführt. 2009 hätten diese bei einem Konzernverlust von 22 Millionen 3,7 Millionen Franken betragen.

Nachfolge noch offen

Oehlers Nachfolge als CEO ist noch nicht geregelt, zur Bilanzmedienkonferenz will der Verwaltungsrat einen Nachfolger präsentieren. Wie der «Sonntag» schreibt, wird Oehler auch das Verwaltungsratspräsidium abgeben müssen. Er gelte als «lame duck» und Vizepräsident Paul Witschi habe bereits das Heft in die Hand genommen. Edgar Oehler war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. as> (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.01.2011, 13:40 Uhr

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