Wirtschaft
Eigentümer sollen Krisenbank Kaupthing geplündert haben
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 04.08.2009
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Die isländische Zeitung «DV» und der Fernsehsender RUV berichteten als Erste darüber: Über die Liste, die sämtliche Schuldner der Bank zum Zeitpunkt ihres Konkurs aufführt. Nachdem die inzwischen verstaatlichte Kaupthing den Medien die Berichterstattung mithilfe einer Verfügung verbieten liess, tauchte die Liste im Internet auf.
Die Namen, die darauf aufgeführt sind, lassen die Wut der Isländer auf ihre mutmasslich gierigen Manager erneut hochkochen: Denn die grössten Schuldner der Bank waren gleichzeitig ihre Aktionäre, also die Eigentümer der Bank. So wird dort laut dem britischen «Guardian» etwa die Investmentgesellschaft Exista genennt, die 23 Prozent der Kaupthing-Aktien hielt – und der Bank gleichzeitig 1,4 Milliarden Euro schuldete. Einen Grossteil davon soll Kaupthing seinem grössten Aktionär ohne jegliche Sicherheit geliehen haben.
Die Bank als «Selbstbedienungsladen» genutzt?
Mit den Krediten hätten die Grossaktionäre wohl teilweise noch mehr Aktien gekauft und so den Kurs künstlich nach oben getrieben, die Bank also als «Selbstbedienungsladen genutzt», zitiert die «Financial Times Deutschland» den Politikwissenschaftler Audunn Arnorsson.
Andere Medien sind vorsichtiger: «Im Moment bestehen keine Hinweise auf unrechtes Verhalten», schreibt der «Guardian», und die neue Führung der Bank bemühe sich, mögliche Interessenskonflikte in der Vergangenheit aufzudecken. Doch auch die Briten zitieren einen kritischen Experten: Kaarlo Jännäri, früheres Mitglied der finnischen Finanzaufsicht, der eine Analyse zum Kollaps des isländischen Bankensystems geschrieben hat. «Es ist auffallend, dass die Kredite an Eigentümer, mehrheitlich an Unternehmen, deren Haupttätigkeit das Investieren in Aktien oder Risikokapital war, vergeben wurden», wird Jännäris zurückhaltende Aussage zitiert.
1700 Sparer in der Schweiz
Die Bank Kaupthing wurde am 31. Oktober 2008 von ihrer Schuldenlast erdrückt. Drei Wochen, nachdem die grösste isländische Bank unter staatliche Kontrolle gestellt wurde, musste sie aufgeben. Hunderttausende Sparer verloren ihr Geld oder erhielten es vom Staat ersetzt. 1700 von ihnen leben in der Schweiz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.08.2009, 11:47 Uhr
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