Ein 15-Jähriger sorgt in der Finanzwelt für Furore
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 13.07.2009
Laut der Studie des 15-jährigen Matthew Robson gewinnen künftig vor allem Video-Spielkonsolen. Gedruckte Produkte haben seiner Meinung nach kaum Chancen.
Der Analysebericht eines 15-jährigen Bankpraktikanten zur Zukunft der Medienszene wirft grosse Wellen. Die europäischen Medienanalysten der US-Bank Morgan Stanley haben den Londoner Schüler Matthew Robson gebeten, in einem Bericht zu beurteilen, welche Zukunft verschiedene Medienanbieter haben werden. Robson absolviert bei der Bank ein Praktikum.
Seine Schlussfolgerungen stellen alle anderen Analystenberichte der Bank in den Schatten. Gegenüber der Financial Times sagte der Leiter des Analyseteams von Morgan Stanley, Edward Hill-Wood, der Bericht beinhalte «einige der klarsten und aufrüttelndsten Erkenntnisse, die wir je gesehen haben, daher haben wir den Bericht publiziert».
Enormes Echo bei Managern
Dem Bericht war ein durchschlagender Erfolg beschieden: Fondsmanager, wie auch Konzernchefs von Unternehmen aus der Medienbranche überhäufen nun die Bank täglich mit Telefonanrufen und E-Mails zum Bericht des Jungen. Damit sei das Feedback fünf bis sechsmal grösser als bei einem gewöhnlichen Analysebericht des Medienteams, erklärt dessen Chef Hill-Wood der Financial Times.
Jugendlichen traut man offensichtlich eher zu, über die künftigen Mediengewohnheiten urteilen zu können, da dieses Publikum mit neuen Angeboten viel besser vertraut ist. Tatsächlich hat Matthew Robson für seine Analysen nicht, wie sonst bei entsprechenden Berichten üblich, umfassende statistische Auswertungen vorgenommen. Vielmehr bezieht er sich auf die Mediengewohnheiten seiner Freunde. Daraus ergeben sich klare und drastische Aussagen zur Zukunft verschiedener Medienanbieter.
Keine Zukunft für Printmedien und Twitter
Printmedien haben es gemäss Robson künftig noch schwerer: Er kenne keinen Teenager, der regelmässig Zeitungen lese, schrieb er. Niemand nehme die Mühe auf sich, Seite um Seite an Text durchzuackern. Die Zusammenfassungen hole man sich online oder im Fernsehen.
Doch selbst für traditionelle Fernseh- und Radiosender sieht der Junge in seinem Bericht schwarz: Sein Umfeld schaue nur selten regelmässig Fernsehen. Lieber hört man werbefreies Radio über das Internet. Doch selbst im Internet finden Jugendliche die Werbung «extrem ärgerlich und witzlos». Keine bessere Zukunft sieht Robson für die Micro-Blogging-Plattform «Twitter» - ein Dienst, dem andere ein grosses Potenzial zutrauen. «Jugendliche benutzen Twitter nicht», lautet das vernichtende Urteil des 15-Jährigen. Über das Mobile darauf zuzugreifen, sei für die Jugendlichen schlicht zu teuer und nutzlos. Denn niemand betrachte da ihr Profil.
Geld geben die Jugendlichen gemäss Robson allerdings für andere Medienkanäle aus: vor allem für Konzerte, Kino oder Videospielkonsolen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.07.2009, 12:41 Uhr
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