Ein Chef mit Kredit

Boris Collardi, der Boss der Bank Bär, verdient und leiht Millionen.

Hoch verschuldet bei seiner eigenen Bank: Julius-Bär-Chef Boris Collardi. Foto: Matthew Lloyd (Bloomberg, Getty Images)

Hoch verschuldet bei seiner eigenen Bank: Julius-Bär-Chef Boris Collardi. Foto: Matthew Lloyd (Bloomberg, Getty Images)

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Boris Francesco Jean Collardi hat es als Sohn einer Westschweizer Journalistin und eines Italieners aus dem Süden weit gebracht. Seit sieben Jahren steht er der bekannten und grossen Privatbank Julius Bär als Chef vor. Und noch immer ist er jünger als fast alle Konkurrenten.

Collardi ist 41. Und Multimillionär. Seit 2009 strich der Manager 44 Millionen Franken ein. Damit stösst Collardi fast schon in die Sphären eines Daniel Vasella oder Brady Dougan vor.

Neuerdings geben Collardis Einkünfte zu reden. Weltweit. Die «Financial Times» (FT) widmete dem Banker Anfang Woche, als seine Vergütungen für 2015 publik wurden, einen grossen Artikel. Die Zeitung interessierte sich vor allem für einen auffälligen Punkt. Der Bär-Chef hat nämlich im letzten Jahr nicht nur mehr erhalten – insgesamt 6,2 Millionen Franken, und das trotz einer hohen Strafe von Bär im US-Steuerstreit. Sondern er hat sich auch noch hoch verschuldet bei seiner Bank.

Gut 12 Millionen Franken Kredit sind bei Collardi offen, laut FT für sein neues Haus in Schindellegi im Kanton Schwyz. Solche meist zinsgünstigen Kreditvergaben an eigene Manager führten bei Aufsichtsbehörden zu Stirnrunzeln wegen potenzieller Interessenkonflikte, meinte das Blatt. Noch ein Jahr zuvor stand Collardi bei seiner Bank «erst» mit 4,5 Millionen in der Kreide.

Die Julius Bär wollte sich nicht zur Art des Kredits äussern. Sicher ist, dass Collardi seinen Erfolg umso offener geniesst. Als er nach einer steilen Karriere bei der Credit Suisse vor zehn Jahren zur Privatbank gewechselt hatte, kursierten rasch Anekdoten über seine Auto- und Uhrensammlung. Collardi stieg darauf für den Arbeitsweg vom steuergünstigen Schwyz nach Zürich City vom Ferrari auf einen Fiat Cinquecento um. Für Collardi war nicht einfach eine Konzession an die Reputation seiner Bank, sondern eine höchst praktische Sache. Im kleinen Fiat töne er dank gutem Bluetooth am Telefon wie im Büro, was im Ferrari unmöglich sei. «Der Motor ist zu laut», sagte er einst der «Bilanz».

Das war im Herbst 2009, nach einem halben Jahr an der Spitze der Julius Bär. Trotz dem aufreibenden Job als Bankchef verströmt Collardi auch heute noch Charme und eine gewisse Sanftmut. Öffentliche Kritik nimmt er – wenigstens nach aussen – nie persönlich. Und sein Deutsch mit französischen Akzent gibt Collardi einen unbezahlbaren Touch Noblesse.

Das gekonnte Auftreten gepaart mit grossen Firmenzukäufen machten aus Collardi einen Banker für höhere Aufgaben. Lange wurde er als nächster CS-Chef gehandelt, nun gilt er als möglicher nächster Präsident der Bankiervereinigung. Umgekehrt monieren Kritiker, Collardi fehle es an einem Plan für die Zukunft von Julius Bär. Nach dem stürmischen Wachstum brauche es nun solideren Gewinn. Ob der Mann des schnellen Geldes dafür der richtige ist, bleibt unklar.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.03.2016, 23:10 Uhr)

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