Wirtschaft

Ein Fingerabdruck soll vor Hackern schützen

Von Hans Galli. Aktualisiert am 25.07.2010

Internetbanking per Fingerabdruck: Neben der Berner Kantonalbank nutzen auch die Steuerverwaltung, KPT und Quickline die neue Technik.

So werden wir in Zukunft online Bankgeschäfte tätigen: Mit Fingerabdruckleser.

So werden wir in Zukunft online Bankgeschäfte tätigen: Mit Fingerabdruckleser.

Bankgeschäfte per Internet sind mit Risiken verbunden: «Jedes ans Internet angeschlossene Gerät ist rot», sagt Alain Rollier, Mitinhaber der Bieler Technologiefirma Axsionics. Es bestehe immer die Gefahr, dass sich im Computer ein Virus oder ein Trojaner einniste, welcher den Benutzer ausspioniere oder Verbindungen umlenke. Auch die Berner Kantonalbank BEKB kennt die Gefahr: «Auch unsere Bank ist schon von Hackern angegriffen worden. Ein Schaden ist aber noch nie entstanden, weil wir rechtzeitig reagieren konnten», sagt Hans von Felten, Leiter Zahlungsverkehr. Trotzdem will die BEKB die Sicherheit weiter verbessern. Als erste Bank bietet sie die Identifikation für das Onlinebanking per Fingerabdruck an.

Im vergangenen Jahr haben zuerst die Angestellten das System getestet. Seit Anfang 2010 können es die Kunden der Cyberbank nutzen. Laut von Felten sind es bis heute 3500 Online-Kunden. Aufgrund der guten Erfahrungen wird das Angebot jetzt auf sämtliche 500 000 BEKB-Kunden ausgedehnt.

BEKB hat Firma gefördert

Die BEKB sei stolz, dass sie als Pionierin bei der Einführung der Weltneuheit beteiligt sei, sagte BEKB-Sprecher Hanspeter Merz vor den Medien. Die Kantonalbank ist allerdings nicht nur Kundin: Sie hat die 2003 gegründete Bieler Firma Axsionics schon früh mit einem Beitrag aus ihrem Innovationsfonds unterstützt. Deshalb hat sie ein Interesse, dass das Projekt zum Erfolg wird.

Axsionics-Geschäftsleitungsmitglied Rollier zeigt sich glücklich über den Durchbruch: «Es ist wichtig, dass sich unser System bei einer Bank bewährt. Banken haben die höchsten Sicherheitsbedürfnisse. Bei der Anwerbung neuer Kunden können wir die BEKB als Referenz nennen.» Die Referenz hat sich bereits ausbezahlt: Neu machen auch die Krankenkasse KPT, die kantonale Steuerverwaltung sowie die Bieler Multimediafirma Quickline mit. Die bei der BEKB gekaufte Karte erlaubt auch die Identifikation auf den Systemen der andern Firmen. Auf diese Weise lassen sich laut Rollier Kosten sparen.

Drei Fingerabdrucke abspeichern

Der Fingerabdruck ist ein zusätzlicher Sicherheitscheck zu den bekannten Sicherheitsmerkmalen. Der Kunde hat nach wie vor einen Benutzernamen sowie ein Passwort. Mit diesen meldet er sich zum Beispiel auf dem Server der BEKB an. Dieser schickt ihm daraufhin ein bewegtes Bild mit einem versteckten Code auf den PC. Der Kunde hält seine Karte vor den Bildschirm und liest das Bewegtbild mit der eingebauten Kamera ein. Anschliessend legt er seinen Finger auf die Karte. Der Finger wird gescannt und ein Chip prüft, ob er mit dem im Kärtchen abgespeicherten Fingerabdruck übereinstimmt. Falls ja, wird der im Bewegtbild versteckte Code lesbar. Mit diesem Code erhält der Kunde Zugang zu seinem Bankkonto.

Der Kunde muss den Abdruck von drei Fingern abspeichern, damit er weiter Onlinebanking betreiben kann, falls er sich beim Gemüserüsten eine Fingerkuppe abschneiden sollte.

Auch mit iPhone und iPad

Der Fingerabdruck ist nur auf der Karte gespeichert, nicht auf den Servern der beteiligten Firmen. Das entschärft nach Meinung der Anbieter das Datenschutzproblem. Und es hat einen weiteren Vorteil: «Der Kunde kann das Kärtchen überall hin mitnehmen und auf allen Geräten nutzen – vom PC über den iPad bis zum iPhone und andern internetfähigen Telefonen», sagt Rollier. Sogar im Internetcafé gebe es kein Sicherheitsproblem. Schädlinge könnten die Verbindung nicht unbemerkt umleiten: Das Gerät stelle einwandfrei fest, ob das Bewegtbild tatsächlich von der BEKB stamme oder nicht. Bei Überweisungen an neue Kunden oder bei grösseren Beträgen sende der Server ein weiteres Bewegtbild mit den Angaben über die Transaktion. Erst wenn der Kunde die Meldung entziffert und bestätigt habe, werde die Überweisung getätigt.

Wurzeln in der Fachhochschule

Axsionics hofft, rasch weitere Kunden zu gewinnen. Das nächste Ziel ist eine gesamtschweizerische Präsenz. Aber auch ausländische Banken lassen sich das System von der BEKB zeigen. Die im Jahr 2003 aus der Berner Fachhochschule herausgewachsene Axsionics AG beschäftigt heute in Biel 18 Angestellte. Die Aktienmehrheit befindet sich bei den Gründern. Seit 2008 sind die Finanzgesellschaft Core Capital sowie die Zürcher Kantonalbank beteiligt. (Der Bund)

Erstellt: 24.07.2010, 22:12 Uhr

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