Wirtschaft

Ein «Fingerzeig» für die UBS-Führung

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 28.04.2011 44 Kommentare

Die Aktionäre der Grossbank treffen sich in Basel zur GV. Im heikelsten Punkt kam es zu Unmutsäusserungen und einem schlechten Resultat für die Bank bei der Abstimmung.Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live.

1/8 Begrüsste die UBS-Aktionäre zur Generalversammlung pünktlich um 10:30 Uhr: VR-Präsident Kaspar Villiger.

   

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

  • 14:40 Uhr - Schluss unseres Berichts  

    Wir schliessen hiermit unsere Berichterstattung zur UBS-Generalversammlung. Im Vergleich zu den drei letzten Jahren ging es etwas weniger heftig zu und her. Es kamen deutlich weniger Aktionäre, es gab viel weniger Redner. Einzig bei der Abstimmung über den Vergütungsbericht musste die Bankführung eine Dämpfer hinnehmen. Immerhin ein Drittel der Aktionärsstimmen sprach sich gegen die Genehmigung dieses Papiers aus. VR-Präsident Kaspar Villiger nahm es zähneknirschend entgegen. Der Rest der Abstimmungen ging für die Bank glatt durch. Zu reden gaben auch die angepeilten Regulierungen für den Schweizer Bankenplatz. Allerdings kamen keine neuen Argumente auf den Tisch.

  • 14:36 Uhr - klar und deutlich Décharge erteilt  

    Nach der Zitterpartie um die Löhne gab es bei der Abstimmung über die Entlastung der Konzernführung wieder ein klares Resutltat: 97,8 Prozent Ja-Stimmen. Gegen die Déchargeerteilung hatte sich die Aktionärsgruppierung Actares ausgesprochen. Im letzten Jahr hatten die Aktionäre dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung zwar für das vorangegangene Jahr ebenfalls Entlastung erteilt; für das Jahr 2007 hatten sie diese jedoch verweigert. Unmittelbare Folgen hatte die Verweigerung indes nicht.

    Es folgen noch die Wiederwahlen der Verwaltungsratsmitglieder, die aber voraussichtlich alle glatt über die Bühne gehen werden. Neu zur Wahl in den Verwaltungsrat ist der Chinese Joseph Yam vorgeschlagen.

  • 14:06 Uhr - Lohnabstimmung  

    Der Vergütungsbericht wird mit 64 Prozent abgesegnet (Nein: 32,22 Prozent, Enthaltung: 3,38 Prozent). Kein überragendes, aber ein bessers Resultat als im letzten Jahr. Damals lag die Zustimmung nur bei 54 Prozent. Grübel nimmt Stellung: «Im letzten Jahr hiess es, wir hätten eine Ohrfeige erhalten. Dieses Jahr wird man wahrscheinlich von Fingerzeig sprechen.» In der Politik wären die erzielten 64,4 Prozent ein Glanzresultat, er nehme das heugige Resultat aber als Kritik entgegen. CEO Oswald Grübel hätte sich ein besseres Resultat gewünscht. Villiger bemerkt, dass man wohl in dieser Frage nie mehr zu einem guten Resultat kommen werde.

  • 13:45 Uhr - interner Konflikt  

    Dieter Biegger tritt ans Rednerpult. Er ist der oberste Arbeitnehmervertreter der 22'000 Schweizer UBS-Angestellten. Er scheut sich nicht, die eigene Firma zu kritisieren. Im Fokus seines Votums ist das «neue Bewertungssystem». Dieses war unter den Arbeitnehmern stark in die Kritik geraten, weil es die Mitarbeitenden relativ zu den Kollegen im Team bewertet und eine bestimmte Quote von tiefen Noten nötig mache. Kritisiert wird auch der Sozialplan und das Entlöhnungssystem, das immer noch zu fest auf Boni und zu wenig auf Fixlöhne setze. --- erstaunlich, dass dieser Konflikt quasi öffentlich an der GV ausgetragen wird, allerdings folgt Biegger hier dem Vorbild seiner Vorgängerin Elli Planta, die ähnlich vorgegagnen war ---

  • 13:40 Uhr - Pfiffe, müde Aktionäre?  

    Villiger kündigt die Abstimmung über die Vergütungen an. Nochmals sollen Redner sich zur Sache äussern können. --- Piffe in der St. Jakobshalle, offenbar sind die Aktionäre müde ---

  • 13:30 Uhr  

    Vor der Abstimmung über den Vergütungsbericht schickt die UBS ihren Experten vor. Der erst vor kurem, für die unerwartet abgetretene Verwaltungsrätin Sally Bott, nachgerückte Helmut Panke ist Vorsitzender des Entschädigungs-Komittees. In einem langen und technischen Plädoyer versucht er Stimmung zu machen, damit die Löhne für das vergangene Jahr gutgeheissen werden. Offenbar ist hier schon etwas Nervosität vorhanden.

  • 13:22 Uhr - Jahresbericht und Konzernrechnung genehmigt  

    Die Aktionäre stimmen mit 99,28 Prozent für die Genehmigung des Jahresberichts und der Konzernrechnung. «Das sind schon fast sowjetische Verhältnisse», bemerkt Villiger mit Schalk. Die wichtige Abstimmung folgt allerdings erst, nämlich diejenige über die Löhne.

  • 12:45 Uhr - Boni nicht ausbezahlt  

    Die Voten wiederholen sich, derweil dümpelt der UBS-Aktienkurs an der Börse um den gestrigen Schlusskurs von 17.35 Franken. Villiger erläutert zu einier Frge bezüglich Boni in den vergangenen Jahren, dass die Bank rund 80 Millionen Franken an Boni zurückbezahlt erhalten habe und - so hat man das noch nie gehört - dass hängige Boni teilweise einfach nicht ausbezahlt wurden, ohne dass es dagegen Reaktionen gegeben habe.

  • 12:30 Uhr  

    Greenpeace-Aktivistin und offensichtlich UBS-Aktionärin Mirjam Kopp prangert Investments der Grossbank UBS im indonesischen Regenwald an. «Greenpeace fordert von der UBS die Beendigung von jeglichen Investments in Firmen, die in der Abholzung des Regenwalds engagiert sind.» Die Bank soll diesbezüglich eine Vorreiterrolle übernehmen. Villiger zeigt Verständnis für das Votum und verspricht der «Affen-Aktivistin» - «durchaus eine orginelle Form des Auf-sich-aufmerksam-machens» - Engagement und Transparenz.

  • 12:20 Uhr  

    Aktionär Guido Röthlisberger kritisiert die noch immer horrenden Löhne, die bei der UBS bezahlt werden. Er bekommt für sein Votum Applaus. Ein Hinweis auf den Ausgang der Abstimmung über den Vergütungsbericht?

  • 12:05 Uhr - Warum in der Formel 1?  

    Aktionärin Brigitta Moser Harder will von der UBS-Führung wissen, warum man in der Formel 1 investiere und wieviel der Ausflug von CEO Oswald Grübel mit «ausgewählten Kunden» beim Rennen in Melbourne kostete. Moser Harder erhält zwar keine Antwort zur Kostenfrage. Trotzdem nimmt Villiger Stellung zum Engagement in der grossen Auto-Klasse. Für den weiteren Aufbau des internationalen Geschäfts sei das Engagement wichtig. Zudem sei der aufgebrachte Werbefranken in diesem Segment im Vergleich zu anderen Bereichen gut investiert.

  • 11:50 Uhr - Dresscode  

    Rudolf Meyer, Präsident der Anlagestiftung Actares, gibt in vielen Punkten seinem Vorredner recht. Er verweist aber auch auf den «lächerlichen Dresscode». Meyer hat auch Zweifel, ob tatsächlich eine neue UBS entstanden sei. Die Renditevorgaben seien unrealistisch, das alte Casino sei immer noch da. Villiger gibt zu, dass der Dresscode in seiner ersten Version etwas zu ausführlich gestaltet war. Schalkhaft verweist er auf seinen Anzug: Schwarzer Veston, weisses Hemd, rote Krawatte - wie Grübel auch.

  • 11:40 Uhr - Abreibung von Zeyer  

    Der bekannte Publizist René Zeyer «Bank, Banker, Bankrott» geisselt die Bankführung aufs Schärfste. Man könne ja froh sein, dass die Bank die GV nicht auf den Bahamas abhalten müsse. Ein Seitenhieb auf Grübels Auszugsdrohungen. Zeyer beantragt die Ablehung des Jahresberichts, des Vergütungsberichts und die Entlastung des Managements. --- Zeyer erhält starken Applaus ---Villiger lässt die Anschuldigungen nicht stehen und schlägt zurück. Die Bank habe sich verändert und nicht mehr mit derjenigen von früher zu vergleichen.

  • 11:35 Uhr - weniger grosser Aufmarsch  

    2077 Aktionäre sind in die Basler St. Jakobshalle gepilgert. Deutlich weniger als in den Vorjahren. Zwischen 5000 und 6000 waren es zwischen 2008 und 2010. Auch bei den Rednern ist die Liste kleiner geworden. 22 haben sich angemeldet. 60 waren es letztes Jahr. Grübel gibt eine Redezeit von maximal fünf Minuten bekannt.

  • 11:30 Uhr  

    Grübel, ganz der Zahlenmensch, legt nochmals die Bedeutung des Schweizer Bankenplatzes für die Schweiz vor: 88 Milliarden Franken Wertschöpfung, 14 Milliarden Franken Steueraufkommen. Wenn die Regulierung zu streng werde, setze man diese Werte aufs Spiel, warnt der Chef der UBS. --- Grübel nutzt seinen Auftritt für ein kräftiges Plädoyer für den Bankenplatz Schweiz --- «Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben», schliesst Grübel sein Votum.

  • 11:20 Uhr - «Den falschen Ton getroffen»  

    Grübel räumt ein, dass er in der Debatte um die Bankenregulierung manchmal zu forsch war: «Manchmal haben wir den falschen Ton getroffen.» Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, nochmals kräftig für die Position seiner Bank in dieser Frage einzustehen.

    Es dürfe nie mehr geschehen, dass der Staat eingreifen muss, um eine Bank zu retten. Höhere Kapitalanforderungen seien daher «sinnvoll und notwendig», und sie dürften in der Schweiz «durchaus etwas strenger sein als in anderen Ländern».

    Es sei indes wichtig, nun die Auswirkungen der geforderten Kapitalzuschläge auf Finanz- und Werkplatz «umfassend zu analysieren, bevor die Gesetzgebung in Stein gemeisselt wird». Sollten sich Wettbewerbsverzerrungen abzeichnen, müssten die Massnahmen nochmals überprüft werden.

    Die Grossbanken seien die tragenden Säulen des Finanzplatzes, und dieser sei der wichtigste Treiber für den Wohlstand in der Schweiz. Wenn die Schweiz im Alleingang die Grossbanken unverhältnismässig belaste, könnte ein Teil des Wohlstands auf dem Spiel stehen, sagte Grübel.

  • 11:15 Uhr - «Der UBS-Aktienkursverlauf war enttäuschend»  

    Grübel erklärt die magere Entwicklung der UBS-Atkie: Die Wende der UBS sei im Kurs schon vorweggenommen gewesen, so der CEO. --- Grübel entschuldigt sich, dass die Bank den Aktionären keine Dividende zahlen könne. Er verweist auf die absehbaren strengeren Kapitalvorschriften.

  • 11:08 Uhr - Grübel übernimmt  

    Oswald Grübel übernimmt das Wort von Kaspar Villiger. Er fasst die Entwicklung der letzten Jahre und Monate nochmals zusammen und verweist auf die Fortschritte. --- Applaus - die Stimmung ist bedeutend besser als die den letzten Jahren Auch Grübel betont, dass die UBS in letzten zwei Jahren eine nachhaltige finanzielle Verbesserung erreicht habe. Er wisse zwar, dass die Bank noch viel zu tun habe, doch sei er ausserordentlich glücklich, dass die UBS diesen Meilenstein erreicht habe.

  • 11:05 Uhr  

    Villiger zitiert britische Analysten, die von einem Investment in UBS mit tiefen Kurszielen quasi abraten. Und das, weil die Bank mit den künftigen Kapitalanforderungen zu wenige Rendite erwirtschaften könne. Villiger will damit nochmals Anregungen zur Debatte über die künftige Bankenregulierung in der Schweiz beitragen.

  • 10:55 Uhr - Proteste vor der GV  

    Im Vorfeld der Generalversammlung haben Greenpeace-Aktivisten und frühere Swissair-Mitarbeiter für ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Im Vergleich zu früheren Versammlungen halten sich diese Aktionen aber in kleinem Rahmen. «Regenwald: Too-big-to-fail», steht auf einem Plakat.

  • 10:45 Uhr - Umstrittene Regulierung  

    Es sei in jüngster Zeit kritisiert worden, es sei nicht an der UBS, auf Mängel an der Too-big-to-fail-Vorlage hinzuweisen, denn sie habe ja den Schlamassel verursacht, sagte Villiger am Donnerstag in der Basler St. Jakobshalle. Dieser Kritik trete er aber entschieden entgegen.

    Denn zum einen habe die heutige UBS-Führung die Krise nicht verursacht. Zum andern lasse er sich das Meinungsäusserungsrecht nicht nehmen, wenn er zur Überzeugung gelange, dass in einer Gesetzesvorlage nicht alle Aspekte genügend bedacht worden seien. Derzeit zeichne sich eine Grossbankenregulierung ab, deren Konsequenzen für den Finanzplatz Schweiz unterschätzt würden.

    Die UBS stehe zu einer leistungsfähigen Finanzmarktaufsicht und zu Mechanismen, die erlauben, dass systemkritische Funktionen im Krisenfall erhalten blieben und auch eine Grossbank Konkurs gehen könnte. Die UBS akzeptiere auch, dass man die Grossbanken zusätzlich zu den Basel-III-Regulierungen besser als im Ausland kapitalisiert haben wolle.

    Villiger sagte vor den UBS-Aktionären aber auch, dass die Bank sich verpflichtet fühle, auf die Folgen für Konkurrenzfähigkeit der UBS hinzuweisen, wenn die Schweiz im Alleingang sehr weit gehe und andere Länder nicht in einem gewissen Ausmass mitziehen würden. Es sei daher «nicht einzusehen, warum die Schweiz gesetzgeberisch vorpreschen muss, bevor sich abzeichnet, was international wirklich geschieht».

    Der UBS würden wegen der Kritik unlautere Motive unterstellt. Doch es gehe ihr vor allem um den Finanzplatz Schweiz, der für den Wohlstand des Landes so wichtig sei.

    Die UBS drohe auch nicht mit Wegzug. Aber sie weise ehrlicherweise darauf hin, dass man nicht Kredite verteuern und viele Geschäfte unrentabel machen könne, ohne dass man dies irgendwo spüre. Der Standort Schweiz sei ihr indes der liebste, sagte Villiger.

  • 10:40 Uhr - Turnaround geschafft  

    Die UBS habe den Turnaround geschafft, sei wieder profitabel und habe die Altlasten grösstenteils bereinigt, so Villiger. Auch die Reputation habe sich signifikant verbessert. In Asien, in den USA und in Grossbritannien sei das Ansehen der Bank ausgezeichnet, aber auch in der Schweiz sei es erheblich besser geworden. «Das deutlichste Zeichen ist der Neugeldzufluss», so Villiger. Dieser belege das erstarkte Kundenvertrauen.

  • 10:35 Uhr - Begrüssung  

    Villiger erklärt den anwesenden Aktionären, dass in den nächsten Jahren die Generalversammlung in Zürich stattfinden werde. --- Verhaltener Applaus --- Rückblickend auf die letzte GV hofft Villiger, dass es diesmal nicht nochmals 9,5 Stunden dauern werde. Er habe aber für den Fall der Fälle auf seinem Fahrrad Kondition antrainiert.

  • 10:30 Uhr - Start zur GV  

    VR-Präsident Kaspar Villiger eröffnet pünktlich die Generalversammlung der UBS in der Basler St. Jakabshalle. Der heikelste Punkt des heutigen Anlasses ist sicher die Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht 2010. Die Abstimmung ist zwar nicht bindend, ein grosser Nein-Anteil hätte aber dennoch Signalwirkung.

Erstellt: 28.04.2011, 10:39 Uhr

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44 Kommentare

samuel wehrli

28.04.2011, 12:29 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Ohne Schweizer Bürger und deren Steuerzahlungen wäre die UBS heute nicht mehr existent. Dies scheint auch Herr Villiger bereits vergessen zu haben. Es ist schon unglaublich, dass angesichts der Vergangenheit der Bank die neuen Regulierungsvorschriften so scharf angegriffen werden. Herr Villiger noch einmal ist das Schweizervolk nicht mehr bereits, der UBS das Leben zu retten. Antworten


Karl Stemmler

28.04.2011, 12:42 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Es wird langsam langweilig. Immer die gleichen Wichtigtuer möchten sich gerne in der Presse sehen und geben an jeder UBS-Jahrestagung die gleichen kommentare ab. Einmal ein anders Thema oder gar ein Lob an die vielen tausend Angestellten der Firma zum Beispiel. Antworten



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