Wirtschaft

Ein Paar Mausklicks hätten den «Mini-Madoff» entlarvt

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 16.11.2009

Der Deutsche Helmut Kiener hat Investoren und Grossbanken um Hunderte von Millionen geprellt. Eine kleine Internetrecherche hätte sie warnen können.

Eine Internetrecherche hätte vor Verlusten bewahrt: Webeintrag von Helmut Kiener

Eine Internetrecherche hätte vor Verlusten bewahrt: Webeintrag von Helmut Kiener

Zur Geschichte um die sogenannte «Mini-Madoff»-Affäre werden immer weitere abstruse Details bekannt. Wie Bernie Madoff, aber mit weit kleineren Volumen, soll der Deutsche Helmut Kiener ein komplexes Hedge-Fund-Konstrukt gebildet haben, das noch höhere Renditen versprach als das US-Original: Während Madoff angab, es auf durchschnittlich 10,5 Prozent jährlich gebracht zu haben, will Kiener sogar 17,5 Prozent erreicht haben. Nach der Verhaftung Kieners am 28. Oktober scheint es, dass auch dieses Fondsgebilde letztlich nur auf Betrug beruht hat (siehe «Artikel zum Thema»). Auf bis zu 600 Millionen Euro werden die Verluste von Anlegern bisher geschätzt. Laut dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer sind auch Schweizer betroffen.

Besonders haarsträubend an dieser Geschichte ist, wie selbst Grossbanken auf Kiener hereinfallen konnten. Die britische Barclays Bank hat zwei Investmentzertifikate auf Kieners Fonds herausgegeben, was dieser selbst gegenüber seinen Investoren und den Medien als Beleg für seine Seriosität angeführt hat. Barclays und die Grossbanken JPMorgan Chase, BNP Paribas und Société Générale werden laut der Agentur «Bloomberg» 400 Millionen Dollar durch ihr Engagement bei Kiener verlieren. Laut der «SonntagsZeitung» geschäfteten auch die Schweizer Banken Credit Suisse, HSBC Suisse und Sarasin mit Kiener. Über diese Institute hat Kiener laut den deutschen Behörden regelwidrig Gelder verschoben.

Zu keinem von 75 Zielfonds waren Daten vorhanden

Dabei hätten sowohl Banker wie Investoren leicht erkennen können, dass bei Kieners Konstrukten einiges nicht stimmt – eine kleine Internetsuche hätte genügt. Vorgenommen hat eine solche laut «Financial Times Deutschland» die Detektei Opus-111 schon im Dezember 2008. So stellte sich heraus, dass Kieners Dach-Fonds, der im Zentrum des ganzen Gebildes stehen soll, in allen Dokumenten unauffindbar blieb. Die Struktur, wie sie auf mehreren Internetseiten zu finden war, sei «nahezu unbegreiflich» gewesen. Insgesamt 75 Zielfonds habe Kiener unterhalten, die die Prachtsrenditen geliefert haben sollen. Details dazu blieben allerdings im Dunkeln: «Wir finden keinen Ziel-Funds, in den Kiener investiert hat», stellten die frustrierten Detektive fest. Einmal sei zudem das gesamte Fondsvermögen mit 1 Milliarde Dollar angegeben worden, ein andermal mit 800 Millionen Dollar. Verwirrend waren allein die Angaben zum offiziellen Firmensitz.

Steuerberater werden zu Wirtschaftsprüfern

Die Detektive haben sich auch telefonisch nach den Prüfern der Kiener-Produkte in Asien erkundigt. Dort teilte man ihnen bloss mit: «Wir haben Prüfer in Deutschland». Bei diesen zeigte sich dann , dass sie nicht als Wirtschaftsprüfer, sondern als Steuerberater zugelassen sind.

Noch heute lässt sich auf dem Internet leicht einsehen, was der Psychologe Kiener für eine Ausbildung zum Finanzspezialisten angibt. In seinem Lebenslauf (siehe Link) steht da ab «08/1990» «Beschäftigung mit den Weltfinanzmärkten».

Angesichts dieser leicht recherchierbaren Unvereinbarkeiten zu Kieners Hedge Funds ist der Skandal um den mutmasslichen Betrüger auch eine skandalöse Peinlichkeit für all die Banken, die mit ihm Geschäfte getrieben haben.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2009, 20:52 Uhr

Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.