Ein «Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz»? Blödsinn!

Amerikaner und Briten würden den Libor-Skandal als Vorwand für einen Angriff auf den Finanzplatz Schweiz benützen, lautet nun eine These. Warum das nicht stimmt.

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Für den Finanzjournalisten Lukas Hässig ist die Libor-Busse gegen die UBS mit rund 1,5 Milliarden Dollar viel zu hoch ausgefallen. Bundesrat und UBS-Bosse würden die Lage völlig falsch einschätzen, schreibt er in einem Kommentar auf «20 Minuten online». Die Milliardenbusse sei die Spitze einer Schlacht in einem Wirtschaftskrieg gegen den Finanzplatz Schweiz – angezettelt von den Angelsachsen.

Diese Bedrohung würde jedoch nicht erkannt, stellt Hässig fest. «Die Libor-Busse ahndet zu Recht einen Betrug», schreibt er. «Aber sie fällt im Vergleich zu den bisherigen Bussen viel zu hoch aus. Sie erniedrigt die Schweiz und macht deren wichtigste Bank zum Freiwild. Höchste Zeit, dass die Verantwortlichen dies erkennen und aufwachen.» Hässig hat zwei Bücher zum Fall UBS geschrieben und betreibt einen Blog über die Finanzindustrie. Was ist von seiner Einschätzung zu halten?

Die UBS war Rädelsführer

Es ist richtig, dass die Busse gegen die UBS sehr hart ausgefallen ist. Die ebenfalls wegen Libor-Manipulationen angeklagte Barclays Bank wurde nur mit 450 Millionen Dollar gebüsst. Nur hat dies nichts damit zu tun, dass Barclays eine angelsächsische Bank ist, sondern damit, dass ihre Verfehlungen weit geringer sind als diejenigen der UBS. Die Schweizer Grossbank war so etwas wie der Rädelsführer der Libor-Manipulationen.

Die britische Financial Services Authority hat mindestens 2000 unangemessene Eingaben von 45 Bankern gezählt. Die UBS hat die betrügerischen Manipulationen zudem über lange Zeit durchgeführt. Der Bericht der amerikanischen Regierung spricht von mehr als zehn Jahren. «Die Vereinbarung reflektiert das Ausmass der Verfehlungen und wie wichtig es ist, dass wieder ehrlich und verlässlich gehandelt wird», sagt denn auch Gary S. Gensler, Chairman der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission, die das Verfahren gegen die UBS angestrengt hat.

Am schnellsten unter zu Schnellen

Mit anderen Worten: Die UBS ist nicht allein zu schnell auf der Finanzautobahn gerast, aber sie war viel schneller als die anderen unterwegs. Deswegen erhält sie nun auch eine höhere Busse.

Das Problem der UBS ist nicht ein gegen sie geführter Wirtschaftskrieg, sondern – wie sich immer deutlicher herausstellt – das katastrophale Management der Ära von Marcel Ospel. Damals wollte die UBS auf Augenhöhe mit Investmentbanken wie Goldman Sachs agieren und hat sich damit massiv überschätzt. Planlos wurde mit dem Checkbuch Investmentbank-Know-how eingekauft – SG Warburg, Paine Webber, Dillon Read – ohne dass das Management in der Lage war, die Finanz-Cowboys unter Kontrolle zu halten. Das rächt sich bis heute. «Investmentbanking ist teuer beim Einstieg, teuer zu managen und teuer beim Ausstieg», schreibt John Gapper in der «Financial Times». Die Libor-Manipulationen waren eine direkte Folge davon: Das UBS-Management hatte seine Truppe schlicht nicht im Griff. Gapper kommt deshalb zu einem wenig schmeichelhaften Schluss: «Rückblickend erscheint die UBS nicht als eine korrupte oder betrügerische Bank, sondern als eine naive und sorglose. Man hat zu viele Abkürzungen gewählt in einer Industrie, die höchste Vorsicht erfordert.»

Hässigs These vom angeblichen «angelsächsischen Wirtschaftskrieg» ist Unsinn. Sie hat nichts mit der Realität zu tun, sondern ist Auswuchs einer chauvinistischen Paranoia. Das ist das Letzte, was wir jetzt noch brauchen können.

(Erstellt: 20.12.2012, 14:06 Uhr)

Philipp Löpfe.

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