Wirtschaft
Ein letzter Stresstest vor dem Abgang
Von Patrick Marcolli. Aktualisiert am 26.10.2011 3 Kommentare
Die Deutsche Bank mit weniger Gewinn
Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal die von der Euro-Schuldenkrise ausgelösten Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu spüren bekommen. Bank-Chef Josef Ackermann sieht sein Unternehmen aber weiter gut für die Marktturbulenzen und strengere Kapitalregeln gerüstet. Der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn ging im Vergleich zum zweiten Jahresviertel um rund 28 Prozent auf 942 Millionen Euro zurück, wie die grösste Bank Deutschlands gestern mitteilte. Experten hatten mit einem stärkeren Gewinnrückgang gerechnet. Insgesamt verdiente das Institut im dritten Quartal noch 777 Millionen Euro und damit deutlich mehr als von Analysten erwartet.
Artikel zum Thema
- Deutsche Bank übertrifft Gewinn-Erwartungen
- Ackermann soll es bei den Griechen richten
- Ackermann sticht ins deutsche Wespennest
Stichworte
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Nein, als stiller Schaffer oder bescheidener Wirtschaftsführer galt Josef Ackermann (63), seit 1996 Vorstandsmitglied und seit 2006 mächtiger Chef der Deutschen Bank, in Deutschland nie. Im Gegenteil. Er steht für einen hemmungslosen Bankenkapitalismus «à l’Americaine», der ohne Rücksicht auf Verluste und unter hohem Risiko Gewinne zu erwirtschaften trachtet.
Auch jetzt, kurz vor seinem angekündigten Rücktritt aus dem operativen Geschäft im Mai 2012 hat der gebürtige Ostschweizer nichts von seinem überbordenden Ehrgeiz verloren: Für 2011 erklärte er vollmundig einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro zum Ziel. Zwar ist dieser Betrag nach dem dritten Quartal (siehe Kasten rechts) nun ziemlich in die Ferne gerückt, und Ackermann war bereits gezwungen, öffentlich vom selbst gesteckten Ziel abzurücken. Doch immerhin hat die Deutsche Bank (DBN 29.39 1.07%) in den ersten neun Monaten bereits 6,3 Milliarden Euro verdient.
Die aktuelle Performance seines Instituts ist für Ackermann wohl wichtiger denn je. Er scheint nichts in der Welt demütigender zu finden, als die Hilfe der öffentlichen Hand in Anspruch nehmen zu müssen. In der Subprime-Krise 2008 war die Deutsche Bank als eine der wenigen Geldinstitute nicht auf Staatsgelder angewiesen – was Ackermann später auch gerne betonte. Dies obwohl 2008 ein Verlust von vier Milliarden Euro eingefahren wurde. Er würde sich schämen, Steuergelder in Anspruch zu nehmen, soll Ackermann damals gesagt haben. Dies trug ihm den Respekt seiner Kritiker ein – zumindest kurzfristig.
Möglichst keine Staatshilfe
Nun sitzt er als Präsident des Internationalen Bankenverbands mit den Staatschefs Europas am Tisch und ringt um Lösungen in der Griechenland-Krise. Wie hoch soll der Schuldenschnitt ausfallen? Wie hoch die Beteiligung der privaten Gläubiger? 21 Prozent haben die Banken zunächst freiwillig angeboten, später dann 40, die Politik will 60 Prozent. Man wird sich wahrscheinlich auf 50 Prozent einigen.
Um jeden Preis möchte Ackermann vermeiden, dass seine Bank eine Zwangsgeldspritze benötigt, falls die Kernkapitalquote der Institute erhöht werden müsste. «Die Bank wird alles tun, damit sie auch dieses Mal kein Staatsgeld braucht», sagt Ackermann. Man sei bestens auf einen möglichen Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen vorbereitet. Die Staatspapiere stünden bei der Deutschen Bank derzeit mit 46 Prozent des Nominalwerts in den Büchern. Das heisst, die Bank hat ihre Forderungen auf den Marktwert abgeschrieben. Damit würde Ackermanns Institut bei einem Schuldenerlass von 54 Prozent keine weiteren Verluste verbuchen müssen. Ebenso gut steht die Bank offenbar bei der Eigenkapitalquote da. Sie lag Ende September bei 10,1 Prozent. Somit könnte die Deutsche Bank die geplanten verschärften Kapitalanforderungen wohl erfüllen. Diese positiven Meldungen sind dringend nötig, hat doch die Rating-Agentur Fitch gedroht, die Kreditwürdigkeit des Geldinstituts allenfalls herabstufen zu wollen.
Der Provokateur
Ackermann wäre nicht Ackermann, würde er die Aufmerksamkeit, die ihm die Krise beschert, nicht auch dazu nutzen, wieder mal gehörig zu provozieren. «Die Marktteilnehmer fragen sich in diesem Zusammenhang nicht nur, ob die Verantwortlichen den nötigen politischen Willen aufbringen, um die Krise zu bewältigen, sondern zunehmend auch, ob ihnen dazu überhaupt noch genug Zeit bleibt und ob sie über die dafür notwendigen Mittel verfügen», hatte er Mitte Oktober verkündet – und damit die Bemühungen der Politik zur Rettung des Euro angezweifelt.
Für diese Kritik erhielt Ackermann aus allen politischen Lagern umgehend einen Rüffel retour, von den Grünen bis zur CDU. Es scheint aber, als perle jegliche Kritik an diesem smarten Mann ab und als agiere er unter dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Und seinen Ruf hat der ehemalige Verwaltungsrat der Credit Suisse bereits vor Jahren gründlich ruiniert: 2004 wurden er und einige andere Wirtschaftsführer vom Landgericht Düsseldorf wegen Untreue angeklagt. «Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden», sagte er damals mit seiner unübertrefflichen Arroganz. Der Öffentlichkeit blieb aber viel mehr im Gedächtnis haften, dass er zu Prozessbeginn im Gerichtssaal siegesgewiss in die Kameras lächelte und sich zu einem «Victory»-Zeichen hinreissen liess.
Immer wieder Charmeoffensiven
Damit war das Bild von Ackermann, dem eiskalten Banker aus der Schweiz geboren, dem es auch nicht schwer zu fallen schien, hohe Konzerngewinne und Stellenabbau gleichzeitig zu verkünden. Zwischenzeitlich startete er Charmeoffensiven, tingelte durch Talkshows, lächelte freundlich und gab sich handzahm. Doch stets blieb in der Öffentlichkeit ein Rest von Misstrauen. Dies zeigte sich zum Beispiel daran, dass Kanzlerin Angela Merkel 2008 von einem Gericht gezwungen wurde, die Liste jener Gäste zu veröffentlichen, die sie zu Ackermanns 60. Geburtstag ins Kanzleramt geladen hatte.
In diesen Tagen muss der Banker nicht nur von Politikern Kritik einstecken, auch innerhalb der Bank scheint sich die Stimmung gegen ihn zu wenden. Laut dem «Spiegel» herrscht bei der Deutschen Bank dicke Luft. Ackermann kümmere sich zu wenig ums Tagesgeschäft, laute der Vorwurf von «hohen Managern». Er habe als Präsident des Internationalen Bankenverbands kein offizielles Mandat für die Griechenland-Verhandlungen und solle sich doch, bitteschön, mehr um seine Bank kümmern. Der «Spiegel» will gar einen Machtkampf zwischen Ackermann und einem seiner beiden Nachfolger, Anshu Jain, erkannt haben. Wie dieser Kampf auch ausgehen mag: Ackermann wird der Deutschen Bank als Verwaltungsratspräsident erhalten bleiben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 26.10.2011, 23:06 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Ist doch gut, dass Ackermann Klartext spricht und aufrüttelt. Man darf wohl noch die Wahrheit sagen dürfen, denn das an Sozialismus erkrankte Deutschland braucht einen Artzt. In Düsseldorf wurde er verurteilt, weil er eine Übernahme von Mannesmann ermöglicht hatte, die für deren Aktionäre gutes Geld eingebracht hat. Für sowas kann man nur in D verurteilt werden, ich würde es als eine Ehre sehen. Antworten
Der Kapitalismus beerdigt sich nicht selbst sondern erneuert sich, reformiert sich. Das ist etwas das im Sozialismus offensichtlich nicht geschehen kann, deshalb funktioniert auch bald die ganze Welt nach dem kapitalistischen System (China z.B. ist doch schon laengst kapitalistisch). Antworten
Wirtschaft
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
- 07:17«Deutschland sollte niemanden züchtigen»
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


Bitte warten

