Ein offenes Geheimnis
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 09.02.2010
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Oswald Grübel gab sich heute in Bezug auf die Debatte um das Bankgeheimnis erstaunlich gelassen. Der wichtigste Grund: Die Schweizer Grossbank hat sich wie die Credit Suisse schon seit Jahren auf ein Private Banking vorbereitet, das auch ohne die Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung funktioniert.
«Ausserhalb der Schweiz sind wir die grösste und stärkste Bank im ‹Onshore-Geschäft›, da sind wir gut positioniert», sagte Grübel deshalb stolz. Im Onshore-Geschäft werden die Kunden in ihren Heimatländern von Beratern der UBS (UBSN 12.9 -0.23%) betreut. Dort hat das Bankgeheimnis ohnehin keine Geltung. Dass die Rechnung aufgehen könnte, darauf weist die Entwicklung in den aufstrebenden Ländern Asiens hin, denn dort verzeichnete die UBS im vierten Quartal Geldzuflüsse, während überall sonst die reichen Kunden noch mehr Mittel abgezogen haben als im Vorquartal.
Dank dem Fokus auf das Onshore-Banking bereitet Grübel selbst die mögliche Einführung eines automatischen Informationsaustauschs keine schlaflosen Nächte: «Wir sind global tätig und auch in den EU-Ländern reihum präsent. Diese Onshore-Märkte werden in Zukunft weit stärker wachsen als in der Vergangenheit.» Andere Banken – gemeint sind wohl vor allem die kleineren, weniger international ausgerichteten Institute – wären von einem automatischen Informationsaustausch ohnehin stärker betroffen als die UBS.
Der UBS-Chef mahnt die Politiker
Grübel glaubt, von einer solchen Regelung sei man «noch weit entfernt». Dennoch mahnt er die Politiker, ein tragfähiges Abkommen auszuhandeln: «Die Schweiz wird mit der EU reden müssen.» Nötig sei ein langfristig tragfähiges Abkommen.
Den insgesamt verstärkten Abfluss von Kundengeldern im vierten Quartal führt der UBS-Chef nicht auf die hitziger gewordenen Debatten um das Bankgeheimnis zurück. Die Ursache ist laut Grübel der starke Aderlass bei den Kundenberatern im Sommer des letzten Jahres, der je etwa zur Hälfte auf Kündigungen und freiwillige Abgänge zurückgehe. Solche Berater nehmen gewöhnlich etwa 30 bis 40 Prozent der verwalteten Vermögen mit. Wegen der Kündigungsfristen der Berater zwischen drei und sechs Monaten hat sich der personelle Aderlass erst spät im Jahr voll ausgewirkt, Grübel rechnet damit, dass er abgeschwächt «noch einige Monate» zu Abflüssen führen wird.
Anstiftung zum Diebstahl
Wenig konnte der UBS-Chef zu den gestohlenen Bankdaten und den Folgen für die UBS sagen. Immerhin haben man weder nach Deutschland noch nach Frankreich einen «spezifischen Abflusstrend» festgestellt. Auch ob sich auf den «angeblichen Disks» Daten von UBS-Kunden befinden, weiss man bei der Grossbank laut ihrem Chef offenbar nicht. Schliesslich habe man «keinen Grund anzunehmen, dass einer unserer Mitarbeiter Daten nach aussen geliefert hat».
Dass die deutsche Regierung für die geklauten Daten-CDs Millionen bezahlen wird, sieht Grübel allerdings klar als Gefahr für die weltweit tätigen Grossbanken, denn hier entstehe ein neuer Markt: «Wenn Regierungen Leute mit hohen Zahlungen dazu anstiften, Daten zu stehlen, verändert das nachhaltig das Verhalten – ich weiss nicht, wie das weitergeht.»
Keine Rolle mehr im Konflikt mit den USA
Eher knapp äusserte Grübel sich auch zur Auseinandersetzung mit den USA. Nach dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts hat hier die Unsicherheit wieder zugenommen, weil das Abkommen in Frage gestellt scheint: «Wir haben die Verantwortung wahrgenommen, die Daten an die Schweizer Behörden auszuhändigen. Ich sehe nicht, was wir weiter tun können.»
Das grösste Problem für die UBS und Hauptursache für den Geldabfluss ist das verloren gegangene Vertrauen, hier spielt die Debatte um das Bankgeheimnis eine Rolle, doch noch wichtiger ist die jüngste Vergangenheit der Bank: «Wir sollten die Rufschädigung nicht unterschätzen, die wir uns selbst aufgehalst haben», erklärte Grübel. Immerhin ist er überzeugt, dass die Reputation wieder repariert werden könne und die Gelder wieder zur UBS zurückfliessen. Das brauche allerdings Geduld, die ihm selbst und den meisten anderen wohl fehle, sagte der UBS-Chef. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2010, 14:19 Uhr
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