Eine Milliarde Franken findet in der Schweiz keine Abnehmer

Ein Fonds der Erdölvereinigung muss im Inland wirksame CO2-Kompensationsprogramme subventionieren. Dabei hat er ein Problem: Es gibt zu wenig solcher Projekte.

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Der Fonds der Stiftung Klik besteht seit eineinhalb Jahren. Er sitzt auf sehr viel Geld, das eingesetzt werden sollte, um im Auftrag der Erdölvereinigung den Ausstoss von 6,5 Millionen Tonnen CO2 bis 2020 zu reduzieren. Das Klik-Budget beträgt rund eine Milliarde Franken und speist sich aus den staatlichen verordneten CO2-Abgaben. Finanziert werden Projekte und sogenannte Programme. Letztere sind CO2-Kompensationsprojekte im grossem Massstab, die anhand eines Musterbeispiels methodisch zertifiziert und dann x-fach angewendet werden. Fachleute nennen es Ausrollen eines Programms. CO2-Programme wurden bisher nur in afrikanischen oder asiatischen Entwicklungsländern angewandt. Jetzt sollen sie auch in der Schweiz stattfinden.

Ein solches Programm plant die Stiftung Klik mit dem sogenannten Auto-Energiecheck (AEC). Die Idee: Personen- und kleine Nutzfahrzeuge sind trotz obligatorischer Abgastests Energiefresser. Schlechtes Motorenöl bremst den Antrieb, abgenutzte Pneus verlangsamen das Auto, eine schlecht eingestellte Klimaanlage, eine ungünstig verteilte Ladung und Gepäckträger fressen Treibstoff und stossen unnötig viel C02 aus.

Würden jährlich 100'000 Autofahrer von Garagen einen Energiecheck durchführen lassen, könnten im Endausbau des Programmes jährlich 40'000 bis 60'000 Tonnen C02 eingespart werden, wie Klik-Geschäftsführer Marco Berg sagt. Würde man normales Öl durch sogenanntes Leichtlauföl ersetzen und normale Pneus durch Leichtlaufreifen ersetzen, könnte die Schweiz weitere 10'000 bis 20'000 Tonnen C02-Ausstoss jährlich vermeiden. Solange Benzin billig ist, haben die meisten Autobesitzer keinen Anreiz zu investieren. Subventioniert nun Klik aber die Arbeit des Garagisten, das Öl und die Pneus, könnten erhebliche Einsparungen realisiert werden. «Ein solcher Energiecheck könnte alle zwei bis drei Jahre oder bei einem Fahrzeugwechsel durchgeführt werden», sagt Berg.

Das Programm liegt beim Bund seit Januar zur Bewilligung vor. Marco Berg hofft, dass seine Stiftung grünes Licht erhält und endlich Geld für kompensiertes C02 ausgeben kann. Nach 15 Monaten Betrieb existieren nämlich nur rund ein Dutzend bewilligte kleine Kompensationsprojekte, die zusammen jährlich rund 25'000 Tonnen C02 einsparen, unter anderem eine Abfalldeponie in Bever (GR), die klimaschädliches Methan neutralisiert. Der Betrag ist nichts im Vergleich zum Jahressoll von einer Million Tonne kompensiertem C02. Klik kommt kaum voran.

Weil die zuständigen Bundesämter für Umwelt und für Energie an der Wirksamkeit zweifelten, scheiterten zwei Programme in der Vorabklärung: «Eco-Drive», ein Kursprogramm, das Lenkern benzinsparendes Fahren beibringen sollte, und ein «Mobilitätsmanagement in Unternehmen», das die Fahrtenzahl von Mitarbeitern und Kunden hätte minimieren sollen. Werden weitere Programme dieses Jahr, nicht bewilligt, wird es für Klik knapp werden, bis 2020 das Reduktionsziel zu erreichen.

Der Bund kommt Klik zuvor

«Die Hauptschwierigkeit, wieso es uns schwerfällt, das vorgegebene Kompensationsziel zu erreichen, ist, dass wir aufgrund gesetzlicher Bestimmungen in vielen Bereichen mit grossem CO2-Reduktionspotenzial nicht tätig sein können», sagt Berg. Beispiele dafür sind ausstossarme Fahrzeuge und Energieeffizienzmassnahmen in der Schwerindustrie. Dieses Sparpotenzial grast bereits der Bund ab, der mit einer eigenen, staatlichen CO2-Kompensationsbuchhaltung bis 2020 ebenfalls mehrere Millionen Tonnen ausweisen muss. «Ausserdem werden Kompensationsprojekte im Gebäudebereich erschwert durch die Tatsache, dass es schon zahlreiche kantonale Förderprogramme in diesem Bereich gibt», ergänzt Berg. Oder anders gesagt: Der Staat schnappt sich die Hauptbrocken an C02-Kompensation und überlässt Klik die Brosamen.

Ein aktuelles Beispiel sind zwei grosse Schmelzöfen in der Schweiz, einer in Emmenbrücke (LU) und einer in Gerlafingen (SO). Die dort zum Schmelzen erforderliche Wärme verpufft zu rund 99 Prozent in der Luft. Man könnte diese Abwärme nutzen, um Wohnungen über ein Fernwärmenetz zu heizen. Den beiden Stahlschmelzen, Teil einer margenschwachen Branche, reicht das Geld nicht für die nötigen Investitionen. Sie betrachten ein Fernkraftheizwerk als unrentabel. In Luzern wurden die Mehrkosten für das Werk auf 20 Millionen Franken geschätzt. Die Projektidee: Jede Wohnung, die zusätzlich per Fernwärme beheizt wird, spart Heizöl. Der Ausstoss von C02 wird vermieden. Klik könnte sich den jährlichen Umfang als C02-Kompensation gutschreiben.

Eine Vorabklärung hat ergeben, dass der Bund eine Eingabe nicht gutheisst. Der Grund: Schmelzöfen müssen ihre Anlagen ohnehin bis 2020 sanieren lassen, denn so verlangen es Schweizer Gesetze. Damit fliessen solche eingesparten C02-Volumen in die Buchhaltung des Bundes.

Fragwürdige Doppelrolle

So konzentriert sie sich auf Projekte wie das Verbrennen von Klimagasen in Kläranlagen und in der Schlammverbrennung. Auch ihnen legt der Bund offenbar Steine in den Weg: «Der grösste Kritikpunkt der Projektanbieter ist der relativ schwerfällige, da rigorose Bewilligungsprozess für Kompensationsprojekte», sagt Berg. Bis 2020 will Klik 500 Millionen Franken für Kompensationsprojekte und -programme ausgeben. Weitere 120 Millionen Franken hat die Stiftung für den Kauf von inländischen C02-Zertifikaten reserviert. Sie stammen aus früheren Projekten der Jahre 2008 bis 2012 und liegen gewissermassen als Reserve im Safe von Klik. «Solange wir die jährlichen Kompensationsziele nicht erreichen, zehren wir von dieser Reserve», sagt Berg.

Richtig teuer wird es im Jahr 2020. In diesem Jahr dürfen dann laut Gesetz keine solchen Reserven mehr angezapft werden. Verfehlt Klik das Kompensationsziel, muss die Stiftung dem Bund eine Busse entrichten. «Für das Jahr 2020 rechnen wir mit einer Sanktionszahlung in Höhe von etwa 140 Millionen Franken», sagt Berg. Die Eidgenossenschaft macht also Kasse, wenn Klik das Kompensationsziel nicht erreicht. Die gleiche Eidgenossenschaft ist auch zuständig für die Bewilligung von Projekten und Programmen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.03.2014, 06:42 Uhr)

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