Wirtschaft
Einige macht er glücklich, andere stinkwütend
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 03.11.2009 4 Kommentare
Beat Schwab mag klare Worte. Seine Vorgaben werden verstanden. (Bild: Beat Marti)
Young Leader
Der «Tages-Anzeiger» stellt in loser Folge Persönlichkeiten aus der Schweizer Wirtschaft vor. Diese begleiten und fördern im Rahmen des Mentoring-Programms Young Leader des Swiss Leadership Forum, des Schweizerischen Instituts für Betriebsökonomie und von Alpha.ch je eine junge Nachwuchs-Führungskraft. Heute stellen wir Beat Schwab vor, Geschäftsführer von Wincasa. Bereits erschienen: Hans-Peter Fässler, früherer Geschäftsführer von De Sede; Roland Rigoni, Verkaufsleiter bei 3M Schweiz; Christian Hafner, Geschäftsführender Teilhaber bei der Privatbank Wegelin; Gabriela Manser, Geschäftsführerin der Mineralquelle Gontenbad; Roger Lamm, Geschäftsführer Region Zürich der Securitas. Das Programm: Die Mentoren suchen ihre Schützlinge, die Mentees, aus den Bewerbungen aus. Die beiden vereinbaren gemeinsam, wie die Zusammenarbeit ablaufen soll. Die Bewerbung: Interessenten finden auf www.alpha.ch/youngleader ein Bewerbungsformular. Neben Angaben zur Motivation, am Programm teilzunehmen, und zu eigenen Erfolgen ist ein Lebenslauf einzureichen.
Der TA und der Tamedia-Kadermarkt Alpha.ch sind Medienpartner des Swiss Leadership Forum. (oku)
Am Stadtrand von Winterthur, in dem Firmengebäude mit viel Blech und der Bushaltestelle direkt vor der Tür, ist man zufrieden mit Beat Schwab. Vor bald drei Jahren hat er die Führung der Wincasa übernommen, und es geht dem Unternehmen gut. 50 Prozent mehr Objekte als damals verwaltet der Immobiliendienstleister heute, 225 Leuten mehr gibt er Arbeit. Dem neuen Chef gelang gar ein Paukenschlag: Seit 2008 betreut Wincasa die Immobilien der UBS-Pensionskasse. Ein schöner Auftrag natürlich. Aber vor allem einer, der auch die Unabhängigkeit der Firma von ihrer Besitzerin Credit Suisse unterstreicht.
«Die Renditen und die Löhne wachsen nicht in den Himmel bei uns», sagt der 42-jährige Schwab. «Aber sie sind sicher. Wir haben zuverlässige Mieteinnahmen.» Knapp 2 Milliarden Franken an Miete kassiert Wincasa jährlich, das sind 6,6 Prozent des verwalteten Anlagewertes von gut 30 Milliarden Franken. Das Portefeuille wächst ruhig und stetig. Die Kunden, institutionelle Anleger allesamt, vertrauen offenbar dem Unternehmen.
Aus 75 Wohnungen werden 133
29 Kilometer westlich des Winterthurer Büros, im von Bäumen durchzogenen Quartier Zürich-Enge, sind viele Menschen gerade sehr wütend auf Schwab. Und auf Credit Suisse, eine Wincasa-Kundin in dieser Angelegenheit. Die beiden Grossunternehmen reissen hier 75 Wohnungen ab, errichten 133 neue auf ebener Erde. Mit Zimmern, die doppelt so viel kosten wie jene, die zuvor an ihrer Stelle standen. Ein klassischer Fall: Die Bewohner schimpfen, die Nachbarn schimpfen mit. 3000 Menschen haben ihre Unterschrift unter eine Petition gesetzt, Kündigungen werden angefochten, auch den Baurechtsentscheid will man dereinst nicht tatenlos akzeptieren. Credit Suisse und Wincasa, das sind die Bösewichte. Beat Schwab ist ein Bösewicht.
«Das Ganze ist nicht so einfach», sagt er dazu. «Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.» Seine sieht so aus: Die Investoren wollen Geld verdienen. Teilweise müssen sie es auch, nämlich dann, wenn sie Pensionskassen sind, die Renten zu zahlen haben. In einem Quartier wie der Enge, nah am Zürichsee und nah am Zentrum, können die Eigentümer ihre Wohnungen teuer vermieten. Aber dazu müssen sie ausbauen. «Die entsprechenden Mieter haben gewisse Ansprüche», sagt Schwab.
Der Blick in den Spiegel
Trotzdem: Fühlt er Verantwortung für die Mieter, die ausziehen müssen? Schwab überlegt. «Ich will in den Spiegel schauen können am Abend», sagt er dann. Wincasa müsse fair sein bei der Wohnungsvergabe, keine Zuwendungen annehmen, alle gleich behandeln. Bauten müssten ästhetisch sein und energetisch einwandfrei. «Hier sehe ich die gesellschaftliche Verantwortung, ja.» Dafür zu sorgen hingegen, dass es auch günstigen Wohnraum gebe, das sei Aufgabe der Politik. Beat Schwab mag klare Worte.
Er, der frühere Analyst bei Credit Suisse, liest immer noch gerne Marktberichte. Studiert Zahlen und Daten. Auf Nachfrage zitiert er daraus: Gefragt seien zurzeit Wohnhäuser in der Bodenseeregion. Auch in Winterthur. Eigentlich in allen urbanen Räumen, ausser in Bern, dem die attraktiven Arbeitsplätze fehlten. Im Jurabogen harzt der Markt. Ein besonderes Risiko, das es zu beobachten gelte: die grossen Einkaufszentren, von denen es langsam zu viele gebe. Die Büroflächen: ebenfalls Überkapazitäten. In Wohnobjekte jedoch sollte jeder, der könne, jetzt investieren – bei den Zinsen.
Erst murrten die Mitarbeiter
«Korrekt und ehrlich» sei ihr Chef, sagt die Assistentin. Direkt im Lob, direkt auch in der Kritik. Als er bei Wincasa anfing, verärgerte Schwab nach wenigen Wochen seine Mitarbeiter. Er nahm ihnen die Kaffeemaschinen in den beiden Armen des hufeisenförmigen Gebäudes weg und liess stattdessen Bistrotische im Kopfgang herrichten, gute 50 Meter entfernt von den hinteren Büros. Er wolle einen Austausch sehen, postulierte Schwab damals. Die Mitarbeiter murrten. «Sie hatten keine Freude am Anfang, das stimmt. Aber ich musste sie aus ihren Zimmern locken.» Inzwischen, so sagen Chef wie Angestellte, wird der offene Raum gar für Sitzungen genutzt.
Als Mentor will Schwab, wie er sagt, jemanden unterstützen, der nah mit Menschen arbeite. Gerne dürfe es auch jemand sein, der die Nachfolge in einem Familienunternehmen antrete. Da kann er, der bis 2004 den Facility-Management-Betrieb seiner Schwiegereltern führte, helfen. «Für einen Forscher oder Tüftler bin ich aber der Falsche», stellt Schwab nüchtern fest. Von Technik verstehe er wenig. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.11.2009, 04:00 Uhr
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4 Kommentare
Die Wincasa üergeht die Interessen der Bewohner, billigste Renovationen mit billigsten ausländischen Arbeitern. Was hier Beat Schwab von sich gibt, ist billigste Augenwäscherei. Beat Schwab geht es auch nur um grosse Renditen und nicht um das Wohl der Mieter. Antworten
Bin auch Mieter in einer Wohnung, welche durch Wincasa verwaltet wird. Hier in dieser Gegend, in der ich wohne, gehört fast alles Wincasa. Miserabler Verwaltungsservice mit äusserst unfreundlichen Mitarbeitenden... Als Mieter ist man kein Kunde, sondern wird geduldet... Mein Kind ist hier integriert, deshalb kann ich nicht einfach so wegziehen und muss in der überteuerten Wohnung bleiben! Antworten



Romain Berger
...oder lässt seine Mieter während zwei Jahren jeweils monatelang oberhalb hausinterner Baustellen leben und gewährt ihnen erst auf Verlangen hin gerade mal 10% Mietzinsreduktion. Aber Hauptsache, die Rendite stimmt. Was interessieren ihn schon die Mieter? Davon gibt es in Zürich schliesslich genug und die sind meist froh, dass sie überhaupt eine Wohnung gefunden haben... Antworten