Wirtschaft

«Erst klagt Limberger mich ein, dann drückt er sich»

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 29.09.2010 5 Kommentare

Thomas Limberger, Ex-Chef von OC Oerlikon, prozessiert gegen Thomas Minder, den Initianten der Abzocker-Initiative. Gestern hätten sich die beiden vor dem Richter treffen sollen – doch der Kläger kam nicht.

Wartet auf einen neuen Termin, um über Limbergers Klage wegen Persönlichkeitsverletzung zu verhandeln: Der Initiant der Abzocker-Initiative, Thomas Minder.

Wartet auf einen neuen Termin, um über Limbergers Klage wegen Persönlichkeitsverletzung zu verhandeln: Der Initiant der Abzocker-Initiative, Thomas Minder.
Bild: Keystone

Thomas Limberger, der ehemalige Chef von OC Oerlikon, will sich den «Abzocker» nicht gefallen lassen.

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In Leserbriefen und im Internet hat Thomas Minder den früheren Chef von OC Oerlikon, Thomas Limberger, wiederholt scharf angegriffen. «Solche Abzocker machen unsere ganze Volkswirtschaft kaputt», wetterte Minder. Der Fall von OC Oerlikon, den Limberger mitverantworte, sei «geradezu exemplarisch, was Abzockerei und Missmanagement anbetrifft», so Minder. Limberger habe als Oerlikon-Chef viele Millionen kassiert, keine zwei Jahre nach seinem Abgang habe der Industriekonzern am Abgrund gestanden und seine Kredite nicht mehr bezahlen können.

Im Mai platzte Limberger der Kragen, er klagte Minder wegen Persönlichkeitsverletzung ein. «Thomas Limberger führt Klage gegen Thomas Minder wegen rufschädigender und persönlichkeitsverletzender Aussagen», bestätigt Sven Ohligs, Sprecher der Von Roll Holding, deren Chef Limberger heute ist.

Auseinandersetzung öffentlich führen

Gestern Nachmittag um zwei hätten die beiden Kontrahenten vor dem Bezirksgericht in Wollerau SZ die Klingen kreuzen sollen. Doch daraus wurde nichts. Thomas Limberger liess sich kurzfristig wegen eines Todesfalls im Freundeskreis entschuldigen. Nun muss ein neuer Termin angesetzt werden.

Als treibende Kraft hinter der Abzocker-Initiative will Minder die Auseinandersetzung möglichst öffentlich führen. Dies zeigt ein Geplänkel, das vor dem geplatzten Gerichtstermin stattfand. Limbergers Anwalt hatte beantragt, die anberaumte Referentenaudienz ausfallen zu lassen, da Minder gar nicht vergleichsbereit sei.

Gehaltspaket löst Proteste aus

Am Montag hatte der Richter den Streithähnen noch mitgeteilt, dass sie beide persönlich erscheinen müssten. Nur Stunden vor dem Gerichtstermin wurde Minder informiert, dass Limberger verhindert sei. Minder interpretiert diesen Vorgang so: «Erst klagt Limberger mich ein, dann drückt er sich und will sich der öffentlichen Auseinandersetzung mit mir nicht stellen.» Limbergers Seite will sich dazu nicht äussern, lässt aber durchblicken, es sei nun dem Gericht überlassen, einen Entscheid zu fällen.

«Ich lasse mir von Limberger nicht verbieten, einen Abzocker als Abzocker zu bezeichnen», hält Minder dagegen. Jüngst schob der streitbare Chef der Kosmetikfirma Trybol den Vorwurf nach, Limberger zocke auch als Von-Roll-Chef ab. «Mir will nicht in den Kopf, dass Limberger letztes Jahr 2,5 Millionen Franken kassiert hat, obwohl er bei Von Roll über 11 Millionen Franken Verlust gemacht und 500 Leute abgebaut hat», sagt Minder. Man wolle sich nicht auf dieses Niveau begeben, heisst es dazu in Limbergers Lager.

Limberger kassierte wohl weniger

Die Frage, ob man Limberger zu Recht einen Abzocker nennen darf, bleibt allemal interessant. Dass Limberger bei Oerlikon 26 Millionen Franken kassiert, wie Minder und andere behaupteten, stimmt so nicht. Limberger hatte, unter anderem, für 1,9 Milliarden Franken auf Pump Saurer gekauft und Oerlikons Umsatz praktisch verdoppelt. Als Belohnung für die forsche Expansion war, wie im März 2007 auskam, für Limberger ein Lohnpaket geschnürt worden, das zum damaligen Aktienkurs bis zu 26 Millionen Franken wert war. Ein Proteststurm brach los, die SP erklärte als erste Bundesratspartei, sie unterstütze Minders Abzocker-Initiative.

Erhielt mehr als ABB-Chef

Darauf übte Limberger einen Teilverzicht. Als Entschädigung für 2006 erhielt er 7,7 Millionen Franken. Als Ersatz für den Verzicht auf Optionen erhielt er zudem Aktien für 2,2 Millionen Franken.

Ein cleverer Schachzug: Die 7,7 Millionen hatte Limberger, der im Mai 2007 bei Oerlikon den Hut nahm, auf sicher. Verglichen mit den Chefs viel grösserer Konzerne war er damit immer noch weit überbezahlt. Limberger war bei Oerlikon nach der Integration von Saurer für 19'000 Leute und 4,7 Milliarden Franken Umsatz zuständig. Fred Kindle verdiente als Chef von ABB mit 108'000 Mitarbeitern und 30 Milliarden Umsatz 5,2 Millionen Franken, also deutlich weniger. Klaus Kleinfeld, Chef von Siemens mit 475'000 Leuten und 140 Milliarden Umsatz, erhielt weniger als 6 Millionen.

Limberger bezog in den knapp zwei Jahren als Oerlikon-Chef insgesamt über 16 Millionen Franken Entschädigung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2010, 23:01 Uhr

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5 Kommentare

Ernst Bucher

29.09.2010, 10:12 Uhr
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Ein Bravo mit Dank an Hr.Minder für seinen Mut,Expandieren bis zur Pleite, Stellen streichen und Millionen dafür einkassieren, das ist in meinen Augen eindeutig Abzockerei!! Antworten


Daniel Sieber

29.09.2010, 10:40 Uhr
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Es fehlt an Führungskräften welche die Basis der Unternehmen kennen. Fragen Sie Ihren CO wie deren Produkte hergestellt werden, Sie werden sehen dass nur Oberflächlichkeit zum Vorschein kommt. Die Abzockerinitiative sollte weiter gehen, Maximalsäläre und Unternehmensgewinnversteuerung für Bonis wäre das richtige Rezept. Vielen Spitzenkräften wird das Engagement zu sehr vergoldet. Antworten



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