Wirtschaft

Es droht ein Handelskrieg um Solarzellen

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 11.11.2011 77 Kommentare

Die Chinesen sind weltweit Marktführer bei der Herstellung von Solarzellen geworden. Jetzt rüsten die Amerikaner zum Gegenschlag.

1/6 Sonnige Zukunft: Dezhou ist die erste chinesische Solarstadt.

   

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Das Handelsministerium in Washington hat ein Verfahren eröffnet, in dem es untersuchen will, ob China mit Solarzellen zu Dumpingpreisen den amerikanischen Solarzellenmarkt überflutet. Dabei soll auch geklärt werden, wie weit Subventionen der Regierung den Preis für Solarzellen künstlich tief halten. Die Chinesen reagieren heftig und sprechen von einer «politischen Schmierenkomödie» der Regierung im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen.

Protektionismus kehrt zurück

Der sich abzeichnende Handelskrieg um Solarzellen erinnert an die Achtzigerjahre. Damals eroberten japanische Autos den US-Markt. Um die einheimischen Produzenten zu schützen, zwangen die Amerikaner die Japaner zu «freiwilligen Importbeschränkungen». Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Toyota, Honda & Co. begannen, in den USA eigene Fabriken zu bauen, und setzten ihren Siegeszug fort.

Dass jetzt ein ähnlicher Handelskrieg mit China droht, ist kein Zufall. Solarenergie ist ein entscheidender Faktor im Cleantechbereich, der Zukunftsbranche schlechthin. Lange waren die Amerikaner in diesem Bereich technisch führend. Doch inzwischen ist China zum weltweit grössten Hersteller von Solarzellen geworden. Auch Deutschland hat die USA mittlerweile überholt.

Chancen verpasst

Der Rückschlag ist in erster Linie ein krasses Versagen der amerikanischen Politik. Anstatt sich entschlossen um die Entwicklung der Zukunftsbranche zu kümmern, streiten sich die Politiker seit Jahren um tiefere Steuern und Sparprogramme. Präsident Barack Obama hat im Wahlkampf noch einen «New Green Deal» versprochen, ein ökologisches Wiederaufbauprogramm. Inzwischen hat er den Schwanz eingezogen. «Präsident Obama hat beschlossen, dass er keinen signifikanten Anteil an politischem Kapital für Cleantech verschwenden, keine Steuer für Kohlenwasserstoff einsetzen und die Klimaerwärmungsverleugner nicht energisch bekämpfen will», schreiben Thomas Friedman und Michael Mandelbaum in ihrem soeben erschienenen Buch «That Used to Be US».

Die amerikanische Cleantechbranche hat zudem einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Dank einer neuen Technik, dem sogenannten Fracking, können neue Schiefergas- und Bakkenöl-Quellen abgebaut werden. Die Technik gilt als ökologisch bedenklich, ist aber wegen des hohen Ölpreises wirtschaftlich geworden. Deshalb feiert die Ölindustrie ein Minicomeback. Das hat gefährliche Folgen. «Wenn wir uns für eine billige Kohlenwasserstoff-Lösung entscheiden, wird dies die Verleugnung unseres Energie- und Klimaproblems verlängern», warnen Friedman und Mandelbaum. «Das verschlimmert die allgemeine Lage, und wir werden den Anschluss an die nächste grosse Globalindustrie verlieren.»

Politisches Minenfeld

Der Cleantechbereich ist nicht nur eine bedeutende wirtschaftliche Zukunftsbranche, er ist auch ein politisches Minenfeld. «Im Disput um die Solarzellen prallen komplexe Themen aufeinander», stellt die «New York Times» fest. «Industriepolitik, das Schaffen von neuen Arbeitsplätzen und der Klimawandel. Deshalb ist dieser Disput einer der politisch heikelsten seit vielen Jahren.»

Die Regierung Obama hat nicht nur viel zu wenig zugunsten der Solarenergie unternommen. Was sie getan hat, ist auch in die Hosen gegangen. Mit grossem PR-Aufwand und 500 Millionen Dollar hat das Weisse Haus das kalifornische Solarzellenunternehmen Solyndra unterstützt. Der Präsident selbst hat die Werkshallen in Begleitung von TV-Kameras besucht. Jetzt ist Solyndra bankrott und die 500 Millionen Dollar verloren. Selbstverständlich schlachten die Republikaner den Solyndra-Flop genüsslich zu ihren Gunsten aus.

Folgen von Chinas Dumpingpreisen

Der US-Präsident hingegen will beweisen, dass der Solyndra-Boykott eine Folge unerlaubter chinesischer Dumpingpreispolitik ist. Die Chinesen exportieren 95 Prozent ihrer Solarzellenproduktion, einen grossen Teil davon nach Amerika. Dank dieser Massenproduktion sind die Preise der chinesischen Produkte massiv gesunken. Inzwischen beherrschen die Chinesen drei Fünftel des Weltmarktes. Die Vergeltungsmassnahmen der Amerikaner sind deshalb möglicherweise sinnlos. «Was auch immer die amerikanische Regierung unternehmen wird, es könnte zu spät sein, um die amerikanische Solarzellenindustrie zu retten», stellt die «New York Times» resigniert fest. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2011, 07:24 Uhr

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77 Kommentare

Roland Berger

11.11.2011, 07:37 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Kohlenhydrate????????? Herr Löpfe: Was Sie meinen, nennt man Kohlenwasserstoffe! Mehr als peinlich.... Antworten


Peter Haller

11.11.2011, 07:46 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Schon wieder "Krieg"
Soll uns der "Krieg" als etwas ganz normales, alltägliches verkauft werden ?
Es sind doch genau die USA, die eine Globalisierung (zum Teil über Kriege, oder zumidest Millionen Arbeitslose) durchgepaukt haben, und jetzt jammern Sie, dass dieses Kind sie frisst !
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los.
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