Wirtschaft
«Es gibt keine Regeln»
Aktualisiert am 03.05.2010 25 Kommentare
Packt aus: Jérôme Kerviel. (AFP)
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Vor dem Prozess, der am 8. Juni beginnt, ist der französische Ex-Börsenhändler an die Öffentlichkeit getreten, um in mehreren Interviews seine Sicht der Dinge darzulegen. Wie das «Journal du Dimanche», der «Figaro» und weitere Medien berichten, stellt Kerviel im Buch «Das Räderwerk – Erinnerungen eines Händlers» auf rund 270 Seiten dar, wie er und seine Kollegen seinerzeit bei der Société Générale (GLE 22.74 -2.19%) arbeiteten – und wie das Geschäft mit den Spekulationen kontrolliert wurde.
Nämlich so gut wie gar nicht. «Es gibt keine Regeln», erklärte Kerviel in einem TV-Interview mit Reuters, «die einzige Regel, die an Märkten existiert, ist, soviel Geld zu machen wie möglich.» Seine Chefs bei der Pariser Grossbank hätten allesamt von seinen Aktivitäten gewusst, behauptet Kerviel, «ich handelte mit dem schweigenden Einverständnis meiner Vorgesetzten, deren einziges Ziel es war, soviel Geld wie möglich in die Bank zu bringen».
Vorgaben – und wie man sie umgeht
Laut Kerviel hatte jeder Händler, der auf die Entwicklung von Aktienindizes wie dem deutschen Dax spekulierte, ein Limit. Allerdings galt diese Begrenzung für das gesamte Team, in dem er tätig war. «Es gab ein Kollektivlimit von 125 Millionen Euro, das wir nicht überschreiten sollten», erzählte er den Journalisten, «wir waren regelmässig, fast immer, über diesem Limit und es gab nie auch nur die kleinste Sanktion.»
Wohin also mit dem schwarzen Peter? In dem Interview gibt Kerviel zwar den reuigen Sünder, doch ihm ist offenkundig klar, dass er wohl hinter Gitter muss. Das sei offensichtlich keine Perspektive, die ihn mit Freude erfülle, sagte er, und er werde kämpfen, damit das nicht geschehe. Doch eines seiner wichtigsten Ziele sei, seinen Namen reinzuwaschen, der von der Bank besudelt worden sei.
Andeutungen über krumme Geschäfte
Die Grossbank hatte nach der Affäre, die 2008 aufgeflogen war, behauptet, dass ihr Händler allein gehandelt habe. Kerviel hatte nach Milliardengewinnen im Jahr 2007 Verluste geschrieben und dann versucht, sie mit immer höheren Einsätzen wettzumachen. Am Ende schloss die Bank seine offenen Positionen – und verbuchte insgesamt einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Euro.
Dass die Finanzkrise, die sich allmählich ihrem Ende zuneigt, dazu beiträgt, die zweifelhaften Praktiken in Banken zu beenden, glaubt Kerviel nicht. «Die Krise hat das Fehlverhalten in diesem Bereich bei gewissen Banken offengelegt», sagte er in dem TV-Interview, «und wir sind weit davon entfernt, alles zu wissen, was dort vorgeht.» (raa)
Erstellt: 03.05.2010, 10:01 Uhr
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25 Kommentare
@ Rufer - man muss den Markt nicht "schlagen". Was das Ziel ist, eine anständige Rendite zu erwirtschaften. Wenn man im 1980 den S&P gekauft hat dann hat man bis heute eine jährliche Rendite von 8% pro Jahr erziehlt (inkl. Dividenden). Löschenkohl - recht so, auch an der Börse darf geträumt werden..... :) Antworten
@Norbert Rufer. Die Börsenbriefe, Börsen-Aussichten usw. sind alles gut gemeinte "Sonntagspredigten". Deshalb habe ich hier in diesem Forum auf mein Werkzeug hingewiesen, dass ich nur für den Eigenbedarf verwende. Jeder Börsen-, Internet-, PC- und Programmier-Freak ist in der Lage sich selber etwas zu "basteln". Antworten
Klar ist, dass bei Mia.-Verlusten ein ganzes Netzwerk von Beteiligten und Verantwortlichen gegeben haben muss. Chefs die nicht intervenierten, Top-Kader inkl. CEO die Profit sehen wollen sowie VRs, die relativ wenig Zeit sowie in X-Unternehmen Mandate haben, sie sind natürlich nicht verantwortlich. Rechtlich haben diese nichts zu befürchten, weil es keine Beweise und Gesetze fürs Wegschauen gibt. Antworten
@Roland Moser. Das erledigt alles mein EDV-Spezialprogramm. Ich muss nur auswählen, kaufen und den Verkaufs-Trigger setzen. Dann gehe ich als Pensionist spazieren und wenn ich nach Hause komme, prüfe ich meinen Kontostand. Fertig. So geht das jeden Tag, wenn es etwas zum kaufen gibt! Das ist leider in den turbulenten Zeiten nicht immer der Fall. Ich habe noch nie verloren oder musste "Aussitzen". Antworten
Ach ja, all diese 1A-Typen, welche - weil sie ja so hervorragende Leistungen erbracht hatten - Boni in exorbitanter Höhe garniert haben und unsere Wirtschaft an die Wand gefahren haben, werden jetzt ja wieder mit Boni gefüttert, weil sie so wichtige Leistungsträger seien. Dieser Irrwitz wird von der Politik tatenlos geschluckt, und den Aktionären darf man die Angelegenheit auch nicht überlassen. Antworten
Die Medien sind zu einem grossen Teil mitschuldig an dieser Finanzkrise. Sie haben die Forderungen der Banken akzeptiert, seitenweise Kurse abzudrucken und, wie jetzt, im Text einen Link zu den Instituten zu setzen. Oder ganz neu, es wird mitten im Text der Kurs der jeweiligen Aktie eingefügt. Es gibt aber immer noch Leute die keine Aktien haben (wollen) - die den Handel mit Geld verabscheuen. Antworten
@Werner Löschenkohl - in meinem Verständis ist das, was Sie beschreiben, hochgradige Spekulation. Selbst für 4 Jahre Arbeit steht ein mehr als hochhypothetischer Jahresgewinn von mehreren hundert Millionen in keinem Verhältnis zum Aufwand - und ist immer mit der gleichen Menge Verlust an einem andern Ort verbunden! Antworten
Kerviel ist ein Bauernopfer und nichts anderes. Die, die wirklich Verantwortung übernehmen sollten, haben sie längst aus dem Staub gemacht oder verschanzen sich hinter einflussreichen Anwaltkanzleien. Dieses Schauspiel ist traurig und es wird weiter gemacht, wie bis anhin. Ich sprech da aus eigener Erfahrung. Antworten
Es geht auch ohne Spekulation! Ich habe mir in den letzten 4 Jahren ein "Titelfindungs-Programm" entwickelt. Täglich liefert mir zum Börsenstart mein Werkzeug die Kaufsignale. Bei + 4.0% wird wieder verkauft. Beispiel: Mit 30'000.- Startkapital ergibt das bei 250 Börsentage ca. 450 Mill./Jahr verdienst. Bemerkung: Es gibt auch Tage wo es kein Kaufsignal gibt! Antworten
Die freie Marktwirtschaft ist tot, lang lebe die freie Marktwirtschaft. Regeln sind nur für Dumme, die sich daran halten wollen und ihr ganzes Geld verloren haben, dann noch Steuergelder dem gierigen Schlund nachgeworfen haben, auf das sie das wieder erwachte Monster in vielleicht 10 Jahren erneut mit ihren verbliebenen Hosenknöpfen füttern müssen. Antworten
Lügengeschichten um sein Buch zu verkaufen ! Klar gibt es im Handel Limiten und klar werden die in Boomjahren manchmal überschritten - aber 4.9 Mia Euro, Monsieur Kerviel !? Das Prinzip der Bank ist es soviel Gewinn wie möglich zu machen - da verkauft man uns keine neue Geschichte. Herr Kerviel war ganz einfach ein ungewissenhafter Spekulant wie Nick Leeson damals ! Antworten
Die Einschaetzung, dass sich nichts aendert ist wohl zutreffend, denn die wieder angestrebten Gewinnziele sind kaum tiefer wie vor der Krise. Wie das zu schaffen ist wissen einzig und allein dieBanker. Es sind bestimmt Wiederholungstaeter im Geschaeft. Antworten
Ja, der arme kleine Unschuldige. Er hatte sicher auch nicht die Chance auszusteigen oder das fehlverhalten vorher publik zu machen. Nein, er musste sich sicher unmengen Geld in die Hosentaschen stecken lassen die er eigentlich gar nicht wollte. Armer kleiner Tropf, habe sooo Mitleid mit ihm. Ganz klar Freispruch. Antworten
"Dass die Finanzkrise, die sich allmählich ihrem Ende zuneigt, dazu beiträgt, die zweifelhaften Praktiken in Banken zu beenden, glaubt Kerviel nicht." So, so die Finanzkrise neigt sich dem Ende zu. Hat das schon jemand den Griechen erzählt, ich glaube die wissen das noch nicht. Antworten
Interessant sind die immer wiederkehrenden Beschwörungunen unserer "Besten Köpfe des Landes", die nicht müde werden zu wiederholen, dass zuviel Regulierung schaden werden. Dabei haben wir mit zuviel Regulierung noch gar keine Erfahrungswerte. Und was zuwenig Regulierung bringt, haben wir ja sattsam erlebt. Antworten




fanny kay
Ich hoffe, dass der Kapitalismuss zerschlagen wird und die Grossbetrüger in der Finanzwelt knall hart durch ein neues Gesetz angefasst werden. Dougan-Ebner-Ospel und Co-lebenslänglich. Vive la Revolution! Antworten