Wirtschaft

Es klemmte vor allem in den Köpfen der Fahrer

Haben Medien die Pannenserie bei Toyota aufgebauscht? Neue Untersuchungen deuten darauf hin. Der Befund: Unfähige Fahrer waren für die Unfälle verantwortlich, und nicht technische Defekte. Audi erlebte in den 80er-Jahren Ähnliches.

Gutachter holen den japanischen Autokonzern aus der Klemme: Pedale in einem Toyota.

Gutachter holen den japanischen Autokonzern aus der Klemme: Pedale in einem Toyota.

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Da ist wohl eine Entschuldigung Richtung Japan fällig. Augenscheinlich haben nicht Toyotas ( 78.91 0.66%) Ingenieure Dutzende Tote und Verletzte auf dem Gewissen. Es scheinen die Fahrer selbst gewesen zu sein, die die schweren Crashs verursacht haben. Komplett entlastet ist Toyota damit zwar noch lange nicht. Doch die Pannenserie erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Das «Wall Street Journal» veröffentlichte in seiner Mittwochausgabe erste bisher noch geheim gehaltene Daten der US- Behörde für Verkehrssicherheit. Statt auf die Bremse zu treten, sind demnach viele Fahrer in kritischen Situationen aufs Gas gestiegen. Das zeigen die Auswertungen von Datenrekordern aus Unfallwagen.

«Black Box» spielt die Rolle des Kronzeugen

Die sogenannte «Black Box» ist aus Flugzeugen bekannt und spielt im Toyota-Drama nun die Rolle des Kronzeugen. Sie ist Toyotas beste Verbündete in einer PR-Schlacht, die das Unternehmen sonst nur verlieren kann. Was soll der von US-Politikern als Bösewicht abgestempelte Hersteller sonst den anrührenden Geschichten über die Schicksale von Unfallopfern entgegensetzen?

Unter Tränen erzählten Autofahrer im Fernsehen über ihre Schreckensfahrten. Bilder von rasenden Toyotas bestimmten über Wochen die amerikanischen Nachrichten. Einige Geschichten haben sich zwischenzeitlich als falsch herausgestellt. Doch das reichte nicht, um die allgemeine Hysterie einzudämmen.

Allgemeine Hysterie

Tausende Toyota- und Lexus-Fahrer fanden plötzlich, dass auch ihre eigenen Autos voller Fehler seien. Der Verkehrssicherheitsbehörde liegen Berichte über 75 schwere Unfälle vor, bei denen 93 Menschen gestorben sind. Und jedes Mal soll Toyota Schuld sein. Wie die Geier stürzten sich die Rechtsanwälte des Landes auf die Hinterbliebenen. Sie strengten eine der gefürchteten Sammelklagen an. Die ersten Gerichtstermine liefen schon.

Keine Frage, Toyota hat technische Probleme. Konzernchef Akio Toyoda selbst räumte schwere Versäumnisse ein. Gaspedale können von sich aus klemmen und rutschende Fussmatten eine Gefahr darstellen. Deswegen ruft der weltgrösste Autohersteller auch acht Millionen Wagen zurück. Doch ob die Pannen wirklich zu so vielen schweren Unfällen und sogar Toten führen, wird immer zweifelhafter. Zumal die Europäer und Asiaten kaum Probleme mit ihren Toyotas haben.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hat erst in einem einzige Fall sicher ausmachen können, dass eine rutschende Fussmatte das Gaspedal blockierte und zu einem schweren Unfall führte. Bei den dramatischen Geschehnissen im August vergangenen Jahres starben ein Polizist, dessen Frau, Tochter und der Schwager.

Die Lexus-Limousine rammte mit mehr als 160 Kilometern in der Stunde einen Geländewagen, kam von der Strasse ab, überschlug sich und ging in Flammen auf. Die letzten Sekunden im Leben der vier Menschen sind auf Tonband festgehalten und überall im Internet zu hören. Einer der Insassen hatte den Notruf gewählt.

Mit Vorwürfen überhäuft

Der Fall brachte die Rückrufwelle bei Toyota ins Rollen. Konzernchef Akio Toyoda entschuldigte sich öffentlich bei den Hinterbliebenen. Die US-Politiker liessen sich von der Geste nicht beeindrucken. Sie überhäuften den Enkel des Firmengründers mit Vorwürfen, von denen sich viele nun nicht mehr halten lassen.

Besonders Verkehrsminister Ray LaHood versteifte sich darauf, dass der eigentliche Grund für die ausser Kontrolle geratenen Toyotas in der Bordelektronik zu suchen sei. Er setzte sogar die Raumfahrtbehörde Nasa darauf an - bislang ohne Ergebnis, wie ein Mitarbeiter der Verkehrssicherheitsbehörde jüngst einräumte.

Audi musste einen ähnlichen Spiessrutenlauf in den 1980er-Jahren hinter sich bringen. Damals hatte ein Fernsehsender darüber berichtet, dass der Audi 5000 von selbst beschleunigen würde. Der Absatz brach dramatisch ein, über Jahre fristete die VW-Tochter ein Schattendasein in den Staaten, während der nahezu baugleiche Audi 100 in Europa zum Erfolg wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Amerikaner schlicht das Gas- mit dem Bremspedal verwechselt hatten. (bru/Daniel Schnettler, sda/)

Erstellt: 14.07.2010, 21:37 Uhr

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25 Kommentare

Rolf Raess

09.02.2011, 10:42 Uhr
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Ein Bericht der US-Regierung entlastet den japanischen Autohersteller Toyota von dem Vorwurf, elektromagnetische Störungen hätten die Unfallserie der vergangenen Jahre ausgelöst. Ausser den bekannten Problemen, die durch bisherige Rückrufe bereits behoben werden konnten, seien keine neuen Defekte gefunden worden, hiess es darin. NZZ9.2.11 Vorausgesagt (unten).Es war TeaParty Idee: die Palin kommt! Antworten


Karlheinz Kunz

15.07.2010, 18:24 Uhr
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@H.P. Gautschi: Auch ich hatte in den 90er Jahren mit einem Opel Kadett (GM Produkt) ähnliche Probleme. Mein Auto gab im Morgenstau auf der Hardbrücke aus unerklärlichen Gründen Gas. Gut, dass ich damals genug Abstand hielt, riss die Automatik in die Stufe 1 und bremste. Nach kurzer Zeit war der Spuk vorbei. Nach dem Kauf eines Südkoreanischen Autos bin ich trotzdem zu Opel zurück gekehrt. Antworten


Roland Moser

15.07.2010, 17:38 Uhr
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Die Fussmatten verschoben und anschliessend mit einem Fuss daran hängengeblieben - ohne Unfall - hat es mir bei folgenden Autos schon: Chevrolet Malibu Station Wagon Classic, Nissan (Sunny?), Mazda 323, VW Polo CL. Antworten


Hanspeter Gautschi

15.07.2010, 15:07 Uhr
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Ja, ich hatte einen Audi5000 in den 80er Jahren. Ich war an einem Stoplicht angehalten und plötzlich gingen die RPM's hoch auf über 3000. Habe stärker auf das Bremspedal gedrückt und der Wagen hat gehalten. Motor abgestellt, wieder anlaufen lassen, dasselbe, Das zweimal gemacht und es ist nicht mehr passiert. Es war also nicht nur das Verwechseln von Gas und Bremspedal. Antworten


Tom Kuhn

15.07.2010, 12:02 Uhr
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Ich bin gespannt, welche ausländische Firma die Obama-Regierung in den Schwitzkasten nimmt, um die eigenen US-Firmen zu stärken. Yes you can (do it better)! Für mich bleibt Toyota eines der besten Marken, obwohl ich selber keinen fahre, aber viel Positives gehört habe. Bei mir (französische Automarke) klemmte die Fussbremse, wegen dem Teppich. Das Gaspedal ist wesentlich kleiner konstruiert. Antworten


Rolf Raess

15.07.2010, 11:17 Uhr
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Bei fast jedem Auto kann sich das Gaspedal mit einem Teppich (meist ein dazu gekaufter…) verklemmen. Auch bei meinem Peugeot war das so, als ich die Teppiche auswechselte. Ich habe den Teppich am Fahrersitz jetzt angebunden und alles ist ok. Der alte Originalteppich war kürzer aber nicht mehr schön… Antworten


Frank Hofer

15.07.2010, 10:53 Uhr
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Wer nicht ein Mindestmass an Intelligenz aufweisen kann, der sollte halt nicht Autofahren. Und nicht in den USA leben, denn da wird er ja offensichtlich nur ueber den Tisch gezogen. Antworten


Roman Rebitz

15.07.2010, 10:36 Uhr
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Auch so kann man Arbeitsplätze retten Antworten


Kurt Hauser

15.07.2010, 10:26 Uhr
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Soviele unfähige Fahrer unterwegs, das mach einem doch Angst! Antworten


Stefan Meier

15.07.2010, 09:55 Uhr
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Ich habe von einer Geschichte gelesen, wo eine Frau ihr Auto mit der Handbremse zum stehen gebracht haben soll, weil die Fussbremse nicht funktionierte und das Auto Gas gab wie verrückt. In meinen Augen ausgekochter Bockmist; ein Führerscheinentzug wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs hätte allen Beteiligten viel mehr geholfen. Antworten


Cornelia Amacher

15.07.2010, 09:42 Uhr
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Traue den Amerikanern ja manches zu, aber dass sie Gas- und Bremspedal derart häufig verwechseln, dann doch wieder nicht. Dies war wohl eine bewusst inszenierte Verleumdungskampagne gegen Toyota, was, wenn dem so wäre, unverschämt und skandalös wäre. Ist man unfähig, konkurrenzfähige Autos zu bauen, muss man sich eben solcher krimineller Mittel bedienen. Ob es dazu auch eine Anhörung geben wird..? Antworten


Paul Dettling

15.07.2010, 09:39 Uhr
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Nicht, dass diese Meldung irgend jemanden tatsächlich erstaunen würde. Genau die Audi-Geschichte, genau in Amerika, genau ein ausländischer Hersteller, genau Opfer mit dubiosem Hintergrund... Nirgends in der globalisierten Welt tauchten die "Probleme" sonst auf. Das zementiert Klischees, sind Amerikaner am Ende sogar unfähig, Automaten zu fahren? Und selbst dann muss ein anderer schuld sein! Antworten


Pius Tschirky

15.07.2010, 09:34 Uhr
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Habs doch gedacht! Der Mensch hält sich für eine sehr perfektes Wesen obwohl er diese nie sein wird. Entweder sind andere oder eben die Technik schuld. Geht doch einem im normalen Leben auch jeden Tag so! Antworten


Hans Juerg Meister

15.07.2010, 09:28 Uhr
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Typisch America. Ob Wahlen, Krieg, Schusswaffen, Krankenversicherung oder Autos. Es wird Angstmacher Politik betrieben, die Bevökerung eingeschüchtert und die Amerikaner fallen doch immer wider darauf rein. "Tausende Toyota- und Lexus-Fahrer fanden plötzlich, dass auch ihre eigenen Autos voller Fehler seien". Den Placebo Effekt gibt es auch hier. Antworten


Ernst Albrecht

15.07.2010, 08:02 Uhr
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Schwierigkeiten mit Fussmatten und der Padelerie hatte ich in meiner fast 30-jährigen Fahrerkarriere schon bei verschiedenen Fahrzeugentypen. Ich habe mal gelernt, dass der Fahrer sich vor dem Fahrtbeginn vom tadellosen Zustand des Fahrzeuges (im Sinne der Verkehrssicherheit) zu überzeugen hat, wozu, wie ich erkennen musste, auch eine freier Fussraum gehört. Antworten


Michael Fleischmann

15.07.2010, 07:45 Uhr
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es sollte auch zu denken geben, dass diese "Probleme" bei Toyota just zu dem Zeitpunkt auftauchten, als GM, Ford etc finanziell tief in des sch... sassen. Hätte man vielleicht noch anhängen können... Antworten


Christian Stapfer

15.07.2010, 07:18 Uhr
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Kurz: es war im Interesse der kränkelnden amerikanischen Automobilhersteller (und der amerikanischen Regierung), ein mediales Kesseltreiben gegen Toyota anzufachen. Antworten


Emil Roduner

15.07.2010, 07:17 Uhr
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Ich würde mal nicht ausschliessen, dass solche Geschichten von der Konkurrenz in die Welt gesetzt werden. Antworten


Catherine Beuret

15.07.2010, 07:13 Uhr
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Na, na, und den kleinen Angestellten in der Schweiz wird ständig das Vorbild Amerika hingestellt. Wie fähig sind deren Manager, wie effizient, man muss sich nur an deren Vorbild halten und gleich floriert auch die Schweizer Wirtschaft. Also werden die Managerlöhne angehoben und alles ist bestens. Ja dann hatten wir Crash-Piloten wie der liebe Ospel. Der hat leider auch das Pedal verwechselt. Antworten


Peter Grässli

15.07.2010, 01:21 Uhr
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All diese Rückrufaktionen haben Geld gekostet. Richtig viel Geld! Die Automobilhersteller und deren Versicherer mussten dafür aufkommen. Nach amerikanischem Denkmuster müssten jetzt jene verklagt werden, die - aus welchen Gründen auch immer - falsche Anschuldigungen erhoben und/oder verbreitet haben. Antworten


Willy Heller

14.07.2010, 23:58 Uhr
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Nicht zu vergessen die angebliche Skandalserie (nur in den USA), wo eine Automarke anscheinden rückwärts losfuhr, was in den USA zu vielen Garagenunfällen führte. Hat sich auch herausgestellt, dass einfach der falsche Gang eingelegt wurde. Es fällt auf, dass ausserhalb USA solche "Probleme" nicht vorkommen. Könnte mit einem Rechtssystem zu tun haben, das Geldmacherei vor Gericht fördert. Antworten


Roman Schlegel

14.07.2010, 23:00 Uhr
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Dieser Bericht ueberrascht mich gar nicht, ich wohne schon seit 14 Jahren in den US und ich kann nur eines sagen, wenn man die laecherliche Autofahrausbildung hier in den USA anschaut sind diese Vorfaelle wo die Daeppen Gas und Bremspedale verwechseln kein Wunder, dann sind da noch die Kongress, Anwalts und Media Hyaenen welche aus Fliegen Elephanten produzieren. Antworten


Michael Kölliker

14.07.2010, 22:31 Uhr
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Ich wünschte mir, dass die fehlbaren Autofahrenden zusammen mit ihren Anwälten sowie einige Politiker eine Haftungsklage von Toyota am Hals haben würden. Antworten


Luc Froidevaux

14.07.2010, 21:52 Uhr
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Wenn man bedenkt wie frei die amerikanischen Medien sind fällt einem schon auf, wie Zeitgerecht zum Untergang der US Autoindustrie, die japanische aufs Korn genommen wurde. Die eigene Industrie muss halt gefördert werden, und Medienfreiheit ist in halt auch in unserem goldenen Käfig ein Thema. Es muss laufend dafür gekämpft werden, wie auch für eine funtionierende Demokratie Antworten


Michael Schatzmann

14.07.2010, 21:51 Uhr
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Instruieren, dreinreden oder belehren lassen will sich niemand, aber wenn was schief geht, dann sind die Andern schuld. Bei den Amerikanern schon lange gang und gäbe, aber es gibt auch in der Schweiz Tendenzen in diese Richtung, vor allem in der Politik, wo sich die Partei, äh wie heisst die mit dem Sünneli im Logo, doch genau so verhält... Antworten



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