«Es nervt mich, das aus den Medien zu hören»

Schock in Baden. Alstom streicht 1300 Jobs. Wie die Angestellten vor Ort reagieren – einige sogar überraschend abgeklärt.

Massiver Stellenabbau bei General Electric in Baden: Das sagen die Mitarbeiter. (Video: Lea Koch und Fiona Endres)

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In Scharen strömen die Mitarbeiter aus dem hohen Glashaus des Firmensitzes der General Electric. Die Hände in den Hosentaschen, stapfen sie durch den Schneeregen zum Badener Kongresszentrum. Keiner spricht viel, die Ungewissheit ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Noch mehr Leute steigen aus Reisecars und schliessen sich an. General Electric beschäftigt um 5500 Mitarbeiter im Kanton Aargau. Sie alle kamen nach Baden, um zu erfahren, was es mit dem geplanten Stellenabbau auf sich hat.

1300 Stellen will General Electric (GE) in der Schweiz auflösen. Der Abbau soll innerhalb von zwei Jahren vollzogen werden und ist die Folge der Übernahme der französischen Firma Alstom durch den US-Konzern GE 2015. Damals hiess es noch, an der Belegschaft werde sich nichts verändern. Europaweit sollen nun 6500 Stellen gekürzt werden. In der Schweiz betroffen sind die Standorte Baden, Turgi, Dättwil, Birr und Oberentfelden.

«Das Leben geht weiter»

Die Nachricht, dass vielleicht viele bald ihren Job verlieren, haben die Mitarbeiter heute Morgen zuerst in den Onlinemedien gelesen. Viele zeigten sich darüber verärgert: «Es nervt mich, dass man das aus den Medien hört und als Mitarbeiter nicht zuerst informiert wird.» Richtig überrascht über die Nachricht zeigte sich am Mittwochmorgen aber niemand. Seit der Übernahme habe sich abgezeichnet, dass etwas in diese Richtung passieren würde: «Wenn abgebaut werden muss, dann muss halt abgebaut werden.» Erstaunt sind viele nur darüber, dass es so schnell und plötzlich passiert: «Die Leute sind schon unter Druck.» Trotz der Ungewissheit nahmen die meisten Mitarbeiter den geplanten Abbau gelassen: «Letztendlich ist der Arbeitsplatz nie sicher, das Leben geht weiter.»

Auch Geri Müller, der Badener Stadtammann, hat erst heute vom Stellenabbau erfahren. «Für Baden und die Region ist das natürlich ein schwerer Schlag.» Die Energiebranche sei im Moment allgemein unter Druck, aber es sei auch ein Aufbauprogramm vorgesehen. Die Stadt sei im Kontakt mit dem Kanton, um Betroffene zu unterstützen: «Der Stellenabbau soll möglichst problemlos stattfinden.» Auch Kurzarbeit sei möglich. «Mit jedem Abstieg ist auch wieder ein Aufstieg möglich», sagt Müller. Er würde aber sicher mit GE im Gespräch bleiben.

«Wir gehen davon aus, dass hier wieder investiert wird»: Geri Müller.

Noch vor zwei Monaten freute sich Geri Müller über die Ankunft von GE in seinem Städtchen: «Der neue Eigentümer GE hat sich für unseren Wirtschaftsstandort entschieden. Das ist ein starkes Signal weit über die Region hinaus», sagte er gegenüber der «Aargauer Zeitung». Wenige Zeit später vermeldet der Eigentümer nun Stellenabbau. Hat sich Geri Müller getäuscht? Dazu sagt der Stadtammann: «Nein, denn GE holte die weltweiten Headquarters zweier ihrer Abteilungen nach Baden. Und diese bleiben auch.»

Anders sehen könnte dies sein Kollege Thomas Bumbacher, Leiter Finanzen der Stadt. Bei der Übernahme im November letzten Jahres sagte er der «Aargauer Zeitung», dass es zu Einbussen bei den Steuereingängen kommen könnte, wenn die Mitarbeiterzahl stark reduziert würde.

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Für die Region Baden sind die Einnahmen durch die Aktiensteuer solcher Firmen essenziell. In den besten Jahren waren es die «Triple A» (ABB, Alstom und Axpo), die einen grossen Teil der bis 35 Millionen Franken einbrachten.

Für Geri Müller heisst der Stellenabbau jetzt aber nicht, dass die guten Zeiten vorbei sind: «Dass General Electric die zwei Headquarters bei uns hat, ist eine deutliche Aufwertung für den Standort Baden.» Das Bekenntnis für Baden sei noch immer vorhanden. «Wir gehen davon aus, dass hier wieder investiert wird.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2016, 16:16 Uhr)

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