Wirtschaft

«Das Investmentbanking muss man einfach wegschrumpfen»

Von Olivia Kühni, Matthias Chapman. Aktualisiert am 15.09.2011

Finanzwelt und Politiker reagieren schockiert auf die UBS-Verlustmeldung vom Morgen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet laufend von den jüngsten Reaktionen aus dem In- und Ausland.

1/11 Wie geht es weiter mit der UBS? Bankchef Oswald Grübel (links) und VR-Präsident Kaspar Villiger, hier an der Generalversammlung 2010.

   

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

  • 12:35 Uhr  

    Finanziell verkraftbar

    Der Verlust sei für die UBS ein grosser Imageschaden, aber finaziell verkraftbar, sagen verschiedene Analysten.

    Ähnlich äusserte sich soeben auch die portugiesische Espirito Santo Investment Bank gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Der Kursverlust von neun Prozent im frühen Handel sei «übertrieben» gewesen, hiess es. Die UBS verfüge über eine «robuste» Liquidität und sei nur in geringem Umfang den Risiken aus der Schuldenkrise in der europäischen Peripherie ausgesetzt.

  • 12:20 Uhr  

    Investorentag im November

    Die UBS hat seit Monaten einen Investorentag am 16. November festgelegt. Dabei stellt Oswald Grübel wie an solchen Tagen üblich die aktuelle Lage der Bank und allfällige Neuausrichtungen vor. Ausserdem: 2013 beginnt Axel Weber als neuer Präsident der Bank.

  • 12:10 Uhr  

    Ein Londoner Analyst sieht «das Positive an dem Vorfall»: «Jetzt dürfte noch mehr Leuten klar werden, dass man diese Sparte einfach wegschrumpfen muss», sagt er. «Der Druck ist riesig, auch bankintern.»

  • 11:37 Uhr  

    UBS-Kollegen sind wütend

    Auch bankintern ist die Stimmung schlecht. «Das ist das Dümmste was uns passieren konnte», sagt ein UBS-Mitarbeiter in Zürich.

    Die Wut auf das Investmentbanking sei bei den Vermögensverwaltern und Analysten riesig: «Immer wieder diese Investmentbanker, sie machen alles kaputt.»

    Nun sei der Imageschaden für die Bank enorm, er und die Kollegen müssten auf den Bonus verzichten und die Politik werde wohl auch härtere Gesetze für die Banken beschliessen.

  • 11:33 Uhr  

    Erinnerung an den Fall Kerviel

    Verschiedene Händler sprechen davon, dass sie der Fall an die Aktivitäten von Jérome Kerviel erinnere. Der Händler der französischen Société Générale hatte seiner Bank mit Spekulationsgeschäften einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro zugefügt.

    Kerviel hatte damals während des Prozesses zu seiner Verteidigung gesagt, sein Handeln sei Teil der üblichen Kultur gewesen, in der er gearbeitet habe.

    Sehen Sie hier eine Übersicht über die grössten Finanzbetrüger der Geschichte.

    1/6 Jérôme Kerviel, Frankreich
    Er brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit exzessiven Handelspositionen um circa 5 Milliarden Euro... (29. April 2010)
    Bild: Reuters

       

  • 11:25 Uhr  

    Händler fürchten um Ruf der UBS:

    Der finanzielle Schaden der UBS wird von Händlern nicht als dramatisch eingestuft. Die Marktexperten fürchten hingegen, dass der Ruf der UBS durch von einem Händler mit illegalen Geschäften verursachten Verlust erneut Schaden nimmt.

    Der Inhalt der Meldung, dass ein Händler 2 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt habe, sei «katastrophal» für die Bank, sagten Händler. Nachdem sich die UBS von ihrem Imageschaden aus der Finanzkrise erholt habe, werde das Institut nun wohl wieder unter einen neuen Vertrauensverlust zu leiden haben, erklärte ein Börsianer.

    Sofern es sich nicht um eine kriminelle Tat handle, werfe der Verlust «ein schlechtes Licht auf die Risikokontrolle der Bank und stellt deren Führung in Frage», sagte ein anderer Händler. Man frage sich, ob die UBS die Risiken in der Investment Bank nicht im Griff habe. (sda)

  • 11:13 Uhr  

    Eine weitere Reaktion aus dem Parlament, das in diesen Stunden über strengere Eigenkapitalvorschriften für die Banken debattiert.

    «Das ist erschreckend und kommt zu einem ganz schlechten Zeitpunkt»

    Ständrat This Jenny kann nicht glauben, was er heute Morgen erfahren hat: «Nach dem, was alles vorgefallen ist, wundere ich mich schon.» Der Finanzpolitiker erzählt, wie er vor wenigen Tagen mit Oswald Grübel und VR-Präsident Kaspar Villiger im gleichen Zugabteil nach Bern gefahren ist: «Ich hatte ein gutes Gefühl und dachte, die haben das im Griff.» Das Gespräch sei locker und gut gewesen, «und jetzt das».

    Für Jenny kommt diese Schreckensbotschaft zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt: «Der Finanzplatz steht bereits unter Druck, die CS wird von den USA in die Klemme genommen.» Der Glarner Politiker fragt sich, warum die Qualitätssicherung der Grossbank nicht funktioniert hat.

  • 11:10 Uhr  

    Warum hat die UBS ausgerechnet wenige Minuten vor Börsenbeginn informiert?

    Diese Frage stellen uns verschiedene Leser. Die Antwort: Weil sie dazu verpflichtet ist. Informationen, die den Kurs beeinflussen können, müssen sofort bekannt gegeben werden, sobald ein Unternehmen «von der Tatsache
    in den wesentlichen Punkten Kenntnis hat».

    Lesen Sie hier die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften.

  • 10:55 Uhr  

    Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat das Schreiben von Oswald Grübel ebenfalls erhalten. Hier der komplette Wortlaut:

    «Liebe Kolleginnen und Kollegen

    Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir gestern einen Fall von nicht autorisierten Handelsgeschäften eines Händlers der Investment Bank aufgedeckt haben. Entsprechend der Offenlegungsanforderungen haben wir die Märkte darüber informiert. Die Angelegenheit wird untersucht, doch wir schätzen den Verlust aus dem Handelsgeschäft auf rund 2 Milliarden US-Dollar. Es ist möglich, dass UBS deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekannt geben wird. Es sind keine Kundenpositionen betroffen.

    Es ist uns bewusst, dass Sie bereits seit einiger Zeit mit ungünstigen, volatilen Märkten konfrontiert sind. Obwohl diese Nachricht bedauerlich ist, wird die fundamentale Stärke unseres Unternehmens dadurch nicht beeinträchtigt.

    Wir bitten Sie, sich weiterhin auf Ihre Kunden zu konzentrieren. Diese zählen in diesen unsicheren Zeiten auf Ihre Unterstützung.

    Wir versichern Ihnen, dass wir, zusammen mit unseren Kollegen aus dem Management, eng mit der Leitung und dem Risikomanagement der Investment Bank zusammenarbeiten, um dieser Sache so rasch wie möglich auf den Grund zu gehen. Wir werden Sie über den weiteren Verlauf der Untersuchungen auf dem Laufenden halten.

    Ihre Konzernleitung»

  • 10:50 Uhr  

    Grübel beruhigt Mitarbeiter:


    Der Chef der UBS hat soeben in einer E-Mail versucht, die Mitarbeiter (und die Märkte) zu beruhigen: Der Vorfall werde «nicht die fundamentale Stärke der Bank beeinträchtigen», schrieb er in einem Text, der der Agentur Bloomberg vorliegt.

    Die UBS arbeite daran, der Sache so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen und werde keinen Aufwand scheuen um herauszufinden, was passiert sei.

    Grübel gibt in dem Schreiben offenbar keinen Hinweis darauf, wie das Geld genau verloren ging.

  • 10:48 Uhr  

    Wir haben für Sie die wichtigsten Pressereaktionen weltweit zusammengestellt:

    1/9 2 Milliarden Dollar verzockt: Der UBS-Verlust ist auf dem Internetportal des deutschen Nachrichtenmagazins «Spiegel» die Top-Nachricht.

       

  • 10:45 Uhr  

    Finma schweigt:

    Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Sie stehe «in engem Kontakt» mit der Grossbank, hiess es lediglich.

    Weitere Details teilt die Behörde nicht mit. «Die UBS hat uns umgehend informiert», sagte Finma-Sprecher Tobias Lux am Donnerstag der Nachrichtenagentur sda.

    Der Zeitpunkt, an dem die UBS die Machenschaften ihres Mitarbeiters entdeckt hat, wird im Moment aber weder von der Finma noch von der UBS bekannt gegeben. (sda)

  • 10:40 Uhr  

    UBS-Aktie eingebrochen:

    Direkt bei Börsenbeginn ist die Aktie um über 8 Prozent eingebrochen, jetzt steht sie bei -5,8 Prozent.

  • 10:30 Uhr  

    Kurze Zwischenmeldung: Es ist nicht bekannt, ob es sich bei dem Vorfall um einen Fehler oder eine kriminelle Aktivität handelt.

    Dennoch stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass ein Einzelner ohne Notbremse solche Geschäfte tätigen kann?

  • 10:28 Uhr  

    Wut im Parlament

    «Das ist ja unglaublich: Die haben nichts dazu gelernt», sagt Philipp Müller. Der Aargauer FDP-Nationalrat zeigt sich vom neuen Milliarden-Verlust bei der UBS schockiert. «Erneut hat die interne Kontrolle versagt», so der Finanzpolitiker.

    Müller ist überzeugt, dass die Politik jetzt bei den Banken strengere Regeln durchsetzen kann: «Diese Meldung passt in die jetzige Situation. Wir behandeln gerade die Too-big-to-fail-Vorlage.»

    Was bei Müller ganz schlecht ankam, waren die jüngsten Äusserungen von UBS-Chef Oswald Grübel: «Und das, nachdem wir uns am Wochenende noch vom obersten Chef belehren lassen mussten.» Grübel schoss am Wochenende gegen die Politik, welche mit strengeren Regeln für die Banken den Schweizer Finanzplatz unter Druck setze.

  • 10:15 Uhr  

    «Diese Mindestvorschriften reichen nicht»

    Aus dem Parlament kommen die Forderungen, welche die Analysten am Morgen vorhergesagt haben: Der Druck, das Investmentbanking zu verkleinern oder gar die Banken aufzuspalten, steigt.

    Der grüne Nationalrat Daniel Vischer hat soeben vom neuen Milliardenverlust bei der UBS erfahren. «Selbstherrlichkeit» macht er in der Grossbank aus. Der Parlamentarier befürchtet, dass solche Fälle, wie heute von der UBS vermeldet wurde, immer wieder vorkommen werden. «Solange man an den grossen Ambitionen mit dem US-Investmentbanking festhält, wiederholt sich Solches.»

    Dass man mit der Too-big-to-fail-Vorlage an der Bankenregulierung arbeitet, ist für ihn nur ein kleiner Trost. «Diese Mindestvorschriften reichen nicht.» Vischer würde eine Auftrennung der Grossbanken in verschiedene Einheiten vorziehen. Der entsprechenden Vorlage aber gibt er kaum eine Chance.


  • 10:13 Uhr  

    Aufregung im Bundeshaus

    Auch in der Wandelhalle im Bundeshaus ist die Hiobsbotschaft über den Milliardenverlust angekommen. Just während der Debatte über die Too-big-to-fail-Vorlage.

    Margrit Kiener-Nellen (SP) versteht die Welt nicht mehr. Soeben hat sie vom Milliardenverlust der UBS erfahren. «Ueli Leuenberger (Grüne) zeigte mir sein Handy», so die Präsidentin der nationalrätlichen Finanzkommission. Darauf las sie die Breaking-News von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Dass immer wieder solche Verluste passieren, zeigt, wie wenig wirksam die Revisionsgesellschaften sind.» Solche Fälle dürfe es doch einfach nicht mehr geben.

  • 10:11 Uhr  

    Die Nachricht geht um die Welt

    Medien rund um den Globus reagieren sofort auf die Nachricht aus Zürich – CNN schickt mitten in der Nacht eine Breaking News. Auch beim «Wall Street Journal» ist die Nachtruhe für die Journalisten zu Ende.

    Tagesanzeiger.ch/Newsnet liefert Ihnen in Kürze eine Presseschau zum neuen Fall UBS.

  • 10:04 Uhr  

    Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein für die UBS: Heute debattiert der Nationalrat über die strengeren Eigenkapitalvorschriften für die Banken!

  • 09:58 Uhr  

    Drängende Fragen:

    Die Analysten und Händler stellen sich nach eigenen Aussagen jetzt eine ganze Reihe von Fragen – die von der UBS zurzeit nicht beantwortet werden:


    • In welchem Bereich des Investmentbanking ist das passiert?

    • Geht es um den Bereich des Fixed Income, also der Festzins-Geschäfte und Termingeschäfte, erhöhte das den Druck, diese bereits stark umstrittenen Abteilungen stärker zu kontrollieren.


    • Geht es um einen Fehler oder um einen kriminellen Akt?

    • Die Risikosysteme der UBS könnten in Frage gestellt werden, insbesondere, wenn dem Händler ein Fehler passiert ist. Geht es um einen kriminellen Akt, dürfte erneut Kultur und Anreizsysteme des Investmentbanking kritisiert werden.


    • Wie reagiert die Politik?

    • Der Vorfall, so sind sich alle Analysten einig, ist Wasser auf die Mühlen jener, die stärkere Bankenregulierungen fordern. «Der Druck, dieses elende Investmentbanking endlich zu schrumpfen, steigt», sagt etwa Peter Thorne von Helvea.


  • 09:45 Uhr  

    «Das ist sehr enttäuschend», sagt auch Andreas Venditti, Analyst bei der ZKB. «Die UBS verspielt sich ganz viel Vertrauenskapital», ergänzt sein Kollege Claude Zehnder.

  • 09:30 Uhr  

    Analysten sind schockiert:

    «Das ist absolut furchtbar», sagt Peter Thorne, Finanzmarktanalyst bei der Agentur Helvea. «Es ist das Schlimmste, was der Bank jetzt passieren konnte.»

    Dramatisch sei nicht in erster Linie der finanzielle Schaden, sondern vor allem der – erneute – Rufschaden für die Bank. «Die Frage ist, wie sie das wieder hinbekommen.»

  • 09:20 Uhr  

    Hier der offizielle Wortlaut der Mitteilung der UBS:

    «UBS hat festgestellt, dass es aufgrund von nicht authorisierten
    Handelsgeschäften eines Händlers ihrer Investment Bank zu einem Verlust gekommen ist. Während die Untersuchung der Vorfälle andauert, schätzt UBS gegenwärtig, dass der durch diese Transaktionen erlittene Verlust sich in einer Höhe von USD 2 Milliarden bewegen wird. Es ist möglich, dass UBS
    deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekannt gegeben wird. Es sind keine Kundenpositionen
    von diesen Vorgängen betroffen.»

  • 09:15 Uhr  

    Was wir bis jetzt wissen:

    Ein Händler der UBS hat Geschäfte gemacht, die er nicht hätte tätigen sollen. «Unauthorisierte Handelsgeschäfte» heisst es in der offiziellen Mitteilung der Bank.

    Dies koste die UBS voraussichtlich 2 Milliarden Franken, schreibt die Bank weiter – und bringe die UBS im dritten Quartal wohl in die Verlustzone.

    Der Kurs sackte sofort um 8,5 Prozent ab, die Börse setzte vorübergehend den Handel aus.

Erstellt: 15.09.2011, 09:36 Uhr

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