Ethik wird für UBS-Angestellte zum Pflichtfach
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 13.01.2010 12 Kommentare
Die UBS (UBSN 13.18 2.17%) hat sich am Montag intern einen neuen «Verhaltens- und Ethikkodex» verschrieben. Darin steht, dass sich die Grossbank als «integres und verantwortungsbewusstes Unternehmen» versteht. Da liest man auch, dass die UBS «sowohl in den Ländern, in denen ihre Kunden ansässig sind, als auch in den Ländern, in denen sie selbst tätig ist, die jeweils geltenden Gesetze und Vorschriften» einhalte. Oder – die wohl spektakulärste Aussage –, dass die UBS «den Kunden keine Unterstützung bei Handlungen, die der Umgehung ihrer Steuerpflichten dienen», biete.
Der Kodex ist der Versuch, die Zukunft zu gestalten. Er ist auch eine Art Bekenntnis, dass die Bank die Lehren aus der jüngsten Vergangenheit gezogen hat. In einer internen Mitteilung schrieb Konzernchef Oswald Grübel zur neuen UBS-«Bibel»: «Was in den vergangenen Jahren passiert ist, darf in Zukunft nicht mehr möglich sein.»
Verstösse werden geahndet
Die UBS kannte schon bisher einen Ethikkodex. Auch in der alten Fassung standen Sätze wie: «Wir sind bestrebt, bei all unseren Entscheidungen höchste ethische Standards anzuwenden.» Der neue Kodex – das die Absichtserklärung – soll mehr als nur Papier sein. Die Bank erwarte von allen Mitarbeitenden, «dass sie den Kodex nach Geist und Buchstaben konsequent einhalten», schreiben Grübel und Präsident Kaspar Villiger in der Einleitung. Und in seinem Mitarbeiterschreiben doppelt Grübel nach: «Die neue Identität soll die ganze UBS durchdringen und muss uns in Fleisch und Blut übergehen.»
Grübel und Villiger erklären die Einhaltung des Kodex für obligatorisch. Im Gegensatz zum Vorgänger-Papier sieht das neue Dokument Disziplinarmassnahmen für Verstösse vor: Verweise, Versetzung auf niedrigere Positionen, Entlassung. «Ist ein Verstoss als kriminell zu werten, bringt UBS dieses Verhalten den zuständigen Behörden zur Kenntnis.»
Der Kodex gilt ohne Ausnahme. Weder Zeitdruck noch Kundenwünsche, weder Wettbewerbsnachteile noch die Chance, zusätzliche Gewinne zu machen, werden als Gründe für Verstösse gegen den Kodex akzeptiert.
Alle Mitarbeiter bekommen Post
Das Papier wird in neun Sprachen übersetzt. Alle Mitarbeitenden bekommen es nach Hause geschickt. Mit ihrer Unterschrift müssen sie bestätigen, dass sie es gelesen und verstanden haben. Im Frühling müssen sie zum Online-Test antreten, mit dem ihr Wissensstand zum Ethikkodex überprüft wird.
Die UBS verpflichtet sich nicht nur, die Gesetze einzuhalten, auf unfaire Geschäftspraktiken oder auf jede Form der Bestechung zu verzichten. Neu gelobt sie auch, sich umweltbewusst zu verhalten, die Menschenrechtsstandards zu achten und zum sozialen und ökologischen Wohl der Gemeinschaften beizutragen, in denen sie tätig ist.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.01.2010, 04:00 Uhr
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12 Kommentare
Moral und Ethik wären, wenn die obersten Herren dieser Bank ihre Gehälter und Spesen usw. klar offen legen würden. Noch besser, wenn sie auf solch überrissene Beträge verzichten würden. Treten die Führungskräfte und der Verwaltungsrat auch zum Online-Test an? Dieser gilt sicher nicht für alle. Oben werden ja bekanntlich keine Fehler gemacht. Und sollte es doch nicht klappen, hilft der Staat. Antworten
"Die UBS verpflichtet sich, die Gesteze einzuhalten ..." Für wen ist denn diese Erklärung gültig ? Etwa für den kleinen Angestellten im Backoffice ? Oder für die Frau am Schalter ? Wohl kaum: DIE wissen auch ohne schriftliche Erklärung, dass sie weder stehlen noch bertrügen dürfen. Was für eine totale Bankrott Erklärung für eine schweizer Bank, die ein solches Schreiben aufsetzen muss .... Antworten
Um Ethik und Moral unserer modernen, westlichen Gesellschaft kann es wahrlich nicht zum Besten bestellt sein, wenn Grossfirmen es nötig haben Kodices zu erlassen die (im Wesentlichen) „nichts Anderes“ vorschreiben, als dass allgemeingültige Konventionen, Normen und Gesetze einzuhalten sind. Antworten
Leider verstehen die Finanzkonzerne unter Ethik, dass Mitarbeiter zumindest nicht offensichtlich gegen Gesetze verstossen und auch keine grossen Geschenke annehmen sollen. Dabei geht es einzig darum, nicht zu Millionenklagen seitens USA verdonnert zu werden oder sonst schlechte Schlagzeilen zu produzieren. Entlassungen, Outsourcen und Offshoren zwecks Renditesteigerung ist aber i.O. Antworten
die sendung plusminus auf ard hat gestern abend aufgezeigt, nach welchen "höchsten ethischen" standards die ubs bis anhin ihre kunden beraten hat. einer 85-jährigen kundin (anlagevermögen 500 000 euro) wurden offenbar nur aktien und zertifikate ins depot gelegt. die ubs hat kommissionen garniert, die kundin lebt heute von der sozialhilfe. na dann, viel glück mit den neuen ethik-standards! Antworten
Bestimmt wird Herr Grübel spätestens jetzt umdenken und quasi als gutes Vorbild seinen über alles geliebten Ferrari gegen einen VW eintauschen um so, wenn auch nur ganz bescheiden, seinen eigenen kleinen Beitrag an das hoch gepriesene ökologische Wohl der Gemeinschaft zu leisten. Nichts ist unmöglich, die Geschichte wiederholt sich, auch Saulus wurde zum Paulus...erinnert ihr euch? Antworten
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Brigitta Moser-Harder
Der alte UBS-Ethikkodex war gut, der neue ist es auch. Aber eine Firma ist nur so gut wie das Management und nicht wie irgendein Kodex. Als Oswald Grübel 2009 UBS-CEO wurde, sagte er in einem Interview:"In unserer Welt regiert das Geld und nicht die Ethik". Ja warum dann dieses ganze Theater um diesen Verhaltens- und Ehtikkodex? Antworten