Wirtschaft
Euro-Zwerge im Visier von Spekulanten
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.11.2011 23 Kommentare
In Aufregung geraten: Börse in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. (Bild: AFP )
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Bisher ging es immer nur um die Gefahr, dass die Schuldenkrise ausgehend von Griechenland grosse und hoch verschuldete Euroländer wie Italien oder Frankreich erfassen könnte. Jetzt geraten kleinere EU- oder Euroländer wie Slowenien oder Zypern ins Visier. Das verwundert nicht: «Kleine Länder sind angreifbarer als grosse. Man kann gegen kleine Länder leichter spekulieren», sagt Ökonom Karl Aiginger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in Wien.
Ausserdem würden grosse Banken in kleineren Euroländern verhältnismässig grössere Löcher ins Budget reissen, wenn diese in Schwierigkeiten geraten. Im Falle Sloweniens kann es jedenfalls nicht an der Staatsverschuldung liegen, denn die beträgt knapp 40 Prozent.
Anleihezinsen über sieben Prozent
Infolge der neuen Spekulantenaktionen sind die Zinsen für fünfzehnjährige Staatsanleihen des kleinen Eurolandes Slowenien innert zehn Tagen von 5,9 auf 7,19 Prozent gestiegen. Eine Regel besagt, ab Zinskosten von sieben Prozent wird der Schuldendienst für ein Land unleistbar.
EU-Kommissar Olli Rehn hat deshalb bereits mit der Botschaft aufhorchen lassen, diesen und einigen Ländern mehr mit Sanktionen zu drohen, wenn diese ihre Schulden nicht in den Griff bekommen. Der Hintergrund für das harsche Vorgehen des EU-Kommissars liegt auf der Hand: Ein Übergreifen des Schuldenproblems auf noch mehr Staaten würde die Eurozone nicht verkraften.
Defizitsündern drohen Sanktionen
Die «halb automatischen Sanktionen» gelten auch für die Wiege der EU: «Belgien muss sich mehr anstrengen», monierte Rehn. Für das kleine Euroland hatte die Kommission für 2012 eine Neuverschuldung von mehr als 4,5 Prozent des BIP prognostiziert. Dessen Staatsverschuldung liegt dann laut den Prognosen bei fast 100 Prozent. Zum Vergleich: Italien hat eine Staatsverschuldung von 120 Prozent, Österreich von mehr als 70 Prozent, die Schulden von Deutschland und Frankreich liegen mit etwas mehr als 80 Prozent fast gleichauf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.11.2011, 16:45 Uhr
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23 Kommentare
Kein Tag vergeht, wo nicht irgendein Euro-Staat von den "Märkten" wie die Sau durchs Dorf getrieben wird. Irgendwie will da jemand aus dem ganzen Schlamassel viel Geld machen. Die Politiker sollten endlich Tabula rasa machen, heisst, den Euro aufgeben, oder eine Zweizonen-Euro einführen, damit die elendigliche Geschichte mit der Fehlkonstruktion Euro ein Ende hat. Antworten
Es wird wohl langsam Zeit, solchen Geschäften einen Riegel vorzuschieben. Vielleicht gäbe es ja einen Weg, Menschen, die auf diese Weise Profit machen wollen, für den dabei angerichteten Schaden haftbar zu machen? Bei aller Vorliebe für freie Märkte: hier gerät offensichtlich irgend etwas aus dem Ruder. Antworten
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