Wirtschaft
Finanzanalyst: «Das Resultat ist deutlich schlechter als erwartet»
Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 15.04.2009
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Herr Skierka*, wie bewerten Sie die heute von der UBS bekannt gegebenen Eckdaten zum ersten Quartal:
Vom Ausmass des Verlustes bin ich überrascht. Positiv ist, dass Massnahmen ergriffen werden.
Der Abfluss von Kundengeldern hält an, wie kann die Bank das stoppen?
Die Zahlen muss man relativieren. Darin enthalten sind Abflüsse in den USA, welche die UBS bereits früher angekündigt hat. Aufschluss über die effektive Entwicklung der verwalteten Vermögen wird erst die Bekanntgabe der genauen Resultate für das erste Quartal am 5. Mai geben.
Die UBS macht im ersten Quartal einen Verlust von 2 Milliarden Franken, braucht die Bank bald neues Kapital?
Das Resultat ist deutlich schlechter als erwartet. Im Schnitt gingen wir Analysten von einem Gewinn von einer Milliarde aus. Dass die Bank neues Kapital braucht, kann man nicht ausschliessen.
Ist die Wende mit den heute angekündigten Massnahmen zu schaffen?
Die Stossrichtung ist richtig. Die Massnahmen werden aber nicht von heute auf morgen umgesetzt, sie dauern bis 2010. Entscheidend ist am Ende die Entwicklung der Märkte.
Hat Oswald Grübel jetzt alles Negative in ein Paket geschnürt?
Ein weiterer Jobabbau kann nicht ausgeschlossen werden. Die Bank ist noch daran zu prüfen, ob allenfalls Geschäftsbereiche, die nicht rentabel sind, geschlossen oder abgestossen werden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.
Kann die UBS, den für 2009 angekündigten Gewinn noch erreichen?
Der Start mit 2 Milliarden Verlust ist sicher negativ. Am 5. Mai werden wir sehen, wie sich die operativen Erträge entwickelt haben, das wird dann mehr Aufschluss geben.
Ist die Bank jetzt für einen potenziellen Käufer interessant?
So günstig ist die UBS jetzt auch wieder nicht bewertet. Auf Grund unserer Berechnungen und der Gewinnerwartungen, weist sie im Marktvergleich eine gute Bewertung auf. Grundsätzlich bleibt das Problem trotz der jüngsten positiven Meldungen der Branche das gleiche wie zuvor: den meisten Konkurrenten fehlt das Geld für Zukäufe.
Wie entwickelt sich der Aktienkurs der UBS?
Jetzt, nach dieser negativen Überraschung, geht die Aktie wohl runter. Mittel- und langfristig ist auch der UBS-Kurs von der Entwicklung der Märkte abhängig.
*Rainer Skierka arbeitet als Finanzanalyst für die Bank Sarasin. Zu seinen Spezialgebieten zählt die Bankbranche. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.04.2009, 12:30 Uhr
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