Wirtschaft
Firmen schicken Rückkehrer in Quarantäne
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 07.05.2009
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Die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sind eindeutig: Nicht notwendige Reisen nach Mexiko sollte man im Moment besser verschieben. Daran halten sich auch die meisten Schweizer. Sie haben die Reisen in diese Region in den letzten Tagen drastisch eingeschränkt. «Wir haben Geschäftsreisen in Risikogebiete verschoben respektive auf ein absolutes Minimum reduziert», sagt etwa Lukas Inderfurth von ABB. Wer unbedingt reisen muss, wird mit einem Grippe-Set ausgerüstet: «Tamiflu, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Schutzbrille.» Wer sich bei Ausbruch der Seuche bereits in einem Risikogebiet befand, dem wurde das Grippe-Set nachgeschickt. Auch Mitarbeitende von IBM und Sulzer reisen nur noch ins Risikogebiet, wenn es sich nicht vermeiden lässt.
Beim Zementkonzern Holcim, der auch in Mexiko Fabriken betreibt, wurde bis auf weiteres sogar ein generelles Reiseverbot verhängt. Ebenso handhabt das die ZKB.
Angst vor Panik bei den Kollegen
Selbst Firmen, bei denen geschäftlich niemand nach Mexiko reist, müssen sich mit dem Thema befassen. Etwa dann, wenn Mitarbeitende privat in die Region gereist sind. Für Rückkehrer gelten allerdings keine Spezialmassnahmen. Das BAG ruft sie lediglich zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Zeigt jemand innert sieben Tagen nach Rückkehr Grippesymptome, muss er zum Arzt. Ansonsten ist der Fall klar: Wer aus dem Risikogebiet kommt und sich gesund fühlt, muss sich keine Sorgen machen. Er kann problemlos zur Arbeit gehen.
Viele Schweizer Firmen gehen trotzdem lieber auf Nummer sicher: Mexiko-Rückkehrer müssen vielerorts fünf bis sieben Tage zu Hause bleiben. Einerseits soll so verhindert werden, dass die Krankheit ein ganzes Unternehmen lahmlegt. Anderseits wird so auch unnötige Nervosität oder Panik unter den Kollegen verhindert.
So macht es etwa auch ABB: «Wer aus einem der Risikogebiete zurückkehrt, darf während sieben Tagen nicht ins Büro oder auf ein ABB-Areal, sondern muss zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten», sagt Sprecher Inderfurth. Auch Coop, Swisscom und ZKB wollen Mexiko-Reisende eine Woche lang nicht bei der Arbeit sehen. Bei Coop dürfte es allerdings schwierig sein, von daheim aus zu arbeiten. Der Grossteil der 54'000 Mitarbeitenden ist im Verkauf tätig. Keine Restriktionen gelten bei Holcim, Siemens, Migros, IBM, Swisslife und Sulzer.
Spannend ist auch, wie unterschiedlich die beiden grossen Pharmafirmen mit der Schweinegrippe umgehen. Novartis hat Geschäftsreisen nur eingeschränkt, Rückkehrer arbeiten sieben Tage von zu Hause aus. Bei Tamiflu-Produzentin Roche gilt ein absoluter Reisestopp, dafür können Rückkehrer sofort wieder arbeiten.
SBB unterscheiden je nach Job
Die SBB sind das einzige vom «Tages-Anzeiger» befragte Unternehmen, das seinen Mitarbeitenden droht, die Quarantäne von den Ferien abzuziehen (siehe Artikel auf Seite 1). Das ist aus zwei Gründen nicht rechtens: Zum einen können die SBB nicht einfach Zwangsferien verordnen. Theoretisch wäre es nur möglich, die Zeit vom Lohn abzuziehen. Zum Zweiten ist die Massnahme laut Arbeitsrechtprofessor Thomas Geiser völlig unverhältnismässig.
Kommt hinzu, dass von der Massnahme Berufe ausserhalb der Büros betroffen sind: Kondukteure, Zugführer, Gleisbauer. Wer einen Bürojob hat, dürfe von zu Hause aus arbeiten. Gemäss Geiser müssen sich die Arbeitnehmenden so etwas nicht gefallen lassen. Weder von den SBB noch von einem anderen Betrieb.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.05.2009, 06:26 Uhr
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