Firmen umgehen Abzocker-Verordnung mit Tricks

Die abgetretenen Chefs von Zurich, Holcim und Kuoni kassieren immer noch Beträge in Millionenhöhe. Die Unternehmen machen sich eine Gesetzeslücke zunutze.

Verdient Millionen ohne Gegenleistung:  Der ehemalige Zurich-CEO Martin Senn bei der Generalversammlung in Zürich am 2. April 2014.

Verdient Millionen ohne Gegenleistung: Der ehemalige Zurich-CEO Martin Senn bei der Generalversammlung in Zürich am 2. April 2014. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Seit Annahme der Abzockerinitiative im März 2013 sind Antritts- und Abgangsentschädigungen verfassungswidrig. Trotzdem erhält der im Dezember abgesetzte Zurich-Chef Martin Senn im Jahr 2018 bis zu 7,2 Millionen Franken in Form von Aktien. Dies sei Teil eines Bonusprogramms, das «auf die langfristige Wertschöpfung» ausgerichtet sei, rechtfertigt sich der Konzern. Dabei kann Senn, der Ende 2015 den Hut nehmen musste, die Leistung gar nicht mehr beeinflussen.

«Das ist nichts anderes als eine Abgangsentschädigung auf Raten», kritisiert Thomas Minder in der «Sonntagszeitung». «Dabei heisst es in der Verfassungsbestimmung ganz klar, dass solche Zahlungen untersagt sind.» Schuld sei der Bundesrat, der eine löchrige Übergangsverordnung in Kraft gesetzt und noch immer keinen Gesetzesentwurf vorgelegt habe.

Firmen erfinden neue Begriffe

Eine wachsende Zahl von Unternehmen macht sich diese Gesetzeslücke zunutze. Man erfindet dort immer neue Begriffe, um das in der Verfassung verankerte Verbot von Antritts- und Abgangsentschädigungen zu umgehen. Gemäss Recherchen der «Sonntagszeitung» zahlte der Zementkonzern Holcim ausgewählten Managern eine «Halteprämie» von total 11,1 Millionen Franken, damit sie bis zur Fusion mit Lafarge im Unternehmen blieben. Allein Holcim-Chef Bernard Fontana, der das Unternehmen im Juli 2015 verlassen musste, erhielt einen Bonus von 4,97 Millionen Franken, einen guten Teil davon als Halteprämie.

Millionen ohne Leistung erhält auch Peter Meier, der gescheiterte Ex-Chef des Reisekonzerns Kuoni. Obwohl er im November den Hut nehmen musste, erhält er dieses Jahr mindestens 3,3 Millionen Franken in bar und in Form von Aktien. Solche Zahlungen seien «ein eindeutiger Verfassungsbruch», sagt Thomas Minder.

14 Chefs mit weniger als einer Million Gehalt

Dass es auch anders geht, zeigt eine Auswertung der Beratungsfirma Zrating auf Basis der bisher vorliegenden Jahresabschlüsse von kotierten Schweizer Gesellschaften, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Demnach haben 14 Firmenchefs 2015 ein Gehalt von weniger als 1 Million Franken bezogen. Bescheidenste Führungskraft ist die Bankerin Marianne Wildi, Chefin der Hypothekarbank Lenzburg, die im vergangenen Jahr 334 000 Franken. verdiente.

Die Firmen entrichteten ihren Managern laut vorläufigen Zahlen 3% höhere Löhne als im Vorjahr, bei den kleineren der 100 grössten kotierten Unternehmen erhielten die Chefs im Schnitt 1,5 Millionen Franken. Bei den 20 grössten Konzernen erhielten die Firmenlenker im Schnitt 7,6 Millionen, wie das Beratungsunternehmen HCM International errechnet hat. Die Manager-Löhne werden auch 2017 steigen: Die Firmen hätten im Schnitt 33% höhere Vergütungen bei den Aktionären beantragt, schreibt HCM International auf der Basis von 34 bisher versandten Einladungen zu Generalversammlungen. (chi)

(Erstellt: 20.03.2016, 04:21 Uhr)

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