Flauer Einsatz für besseres Klima

Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 24.11.2008

Von den hundert grössten Schweizer Unternehmen haben nur neun konkrete CO2-Ziele.

Man müht sich und hält Sonntagsreden. Doch wenn es um konkrete Klimaziele geht, schweigen überraschend viele. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage der Anlagestiftung Ethos und der Privatbank Pictet unter den hundert grössten Unternehmen der Schweiz, die an der Börse kotiert sind. Das Positive: Die meisten setzten sich ernsthaft mit dem Klimawandel auseinander. Die Enttäuschung: Nur wenige haben überzeugende Strategien dagegen entwickelt.

Eine vertiefte Analyse zeigt auch: 23 der befragten Firmen haben sich ein CO2-Reduktionsziel gestellt, doch nur fünf halten es mit einer absoluten Zahl fest: die Berner Kantonalbank, Lonza, Novartis, Swisscom und die UBS. Vier weitere setzen Zielvorgaben im Verhältnis zum Produktionsvolumen und der Anzahl Mitarbeitenden. Der grosse Rest bleibt im Vagen. Unter den 41 Unternehmen, die nicht auf die Umfrage reagiert haben, finden sich viele, die stark vom Klimawandel betroffen sind: BKW FMB Energie, Ems-Chemie, Flughafen Zürich, Kühne & Nagel, Petroplus und PSP Swiss Property.

Besonders bei den weniger Grossen fehlen geeignete Strukturen, um die Herausforderungen des Klimawandels in die Unternehmensstrategie zu integrieren, sagt Studienleiter Yvan Maillard Ardenti. Mangelhaft sei auch, dass viele sich nur über den CO2 bei der Produktion Gedanken machen. Wie gross die Umweltbelastung ihrer Produkte ist, interessiert sie offenbar wenig. «Ökologische und soziale Kosten werden einfach externalisiert und auf die Gemeinschaft abgewälzt», kritisiert Ethos-Präsident Kaspar Müller. Die Unternehmen stecken die Gewinne ein, die Zeche zahlen die anderen.

Papiertiger mit Biss

«Die Versuchung, den Klimaschutz angesichts der Finanzkrise und der drohenden Rezession zu vernachlässigen, ist im Moment besonders gross.» Wer so kritisiert, gehört nicht irgendeiner linksgrünen Vereinigung an oder einem Beratungsunternehmen, das auf die Schnelle eine PR-Studie aus dem Hut zaubert. Es ist Ferdinand de Saussure, Teilhaber der Bank Pictet und in dieser Funktion ein Promotor nachhaltiger Anlagen.

Hinter dem Carbon Disclosure Project stehen 385 institutionelle Anleger weltweit. Zusammen verwalten sie 50'000 Milliarden Dollar. Das verleiht ihrer Kritik Kraft, das bietet eine gewisse Gewähr, dass die Studie mehr als ein Papiertiger ist. Sie sei eine Grundlage, um Anlageentscheide zu fällen. De Saussure: «Es ist möglich, ein breit diversifiziertes Aktienportfolio zu konstruieren mit Unternehmen, die rund ein Drittel weniger CO2 ausstossen als in einem konventionellen Aktienfonds. Wohlgemerkt bei vergleichbaren Risiko- und Renditeaussichten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.11.2008, 23:09 Uhr

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