Frauen in die «goldenen Röcke»!

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 01.07.2009

In Norwegen müssen per Gesetz mindestens 40 Prozent der Verwaltungsräte eines Unternehmens weiblich sein. Das Gesetz ist erfolgreich und macht nun Schule – allerdings nicht in der Schweiz.

Frauen im Verwaltungsrat (Stand: 2008)

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Frauen in obersten Entscheidungsgremien: Skandinavische Länder liegen klar vorn.


Mit dummen Fragen Korruptionsfall bei Statoil aufgedeckt: Grace Reksten Skaugen.

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Skandinavier sind bekannt für ihren Gerechtigkeitssinn. Als eine Studie im Jahr 2002 zu Tage förderte, dass im hohen Norden im Durchschnitt bloss sechs Prozent der Verwaltungsräte weiblich sind, schritten die Norweger zur Tat. 2003 schlug die Regierung ein Gesetz vor, das mindestens 40 Prozent Frauen in den höchsten Unternehmensgremien vorschrieb. Fehlbaren Firmen drohte die Schliessung durch den Staat.

Seit Anfang 2008 ist das Gesetz in Kraft. Es hat sich durchgesetzt, und zwar durchschlagend. Eine kürzlich von der Schweizer Unternehmensberaterfirma Egon Zehnder International durchgeführte Studie hat gezeigt, dass der Anteil weiblicher Verwaltungsräte in Norwegen inzwischen bei 44 Prozent liegt. Das ist viel höher als sonstwo. In Europa liegt der Durchschnitt bei 12 Prozent. Ganz schlecht steht übrigens die Schweiz da mit einem Anteil von deutlich unter 10 Prozent.

Seit dieses Gesetz in Kraft ist, spricht man in Norwegen von den «goldenen Röcken». Gemeint sind Frauen, die über geeignete Voraussetzungen für einen VR-Sitz verfügen, beispielsweise Juristinnen, Akademikerinnen und sogar Pfarrerinnen. Sie wurden gleich in mehrere Aufsichtsgremien gewählt. Trotzdem sind die Erfahrungen mit den Frauen gut, sehr gut sogar. Die «Financial Times» zitiert Idar Kreutzer, CEO von Storebrand, dem grössten norwegischen Versicherer. Zähneknirschend gesteht dieser ein: «Grundsätzlich lehne ich Quoten ab. Aber es ist mit bis jetzt nicht gelungen wegen dieses Gesetzes irgendwelche Mängel zu entdecken.»

Jünger und besser ausgebildet

Im Gegenteil, Frauen bringen frischen Schwung in die norwegischen Verwaltungsräte. Erstens, weil sie jünger sind: Fast die Hälfte von ihnen sind unter 45, bei den Männern sind es bloss 20 Prozent. Und zweitens, weil sie besser ausgebildet sind: 71 Prozent der Frauen haben einen Hochschulabschluss, bloss 62 Prozent der Männer. «Es gibt sehr viele sehr talentierte Frauen», staunt Nils-Henrik Pettersson, ein bekannter Anwalt. «Man muss sie bloss finden.»

Aber sind Frauen auch die besseren Verwaltungsräte? Die Frage lässt sich noch nicht entscheiden. Eines jedoch steht fest: Sie haben weniger Hemmungen, scheinbar blöde Fragen zu stellen. Und gerade das kann entscheidend sein. Bei der Firma Statoil wurde ein Korruptionsfall aufgedeckt, weil eine Verwaltungsrätin nicht davor zurückschreckte, dumme Fragen zu stellen.

Wie sieht es im Topmanagement aus? Schlecht. Auch in Norwegen sind nur wenige Frauen im operativen Geschäft in Spitzenpositionen. Das wird sich nicht so schnell ändern, denn der Grund liegt in der Natur: Auch norwegische Frauen können die langen Arbeitszeiten eines Managers und die Rolle der Mutter nicht unter einen Hut bringen. Sie müssen sich entscheiden, und entscheiden sich in der Regel für das Kind.

Der hohe Anteil von Frauen im Verwaltungsrat hingegen ist im Begriff, Schule zu machen. Französische Abgeordnete haben das norwegische Experiment begutachtet und es zur Nachahmung empfohlen. Spanien ist sogar einen Schritt weiter gegangen. Das für sein Machotum bekannte Land hat ein ähnliches Gesetz eingeführt, allerdings ohne staatliche Sanktionsmöglichkeiten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2009, 14:29 Uhr

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