Freenet benutzt Sunrise als Schweizer Sparbüchlein

Die deutsche Freenet kauft ein Viertel von Sunrise. Ihr geht es nicht um Synergien, sondern um Bares.

Eine lukrative Anlage: Freenet generiert mit der Sunrise-Beteiligung sofort Profite. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Eine lukrative Anlage: Freenet generiert mit der Sunrise-Beteiligung sofort Profite. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Alles begann mit einem zufälligen Treffen. Ein Manager von Freenet und einer von CVC Capital liefen sich an einem Flughafen über den Weg. Sie kannten sich von früher und kamen ins Gespräch. Sie sprachen über die Telekommunikationsbranche und über Projekte. Und irgendwann fiel der Name Sunrise.

Das lockere Palaver mündete am Donnerstagabend in einen Deal, der die ganze Branche überraschte. Freenet kauft CVC den Anteil von 23,8 Prozent an Sunrise ab. Dafür zahlt der deutsche Telecomanbieter dem Finanzinvestor 782 Millionen Franken. Niemand hatte damit gerechnet. «Das passt so gar nicht zum bisherigen Geschäftsmodell», sagt etwa Analystin Brigitte Thomalla von der Frankfurter Oddo Seydler Bank.

Keine Aufstockung geplant

Freenet ist der grösste unabhängige Anbieter von Mobilfunkleistungen in Deutschland. Er besitzt selber kein Netz, sondern kauft bei den Konzernen E-Plus, O2, Telekom und Vodafone Kapazitäten ein, die Freenet für ein Angebot an die 9 Millionen eigenen Mobilfunkkunden verwendet. Sunrise dagegen besitzt im ganzen Land Sendemasten und Leitungen und bietet Kunden Mobil-, Festnetz-, Internet- und TV-Dienste an. Wollen die Deutschen also über die Schweiz ihr Geschäft erweitern? «Nein. Freenet wird auch weiterhin nicht in die Infrastruktur investieren», sagt Finanzchef Joachim Preisig. Es gehe auch nicht darum, Synergien zwischen Freenet und Sunrise zu nutzen.

Der deutsche Konzern wird dennoch zwei Vertreter in den Sunrise-Verwaltungsrat entsenden. Auch das hat aber gemäss Preisig nichts zu bedeuten. «Wir planen keine Aufstockung der Beteiligung. Wir fühlen uns mit der jetzigen Situation sehr wohl», sagt er. Man werde sicherlich mit Sunrise über viele Dinge miteinander sprechen. «Vielleicht gibt es ja gewisse Ideen, die der eine vom anderen übernehmen kann. Aber mehr wird da nicht sein.»

32 Millionen Franken Dividende

Freenet sah in der Sunrise-Beteiligung vielmehr eine gute Gelegenheit, um Geld zu machen. «Wir kennen das Management von Sunrise schon länger und können es gut einschätzen. Die machen ihren Job gut», lobt Preisig. Zudem sei der Schweizer Markt interessant. Die Preise seien hoch und die Bevölkerung wachse dank der Einwanderung. Das sind gute Aussichten für einen Telekommunikationskonzern.

Sunrise ist für Freenet daher eine Art Sparbuch. Eine sichere Anlage, die zudem erst noch für regelmässige Zusatzeinnahmen sorgt. Schon am 15. April wird der Schweizer Konzern die Dividende für 2015 überweisen. Dem neuen deutschen Grossaktionär fliessen dann auf einen Schlag 32 Millionen Franken zu. Für den Kredit für den Kauf der Sunrise-Aktien muss Freenet dank der derzeit rekordtiefen Zinsen jährlich dagegen nur rund 16 Millionen zahlen. Ein gutes Geschäft also.

«Wir schauen schon länger, wie wir zusätzlichen Free Cashflow generieren können», kommentiert Preisig. Die Kennzahl ist eine der Steuergrössen von Freenet und zeigt, wie viel Geld für die Kapitalgeber am Ende übrig bleibt. Freenet hatte zuletzt Mühe, da noch eine Steigerung zu erreichen. Die Sunrise-Beteiligung löst dieses Problem und beflügelt so den dümpelnden Aktienkurs.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.03.2016, 20:21 Uhr)

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