Alstom-Schock im Aargau

1300 Jobs verliert der Industriestandort. Ein «Erdbeben auf dem Werkplatz Schweiz», sei es, so die Gewerkschaft. Nun schaltet sich Bundesrat Schneider-Ammann ein.

Massiver Stellenabbau bei General Electric in Baden: Das sagen die Mitarbeiter. (Video: Lea Koch)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der amerikanische Konzern General Electric (GE) hat die französische Firma Alstom 2015 übernommen. Nun bekommen fünf Firmenstandorte in der Schweiz erste schwere Konsequenzen zu spüren. In Baden, Turgi, Dättwil, Birr und Oberentfelden streicht Alstom 1300 Stellen, wie das SRF auf seiner Webseite schreibt.

Das sei «ein Schlag ins Gesicht aller Angestellten – the american style of management ist definitiv auf dem Werkplatz Schweiz angekommen», lässt sich Christof Burkard, stellvertretender Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, verlauten. Und: Es sei ein «Erdbeben auf dem Werkplatz Schweiz». Die Gewerkschaft macht den «schwachen Kündigungsschutz» in der Schweiz für den Abbau verantwortlich und fordert «eine Gleichbehandlung mit den anderen von der jüngsten Restrukturierung betroffenen Standorten im Ausland».

Umfrage

Kommt es zu einer Deindustrialisierung der Schweiz?

Ja

 
83.2%

Nein

 
16.8%

2308 Stimmen


Europaweit will General Electric 6500 Arbeitsplätze abbauen. In Baden haben die GE-Divisionen Power Services und Steam Power Systems ihre Hauptsitze. Alstom beschäftigt in der Schweiz bislang rund 5500 Mitarbeiter. Ursprünglich hiess es, es seien keine Arbeitsplätze gefährdet. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hatte dies nach Gesprächen mit der Alstom-Spitze im Juli gesagt.

Keine Standortschliessung, Hilfe für Betroffene

Nun soll es trotzdem eine Restrukturierung geben, wie es in einer Mitteilung von GE vom Mittwoch heisst. Damit sollten Probleme der Wettbewerbsfähigkeit behoben werden. Es seien jedoch keine Standortschliessungen in der Schweiz vorgesehen, heisst es in der Mitteilung. GE habe die Mitarbeiter über die Pläne informiert, heisst es in der Mitteilung weiter. Den betroffenen Mitarbeitern werde Unterstützung und Hilfe angeboten.

Erst im September 2015 hatte die EU-Kommission der Übernahme der Energiesparte von Alstom durch GE für zwölf Milliarden Euro zugestimmt. Dies allerdings unter Auflagen. So musste General Electric bereits Teile des Gasturbinen-Geschäfts verkaufen. 420 Mitarbeiter wechselten damals bereits zur italienischen Ansaldo Energia, der Standort in der Schweiz wurde aber beibehalten und den Angestellten eine dreijährige Jobgarantie gegeben.

Schneider-Ammanns Verständnis

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Dienstagabend vom geplanten Stellenabbau bei Alstom erfahren. Er zeigte sich betroffen, hat aber auch ein gewisses Verständnis für den Entscheid.

Letzten Juli war Schneider-Ammann nach Gesprächen mit der Unternehmensleitung noch davon ausgegangen, dass es keinen Stellenabbau geben wird. Inzwischen hätten sich die Märkte verändert, die Rahmenbedingungen seien nicht mehr die gleichen, sagte er am Mittwoch gegenüber Journalisten in Bern. «So gesehen muss man ein gewisses Verständnis haben. Für die Betroffenen in den Unternehmen ist das jedoch dramatisch.»

Beste Berufsbildung

Der Bundespräsident hofft nun, dass der Schaden für den Standort Schweiz in Grenzen gehalten werden kann. Dafür brauche es nun Gespräche der Sozialpartner. Er werde die Unternehmensführung weiterhin auf die Vorteile der Schweiz hinweisen.

General Electric und Alstom müssten erkennen, dass die Schweiz die beste Berufsbildung habe, den liberalsten Arbeitsmarkt und die intakteste Sozialpartnerschaft, sagte Schneider-Ammann. «Ich hoffe, dass viele Aktivitäten in der Schweiz bleiben, weil man zur Einsicht kommt, dass man gemeinsam kompetitiv ist.» Aber letztlich seien es die Firmen, die im Markt stünden und ihre Strategie festlegen müssten.

Den Vorwurf der Gewerkschaften, die Schweiz habe im Gegensatz zu Frankreich zu wenig für den Standort lobbyiert, lässt er nicht gelten. Die Unternehmen hätten Wort gehalten, indem sie zwei europäische Headquarters in die Schweiz verlegt hätten, sagte er. Zudem habe er die Verantwortlichen der Unternehmen im Sommer 2014 sofort kontaktiert und ihnen die Vorteile des Standorts Schweiz erläutert. (ofi/SDA)

(Erstellt: 13.01.2016, 11:23 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Alstom zahlt 772-Millionen-Busse in den USA

Mit einem Rekord-Vergleich schafft der französische Energiekonzern eine Korruptionsaffäre aus der Welt. Mehr...

Die ungewisse Zukunft der Mitarbeiter von Alstom Schweiz

GE geht im Kampf um den französischen Industriekonzern als Sieger hervor. Schweizer Mitarbeiter atmen vorerst auf, doch ihre Zukunft ist noch nicht geregelt. Mehr...

Alstom-Deal ist auf der Zielgeraden

Der bisherige Alstom-Grossaktionär Bouygues leiht Frankreich einen Teil seiner Aktien. Damit kann Frankreich ab sofort seine Rolle als Alstom-Aktionär wahrnehmen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Blogs

Geldblog Ölpreiswende gibt Sulzer & Co. neuen Schub

Werbung

Die Welt in Bildern

Präsentieren ihre Herbstmode: Die Felle dieser Schafe im nordenglischen Troutbeck sind mit fluoreszierendem Orange gefärbt, wodurch Viehdiebe abgeschreckt werden sollen. (29. September 2016)
(Bild: Oli Scarff) Mehr...