Wirtschaft

Geely-Deal perfekt: Volvo ist chinesisch

Aktualisiert am 29.03.2010

Die aufstrebende Auto-Grossmacht China übernimmt mit Volvo erstmals eine europäische Traditionsmarke. Die Chinesen bezahlten 1,8 Milliarden Dollar.

Prestigeerfolg für Peking: Geely-Chef Li Shufu.

Prestigeerfolg für Peking: Geely-Chef Li Shufu.
Bild: Keystone

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Am Wochenende unterzeichneten der Volvo-Mutterkonzern Ford und der chinesische Autohersteller Geely ( 2.55 -1.54%) in Göteborg den Verkaufsvertrag für den schwedischen Hersteller. Geely will die bisherige Produktion von gut 300'000 Personenwagen pro Jahr durch den Absatz auf dem eigenen Riesenmarkt innerhalb weniger Jahre verdoppeln. Als Kaufpreis nannte Ford 1,8 Mrd. Dollar. Davon sollen 1,6 Mrd. Dollar in bar gezahlt werden.

Wie beide Unternehmen mitteilten, sollen letzte Details bis Ende des dritten Quartals geklärt werden. Als offen gilt dabei unter anderem ein Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 445 Millionen Euro. Der Kredit war Volvo ( 11.04 -1.52%) für Neuentwicklungen schon bewilligt worden, ehe Geely sich mit Ford auf die Übernahme geeinigt hatte. Unter anderem wegen hoher chinesischer Staatssubventionen für Geely müsse der Kredit neu geprüft werden, hiess es in Stockholm.

Bisherige Fertigung gewährt

Der künftige Volvo-Eigner ist Chinas grösster privat betriebener Autohersteller und hat selbst eine Jahresproduktion von 300'000 Wagen. Für den Volvo-Verkauf im eigenen Land hat Geely-Chef Li Shufu den Bau einer neuen Fabrik vor den Toren Pekings angekündigt. Die bisherige Fertigung in Schweden sowie im belgischen Gent mit insgesamt gut 20'000 Mitarbeitern soll unverändert weitergeführt werden.

Li Shufu sagte nach der Vertragsunterzeichnung: «Diese Übernahme sichert Volvos weltweit führende Rolle im Premium-Segment der Autoindustrie.» Geely werde den herausragenden Ruf von Volvo bei Sicherheit, Qualität, Umweltbewusstsein und modernem skandinavischem Design sorgsam pflegen.

Ford-Konzernchef Alan Mulally erklärte zu den Hintergründen für den Verkauf durch sein Unternehmen: «Dadurch können wir uns stärker auf unser eigene Marke konzentrieren.» Ford will Volvo als Geely-Tochter weiterhin mit Komponenten beliefern und technisches Knowhow zur Verfügung stellen.

Die schwedische Tochter war in der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht, hat sich aber in den letzten Monaten wieder deutlich erholt. Der bisherige Volvo-Chef Stephen Odell erklärte: «Wir als Management stehen voll hinter dem Verkauf an Geely.»

Gewerkschaften hinter Verkauf

Kurz vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages stellten sich auch die bei Volvo vertretenen Gewerkschaften hinter den Verkauf. Man habe von Geely-Chef Li Shufu alle nötigen Informationen über die Finanzierung der Übernahme erhalten und sei beruhigt, erklärte ein Gewerkschaftssprecher.

Als fraglich galten seit der prinzipiellen Einigung zwischen Ford und Geely die Finanzquellen für die Übernahme. Nach Medienangaben stehen neben mehreren chinesischen Banken auch die Regierungen von Schweden und Belgien mit Staatsgarantien hinter dem Verkauf. (vin/sda)

Erstellt: 29.03.2010, 11:39 Uhr

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