Wirtschaft

Geister-Jumbos am Himmel

Seltsames tut sich bei British Airways: Riesige Maschinen heben ab, obwohl gar keine Passagiere darin sitzen. 37 alleine gestern. Was steckt dahinter?

Wenn auf dem Hinflug die Sitze leer bleiben: Boeing 747 von British Airways nach dem Start von London Heathrow.

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Bild: Reuters

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Streiks könnten mehr kosten als BA einsparen will

Um die Auswirkungen des Streiks möglichst gering zu halten, hat British Airways Maschinen von Konkurrenten gechartert, in anderen Abteilungen Freiwillige als Ersatz für das Kabinenpersonal organisiert und Reisende auf andere Flüge umgebucht. Am Samstag und Sonntag sollten jeweils 49'000 Passagiere abgefertigt werden. An einem durchschnittlichen März-Wochenende sind es pro Tag 75'000. Grössere Ausfälle bei den Flügen wurden vor allem auf den Kurzstrecken erwartet.

Der Ausstand soll nach den Plänen der Gewerkschaft bis einschliesslich Montag dauern, Auswirkungen dürfte er aber auch noch in den Folgetagen haben. Am 27. März soll ein viertägiger Streik folgen, der erhebliche Auswirkungen auf den Osterreiseverkehr haben würde. Beide Streiks zusammen könnten BA Schätzungen zufolge mehr als die 63 Millionen Pfund kosten, die das Unternehmen mit den geplanten umstrittenen Massnahmen einsparen will.

«Die sind leer, da hat es keine Passagiere drin», sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Unite zur «Financial Times». 37 sollen es allein gestern gewesen sein. Die Geister-Jumbos sind die Folge des Streiks des Kabinenpersonals bei British Airways (BA). Und der trifft die einst stolze Airline hart. Nach Gewerkschaftsangaben konnten Dutzende Maschinen nicht starten. Seit Samstag hätten sich rund 10'000 Beschäftigte an der Arbeitsniederlegung beteiligt. Die Fluggesellschaft hat einen Notfallplan aufgestellt und zusätzliche Arbeitskräfte aufgeboten. Das ist auch der Grund, warum trotzdem Flüge durchgeführt werden.

Weil aber wegen des Streiks BA-Flüge ab London gar nicht mehr gebucht wurden, heben nun die Maschinen leer ab. Die Flüge würden nur durchgeführt, weil es darum gehe, Passagiere von Flughäfen in aller Welt auf den geplanten Flügen zurück nach London zu bringen, so der Gewerkschafter weiter.

Dann halt als Güter-Maschinen

Die Fluggesellschaft bestätigte gegenüber dem Wirtschaftsblatt die Meldung von Flügen ohne Passagiere. Darunter befänden sich auch Maschinen des Typs Boeing 747. Allerdings wurde keine Zahl genannt. Ob es die genannten 37 seien, wurde weder bestätigt noch dementiert.

Keiner zu dumm, um nicht aus der Not eine Tugend zu machen. British Airways hat einen Teil der Flüge kurzerhand zu Güter-Maschinen umgenutzt. «Die fliegen nun als Cargo-Maschinen, das bringt uns eine Menge Geld. Und dann kommen sie zurück mit Hunderten Passagieren an Bord.»

Der Chef entschuldigt sich auf Youtube

Der Streik der Flugbegleiter sollte insgesamt drei Tage dauern. Das Kabinenpersonal wehrt sich gegen einen geplanten Stopp von Lohnerhöhungen in diesem Jahr, die Einführung von Teilzeitarbeit für 3000 Beschäftigte und eine Reduzierung der Flugteams von 15 auf 14 Personen bei Langstreckenflügen. Die Geschäftsleitung hat die Massnahmen als überlebenswichtig bezeichnet.

BA-Chef Willie Walsh entschuldigte sich am Freitag über Youtube bei Tausenden betroffenen Reisenden und sprach von einem «schrecklichen Tag für BA». Es ist der erste Streik bei der Gesellschaft seit fast 15 Jahren.

Zorniger Brown

Auch Premierminister Gordon Brown hatte die Gewerkschaft Unite noch am Freitag aufgefordert, auf den Ausstand zu verzichten. Unite ist ein wichtiger Spendengeber von Browns Labour-Partei. Eine Sprecherin der oppositionellen Konservativen kritisierte, im Kampf gegen die Rezession sei es «das letzte, was wir brauchen», dass die Gewerkschaften «das Land gegen Lösegeld als Geisel halten». (cpm)

Erstellt: 22.03.2010, 15:37 Uhr

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