Wirtschaft

«Geldregen», «Bonanza», «Bonus-Segen»

Aktualisiert am 01.04.2010 215 Kommentare

71 Millionen Franken für CS-Chef Brady Dougan. Eine schwer verdaubare Zahl macht in der Presse nun die Runde. Und erntet sogar noch Applaus.

Dougan und die Millionen: Die Zahlen der Credit Suisse werden erstaunlich nüchtern aufgenommen.

Dougan und die Millionen: Die Zahlen der Credit Suisse werden erstaunlich nüchtern aufgenommen.
Bild: Keystone

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«Der 18-Millionen-Mann», titelte Anfang Woche eine britische Zeitung und beschrieb so Brady Dougan, der laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2009 eine schöne Entschädigung bekam. Sie war so hoch, dass der CS-Chef sogar auf dem Gipfel der bestverdienenden Bank-Manager Europas landete. Nun, nur wenige Tage später, kann man Dougan als «89-Millionen-Mann» bezeichnen.

Eine schwindelerregend hohe Summe für einen Mann, der bei seinem Amtsantritt 2007 noch als bescheiden beschrieben worden war. Kein Starbanker, keiner der auffällige Manschettenknöpfe trage und Golf spiele. Statt erlesener Weine trinke er Diet Coke, schrieb 2007 Business Week.

Die Bank «peinlich berührt»

Jetzt der Geldregen, 70,9 Millionen Franken für Dougan. «Selbst die Vertreter der CS schienen gestern peinlich berührt», schreibt die «Mittelland Zeitung». Mit Unverständnis aber nüchtern bemerkt das gleiche Blatt, dass die Chefs weder so schlecht waren, dass sie keine Boni verdient hätten, noch seien die Manager plötzlich Genies, die drei Milliarden Franken wert sind.

Der «Blick» verweist nochmals auf die Tatsache, dass die gleichen Banker, die nun den grossen Bonus einsacken, auch dabei waren, «als die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) 2008 einen Mega-Verlust von 8,2 Milliarden Franken auswies». Der Aufschrei bleibt indes erstaunlich leise. Vielmehr wird versucht zu verstehen, was hier vor sich geht. Die «NZZ» bemerkt, dass der Kurs der CS-Aktie heute nur unwesentlich höher liegt, als bei der Zuteilung der Papiere vor fünf Jahren. Es sei eben das, relativ zu anderen Banken gesehen, bessere Abschneiden.

Die CS als Vorreiterin?

Ein kritisches Auge wirft auch die «Financial Times» auf die neuen Zahlen der Credit Suisse. Die Bekanntgabe einer neuen «Bonanza» (engl. für Goldregen oder Geldsegen) werde die Kritik über exzessive Löhne in der Finanzbranche wieder anheizen. Dies, weil die Nachricht über den erneuten Bonussegen nur wenige Tage nach der Meldung kommt, Dougan sei der bestbezahlte Bankmanager Europas und einer der bestbezahlten der Welt.

Die CS wird aber nicht nur kritisiert. «Das ist ein perfektes Beispiel dafür, was jetzt passieren wird», sagt eine Kennerin der Branche gegenüber «Businessweek». Was sie meint, sind Bonuspläne, die an den langfristigen Erfolg der Institute gebunden sind. «Es ist genau das, was jetzt in fast jedem Unternehmen implementiert wird.» Die CS als Vorreiterin also? Ja, meint die Expertin. «Einige Wallstreeter waren sehr negativ eingestellt (...) aber das wird ihnen zeigen, dass das eine gute Sache ist.»

Es geht einfach so weiter

Der internationalen Presse ist aber nicht entgangen, dass in der Schweiz eine heisse politische Debatte über die Managergehälter läuft. Die Abzocker-Initiative strahlt bis ins Ausland aus. «Das wird die hitzige Debatte über die hohen Manager-Gehälter in der Finanzindustrie neu anfachen», so der britische «Telegraph». Die deutsche «Welt» befürchtet, dass es nun wieder so weitergeht: «Und der grosse Bonus-Segen wird nicht der letzte sein. Ein weiteres Programm ist bereits aufgelegt.» Auch die Kritik wird nicht abreissen. (cpm)

Erstellt: 01.04.2010, 14:54 Uhr

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215 Kommentare

Gianin May

01.04.2010, 09:52 Uhr
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@peter berger Warum nur mag die Öffentlichkeit dem schwer arbeitenden Mann seine Belohnung nicht gönnen? - Weil der erneute Erfolg der Banken auch darauf beruhen, dass sie einige Leute auf die Stasse gestellt hatten - das ist weder belohnens- noch lobenswert - mit diesem Geld hätte man locker noch einige einstellen können. Antworten


Roland Kircher

01.04.2010, 09:42 Uhr
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Brady Dougan, Herzliche Gtratulation zu diesem Geldsegen! Hoffe, es ist auch wohlverdient - und nicht einfach ein "bekommen". Und es ist zu hoffen, dass er in Zürich wohnt, und kräftig Steuern bezahlt. Vielleicht habe ich dann auch was davon. Antworten



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