Wirtschaft
Gleitmittel und Schallkanone: Die neusten Waffen gegen Piraten
Nicht nur Gewehre sind effektiv: Kampf gegen Piraten. (Bild: Keystone)
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«Angesichts der aktuellen Sicherheitslage hat unsere Industrie grosse Chancen zur Entwicklung von Abwehrsystemen in diesem Bereich», sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Dagmar Wöhrl am Mittwoch in Hamburg zur Eröffnung einer internationalen Messe für maritime Sicherheit.
Dort werden bis Freitag neben Rüstungssystemen für die Marine auch Anlagen zur Abwehr von Piratenangriffen für die zivile Schifffahrt angeboten. «Im Jahr 2005 hatten wir ein Umsatzvolumen in Deutschland von 10 Milliarden Euro für maritime Sicherheitstechnik und Dienstleistungen», sagte Wöhrl. Der Markt sei insbesondere wegen der Piraterie ein Wachstumsgeschäft, in dem sich deutsche Unternehmen stark engagierten.
Farbe soll Angreifer markieren
Die Firma VFR Marine Service aus Hamburg etwa hat nach eigenen Angaben bereits 30 zivile Schiffe mit einem mehrstufigen System zur passiven Abwehr ausgerüstet. Düsenschläuche an der Bordwand versprühen bei einem Enterversuch zunächst eine Farbflüssigkeit, welche die Piraten abschrecken und für eine spätere Festnahme markieren soll.
Ausserdem kann die Crew über diese Schläuche ein extrem rutschiges Gel auf Deck und an den Bordwänden versprühen, das es den Piraten unmöglich machen soll, sich auf dem Schiff zu bewegen. «Wir haben das selbst getestet. Es ist unmöglich, sich mit diesem Gel noch auf den Füssen zu halten», erklärte VFR-Sprecher André Brandt.
Nach Ansicht der Wehrexperten auf der Messe steigt die Chance, einem Angriff zu entkommen, wenn kleine Schnellboote von Piraten frühzeitig erkannt werden. Übliche Radarsysteme leisten dies bisher nicht. Die Firma Rutter aus Schweden entwickelt Anlagen, die auch kleinste Objekte wie motorbetriebene Gummiboote auf weite Entfernung erkennen können. Noch vor einem Angriff können Handelsschiffe mit Hilfe solcher Radargeräte einen Alarm auslösen.
Mit 140 Dezibel gegen Angreifer
Inzwischen beinahe etabliert in der Schifffahrt ist ein Gerät, das bei Fachleuten akustisches Abwehrgerät heisst, anders aber auch Schallkanone. «Wenn sie mit 140 Dezibel auf ein kleines Schnellboot zielen, tut der Schall irgendwann weh im Kopf», sagte Klaus Brockenhaus von der Firma ITT aus Norderstedt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits mehrere dieser einem Lautsprecher ähnlichen Anlagen verkauft.
Am Rand der Messe sprach der stellvertretende Inspekteur der Marine, Konteradmiral Heinrich Lange, von einem Rückgang erfolgreicher Piratenangriffe vor dem Horn von Afrika. «Ich verbuche das noch nicht als Erfolg der Massnahmen, sondern das ist eine Feststellung», sagte Lange.
240 Angriffe
Zurzeit befänden sich lediglich vier Schiffe in den Händen der Piraten, Anfang des Jahres seien es noch zwölf gewesen. «Wir haben eigentlich erwartet, dass zum Ende der Monsumzeit die Zahl wieder zunimmt. Dies ist aber nicht eingetreten», sagte der Konteradmiral.
Allerdings habe die deutsche Marine allein bis zum Sommer dieses Jahres 240 Vorfälle gezählt, in denen Piraten vor dem Horn von Afrika versucht hätten, Schiffe anzugreifen. Im Jahr 2008 seien es insgesamt 251 Übergriffe gewesen. «Wir gehen aber von einer Stabilisierung der Zahlen aus», erklärte Lange. Zudem gelinge es immer häufiger, Enterversuche abzuwehren. (sam/ap)
Erstellt: 30.09.2009, 17:51 Uhr
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