Goldabbau in der Schweiz – es geht vorwärts

1920 Dollar kostet eine Feinunze Gold heute zeitweise, soviel wie noch nie. Nun macht eine kanadische Minenbaufirma in der Surselva ernst.

In diesem Gebiet ist die Goldkonzentration im Gestein überdurchschnittlich hoch: Blick von Disentis aus ins Val Medel Richtung Lukmanier-Pass (im Hintergrund der Medelser Gletscher)

In diesem Gebiet ist die Goldkonzentration im Gestein überdurchschnittlich hoch: Blick von Disentis aus ins Val Medel Richtung Lukmanier-Pass (im Hintergrund der Medelser Gletscher)

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«Während 20 Jahren hat sich in Sachen Goldexploration bei uns nicht mehr viel bewegt», erklärt der Gemeindepräsident von Medel, Peter Binz, im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Jetzt aber hat die kanadische Minenbaufirma NV Gold den «Medel Permit» – die Erlaubnis für Probebohrungen – erworben, wie sie heute in einem Communiqué bekannt gab. Bisheriger Besitzer war Paul Zylas Firma Xtra-Gold, ebenfalls Nordamerikaner.

Binz wertet diesen Handwechsel als «bedeutenden Schritt für eine konkrete Nutzung». NV Gold wartet jetzt noch auf die Explorations-Bewilligung der Gemeinde Medel. Dies allerdings ist nur noch ein formeller Akt, wie Binz weiter erklärt. Mit der Bewilligung will sich Medel gleichzeitig aber absichern, damit die Sache in geordneten Bahnen verläuft. Laut verschiedenen Quellen ist NV Gold mit ernsten Absichten am Projekt dran. Die Firma wird als «äusserst seriös» eingestuft.

Im nächsten Frühling geht es los

Die Goldvorkommen in der oberen Surselva sind seit Jahrzehnten bekannt. Verschiedene Firmen haben sich für den industriellen Abbau interessiert. Über die Phase der Probebohrungen kam aber nie ein Unternehmen hinaus. Nun aber, da der Goldpreis bei bald 2000 Dollar pro Feinunze liegt, scheint ein Goldabbau auch in der Schweiz immer interessanter.

Die nordamerikanischen Manager der Firma NV Gold hatten das Gebiet bei Disentis schon besucht. Offenbar besteht grosses Interesse in der Sache vorwärts zu machen. «Dieses Jahr wird es für Probebohrungen nicht mehr reichen», erklärt Binz. Wenn der Winter kommt, sind solche Arbeiten nicht mehr möglich. Höchstens für einige Vorbereitungsarbeiten reicht es noch. Der Gemeindepräsident weiss aber, «im nächsten Frühling geht es richtig los». «Wie NV Gold das Gebiet exploriert, ist denen überlassen», so Binz.

Bedenken wegen negativen Auswirkungen

Binz freut sich über den Fortschritt. «Für uns ist das ein wirtschaftlicher Aspekt», sagt er. In einem ersten Schritt gebe das Arbeit für die Leute im Tal. Sollte sich die Firma dann wirklich für den industriellen Abbau entscheiden – davon allerdings ist man noch weit entfernt – schaut noch viel mehr raus: Steuern zum Beispiel. Für Proben vorgesehen ist dem Vernehmen nach ein Gebiet in der Nähe des Campingplatzes in der Rheinschlucht bei Disentis. In anderen Gebieten wie Val Platas wurden Proben schon vor Jahren genommen. Selbst aus dem Neat-Gotthard-Aushub bei Sedrun hatte man Erkenntnisse gewonnen.

Landschafts- und Umweltschutzorganisationen hatten immer wieder Bedenken bezüglich Goldabbau in der oberen Surselva angemeldet. Vermehrter Werkverkehr und Verschandelung der Landschaft wurden befürchtet. Binz macht sich diesbezüglich weniger Sorgen: «Es gibt genug Beispiele auf der Welt, die zeigen, dass ein vernünftiger und schonender Abbau von Gold möglich ist.» Und mit der Ausführung der Bewilligung will er dafür sorgen, dass das auch so kommt. Das nun ins Auge gefasste Gebiet würde zudem nur für den Untertagabbau in Frage kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 06.09.2011, 18:07 Uhr)

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Wie es bis jetzt von Hobby-Goldsuchern aus der Medel gewaschen wird: Gold.

Goldhaltigste Region der Schweiz

In der Surselva sind von Goldwäschern und Mineraliensammlern immer wieder spektakuläre Funde gemacht worden. So entdeckte ein Glückspilz im Sommer 2000 ein grosses Stück Gold, darunter eine mit rund 400 Gramm Berggold überzogene Quarzplatte, die heute im Rätischen Museum in Chur ausgestellt ist.

Das Gebiet bei Disentis gilt als goldhaltigste Region der Schweiz. Schon in den Achtzigerjahren wurden von einer kanadischen Firma Probebohrungen in dem Gebiet vorgenommen. Ein industrieller Abbau des Edelmetalls wurde aber nie in Angriff genommen.

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