Wirtschaft

Goldman-Sachs-Manager hatten Hoffnung selbst verloren

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 14.07.2009 10 Kommentare

Während der grössten Krise haben Manager der amerikanischen Investmentbank Aktien in grossem Stil verkauft. Dies zeigen neue Unterlagen.

Führende Manager von Goldman Sachs haben vom letzten September bis zum April 2009 691 Millionen an eigenen Aktien verkauft. Dies berichtet die «Financial Times», die diese Zahlen einer Eingabe der Bank bei der US-Börsenaufsicht SEC entnimmt.

Das bedeutet, dass das Management des einstigen Investment-Hauses in der Folge des Zusammenbruchs des Konkurrenten Lehman Brothers (ebenfalls im September) kalte Füsse bekommen haben könnte. Das ist in den USA auch politisch brisant: Immerhin hat die US-Regierung der Bank über das sogenannte «Troublet Asset Relief Programm» (TARP) in derselben Zeit 10 Milliarden Dollar als Überlebenshilfe zur Verfügung gestellt. Während die Regierung alles tat, um die Bank zu retten, haben die Banker offenbar das Vertrauen an die Bank bereits verloren und versucht, die eigenen Mittel noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Ein Phönix aus der Asche

Mittlerweile scheint Goldman Sachs wieder wie ein Phönix aus der Asche zu steigen. Für das zweite Quartal hat die Bank heute einen Gewinn von 3,44 Milliarden Dollar vermeldet. Für das erste Quartal 2009 belief sich diese Zahl auf 1,8 Milliarden Dollar. Zieht man von der Zahl für das zweite Quartal 717 Millionen Dollar Dividenden für Vorzugsaktien ab, erhält man den Gewinn von 2,72 Milliarden Dollar, wie ihn einige Agenturen vermelden.

Auch für das Selbstverständnis der Bank ist der Aktienverkauf des eigenen Managements peinlich. Bis 1999 war das 1869 vom deutschen Einwanderer Marcus Goldman gegründete Haus als Partnerschaft organisiert. Erst dann folgte der Gang an die Börse. Der Aktienbesitz der Mitarbeiter ist für das Unternehmen wichtig, um zumindest die Partnerschaftskultur aufrecht zu erhalten. Der Verkauf der Papiere in der grössten Not entspricht daher einem Verrat an der eigenen Firmenkultur.

Indirekte Bestätigung durch die Bank

Gegenüber der «Financial Times» erklärte ein Sprecher von Goldman Sachs, die Mitglieder des Managements hätten einen grossen Anteil ihres Bonus in eigenen Aktien erhalten. Die Verkäufe seien erfolgt, um besser diversifiziert zu sein. Die Aussage bestätigt allerdings indirekt die Zweifel am eigenen Unternehmen. Hätten die Manager an die Zukunft ihrer Bank geglaubt, wäre eine breitere Streuung der Aktien angesichts der damals tiefen Kurse eine schlechte Strategie gewesen. Tatsächlich hat sich der Wert der Goldman Sachs Aktien seit ihrem Tiefstand im letzten September beinahe verdreifacht.

Als weiteren möglichen Grund für die Verkäufe der Aktien bringt die «Financial Times» auch sogenannte «Margin Calls» (Nachschussforderungen) an die Manager ins Spiel. Diese haben im grösseren Umfang Kredite aufgenommen, für die sie Aktien als Deckung hinterlegt haben. Der Wertverlust dieser Deckung hat zu den Nachschussforderungen geführt, was die Manager wiederum zu Verkäufen der Akten geführt haben könnte.

Nur ein gemeldeter Verkauf bei der UBS

In der Schweiz werden die Aktientransaktionen des Managements von der Schweizer Börse SWX nach Meldungen der Unternehmen erfasst. Für die UBS – die ebenfalls auf staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe angewiesen ist – findet sich innert Jahresfrist nur ein Eintrag: Der Verkauf von 75'000 Aktien zum Gesamtbetrag von 1,2 Mio Franken am 6. Mai 2009. Anders als bei Goldman Sachs zeichnen sich bei der Schweizer Grossbank vorderhand keine Gewinne ab. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2009, 17:25 Uhr

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10 Kommentare

chris stalder

14.07.2009, 14:36 Uhr
Melden

Schuld waren Margin Calls. Einige der obersten Partner waren zeitweise eigentlich Pleite. Winkelried ist deshalb gar zurückgetreten. Antworten


Hans Widmer

14.07.2009, 14:33 Uhr
Melden

Das Resultat wird heute Abend bekannt geben?? Es ist draussen, Gewinn von 3.44 Mrd. $. Goldman ist wieder Goldstandard. Antworten



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