Good Box – der neue SBB-Service im Test

Lebensmittel, Blumen, Hemden: Via einen neuen SBB-Service können sich Pendler diese Produkte bald ins Schliessfach am Bahnhof liefern lassen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war bei ersten Tests dabei.

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Essen und gebügelte Hemden ins Schliessfach liefern lassen: Dies testen ab kommender Woche rund 400 Personen im Rahmen des SBB-Projekts «Good Box». Von Esswaren über Blumen bis hin zu Schuhreinigung, -reparatur und Hemdenservice können Pendler Produkte und Dienstleistungen bestellen. Den Anfang machen die Bahnhöfe Zürich und Wetzikon sowie der Hauptsitz des SBB-Personenverkehrs in Bern.

Bestellen und bezahlen – auch Letzteres betrifft die Testkunden – kann man via Good-Box-App auf dem iPhone. Die Preise, etwa für ein Set Rezeptzutaten, betragen um die 30 Franken für zwei Personen. Wird die Bestellung bis um 10 Uhr getätigt, sind die Waren ab 16.30 Uhr in einem der Good-Box-Schliessfächer abgelegt. Dazu erhält der Kunde einen Code auf sein Handy, den er beim Lesegerät der Good Box scannen lässt zum Öffnen des Schliessfachs. Nimmt der Kunde seine Waren nicht in Empfang, wird ihm eine Nachricht aufs Mobiltelefon geschickt, sofern er diesen Service abonniert hat.

Zusammengestellt werden die bestellten Artikel von der SBB-Logistik, zu der unter anderem der Gepäcksendeservice gehört. Und was passiert mit hitzesensiblen Artikeln wie Blumen oder Salat, wenn der Kunde sie nicht gleich nach dem Auffüllen des Schliessfachs abholt? «Weil es in diesem keine Kühlfunktion gibt, sorgt unser Partner dafür, dass die Esswaren für den Abholzeitraum optimal gekühlt werden», erklärt Projektleiterin Ramona Bischoff. «Die Blumen werden in einem Spezialbehälter gelagert, um frisch zu bleiben.» Übrigens: Lebensmittel dürfen nicht zusammen mit Nicht-Lebensmitteln im selben Fach lagern, das verlangt das Lebensmittelschutzgesetz. Dann kann es laut Bischoff vorkommen, dass die Bestellungen in verschiedenen Fächern lagern.

Konkurrenz zu Le Shop & Co.?

Die Idee stammt vom Berliner Jungunternehmen ein-fach.de und heisst dort «Zauberspind». Die SBB sind laut Bischoff das erste Unternehmen, welches das System im grösseren Rahmen betreiben wird, zudem wurde es für den Schweizer Gebrauch weiterentwickelt. Warum testen die SBB das System Good Box? «Immer mehr Leute sind mit einem digitalen Gerät verbunden. Diesen Trend möchten wir nutzen», so Bischoff. An einem Umsteigebahnhof wie dem HB Zürich hätten Passagiere im Schnitt 7 Minuten Zeit zum Umsteigen – zu wenig für den Besuch eines Ladens. Dafür verbrächten sie gut eine Stunde pro Tag im Zug, von wo sie zum Beispiel Bestellungen tätigen könnten. «Ob die 7 Minuten Umsteigezeit reichen, um eine Bestellung im Schliessfach abzuholen, finden wir in den beginnenden Tests heraus», sagt die Projektleiterin.

Das System Good Box sieht man bei den SBB nicht als Konkurrenz zu Lebensmittel-Lieferservices wie Le Shop von der Migros. Schon heute könnten via Le Shop Rail Migros-Lebensmittel in grösserem Umfang gekauft und an den SBB-Gepäckschaltern der Bahnhöfe Zürich und Lausanne abgeholt werden, so Bischoff. Zusätzlich dazu und zum Heimlieferservice von Le Shop sei Good Box eine Ergänzung zum bestehenden Angebot. Ausserdem erhalte der Markt einen neuen Absatzkanal. Die Projektleiterin sieht einiges Potenzial im neuen Service. Besonders bei all denjenigen, die kaum Zeit haben, um Alltagskäufe zu erledigen oder Hemden und Schuhe in den Service zu bringen. «Wir können uns vorstellen, künftig mit weiteren Partnern zusammenzuarbeiten. Trotzdem möchten wir kein Sammelsurium an Anbietern.»

Tests ab Herbst in grösserem Rahmen

Wie kommen die SBB auf die drei genannten Standorte für die Good-Box-Tests? Laut Ramona Bischoff ist der Hauptbahnhof Zürich ist ein typischer Umsteigebahnhof, Wetzikon ein Pendlerbahnhof, und der Hauptsitz des SBB-Personenverkehrs in Bern ein Bürostandort. «Diese drei Arten von Standorten stehen in der ersten Testphase in unserem Fokus.»

Momentan stehen in Zürich zwei Einheiten à 22 Schliessfächer, an den beiden anderen Standorten je eine Einheit. Im Herbst sollen die Tests mit der Good Box ausgeweitet werden. Auf welche Bahnhöfe, ist laut der Projektleiterin noch nicht festgelegt. «Wir sind jedoch in Abklärungen mit diversen Bahnhöfen. Auch die Romandie kommt in Frage.» Für die kommende Woche beginnenden Tests können sich Interessierte noch als Testpersonen anmelden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.06.2013, 06:28 Uhr)

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