Goodies bei der CS ade

Null Franken für ein Depot zahlten Credit-Suisse-Rentner bisher. Das ändert sich nun. Die Bank gibt den Schwarzen Peter weiter.

Pensionierte erhalten 2015 weniger Vergünstigungen. Im Bild die CS-Generalversammlung 2010. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Pensionierte erhalten 2015 weniger Vergünstigungen. Im Bild die CS-Generalversammlung 2010. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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Gut 10'000 Rentnerinnen und Rentner zählt die Credit Suisse in der Schweiz. Die meisten von ihnen dürften auch Kunden der Grossbank sein – nicht nur aus Treue zu ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, sondern auch, weil sie von attraktiven Vorzugskonditionen profitieren. Der Zins eines Sparkontos etwa liegt 0,2 Prozent über jenem der Normal­kunden. Die Kontoführung ist kostenlos. Bankpakete mit Konto und Kreditkarte kosten die Hälfte des Normalpreises. Der Rabatt auf Kommissionen bei Wertschriften­geschäften beträgt 50 Prozent. Und auch die Depotgebühr ist nur halb so teuer wie für reguläre Kunden.

Gerade diese Depotgebühr hat es in sich. Halb so teuer mag attraktiv klingen. Gegenüber den heutigen Bedingungen ist es viel. Bis Ende dieses Jahres zahlen Personalkunden – aktiv Beschäftigte der Bank, deren Angehörige, Rentnerinnen und Rentner und deren Angehörige – null Franken für ein Wertschriftendepot. Per 1. Januar 2015 ist das Vergangenheit. Die Bank teilte den Pensionierten, deren Angehörigen und den Angehörigen der Mitarbeitenden mit, man habe beschlossen, diese Vorzugskonditionen im neuen Jahr «anzupassen».

Anpassen heisst in diesem Fall verschlechtern. Das Bonviva-Gold-Paket etwa kostet neu 240 statt 100 Franken im Jahr – Normalkunden zahlen 480 Franken. Statt der Gratis-Depotgebühr gilt wie erwähnt neu der halbe Tarif. «Das macht bei mir und wohl bei vielen anderen einen vierstelligen Betrag aus», ärgert sich Beat Nobel, ehemaliger ­CS-Mitarbeiter und heutiger Pensionär im Säuliamt. Er kündigt an, dass er in diesem Jahr die traditionelle Weihnachtsfeier für Pensionierte der CS aus Protest boykottieren werde.

Konditionen bleiben attraktiv

Man kann das als Jammern auf hohem Niveau abtun. Bei der Bank selbst versteht man die Aufregung nicht wirklich. Sprecherin Daniela Häsler sagt: «Wir sind überzeugt, dass pensionierte Mit­arbeitende und Angehörige von Mit­arbeitenden auch nach diesen Anpassungen weiterhin von attraktiven Konditionen für die Bankdienstleistungen der Credit Suisse profitieren.» Sie führt rechtliche Gründe an, welche die CS zu den Änderungen der Konditionen bewogen hätten. Entsprechend hält der Brief an die Betroffenen fest: «Aufgrund einer Praxiskonkretisierung der Zürcher Steuerbehörde sehen wir uns veranlasst, ­unsere Angebote für Rentner und Ange­hörige per 1. Januar 2015 anzupassen.»

Gemäss Credit Suisse sind indirekt also die Behörden für die Verschlechterung der Konditionen verantwortlich. Nur, beim Steueramt des Kantons Zürich weiss man davon nichts. Roger Keller, Kommunikationsbeauftragter der Finanzdirektion, sagt: «Es ist keine Praxisänderung vorgenommen worden.» Das Steueramt halte sich heute genauso wie früher an die Wegleitung des Bundes. Gemeint ist die «Wegleitung zum Aus­füllen des Lohnausweises beziehungsweise der Rentenbescheinigung». Diese verpflichtet jeden Arbeitgeber, «sämtliche Leistungen beziehungsweise geldwerten Vorteile zu deklarieren, die dem Arbeitnehmer im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis zugeflossen sind». Analog gilt dieser Grundsatz auch für Rentnerinnen und Rentner.

Keller fügt bei: «Aus Gründen der Praktikabilität müssen aber insbesondere relativ geringfügige Leistungen nicht deklariert werden.» Darunter ­fallen gemäss Wegleitung beispielsweise gratis abgegebene Halbtax-Abonnemente, Gratisparkplätze am Arbeitsort, Reka-Check-Vergünstigungen bis höchstens 600 Franken jährlich, Geburtstagsgeschenke bis 500 Franken, Privat­nutzung von Arbeitswerkzeugen wie Handy oder Computer.

«Steueramt vorgeschoben»

Die CS hält trotz Dementi aus der ­Finanzdirektion an ihrer Aussage fest, dass eine «Praxiskonkretisierung der Zürcher Steuerbehörde» zur Neuregelung der Vorzugskonditionen geführt habe. Eine Umfrage unter anderen Banken, Versicherern und Krankenversicherungen vermag dies nicht zu bestätigen. Bei diesen Unternehmen nimmt man weder einen verstärkten Druck der Steuerbehörden wahr noch weiss man etwas von einer Praxisänderung.

Ein mit Steuerfragen vertrauter Experte sagt denn auch: «Da wird das Steueramt vorgeschoben, um Sparmassnahmen durchzuwinken.» Er bestätigt damit den Verdacht von CS-Rentner Nobel, der meint: «Das mit den Steuern glaube ich nicht, denn da wären die Aktiven wohl auch betroffen.» Gemeint sind jene ­Pensionskassen-Versicherten, die noch im Arbeitsprozess stehen und deren Vorzugskonditionen nicht verschlechtert werden.

Das Steueramt gibt Nobel recht. ­Keller sagt, dass es in der Besteuerung keinen Unterschied zwischen Aktiven und Pensionierten gibt. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass bei Ersteren steuerbare Leistungen des Arbeit­gebers auf dem Lohnausweis zu deklarieren sind, bei Letzteren auf der Rentenbescheinigung. Die CS will aber genau bei dieser Bescheinigung rechtlich eine Knacknuss ausgemacht haben, was zur gewählten Lösung geführt habe.

Auch Angehörige betroffen

Betroffen sind von der Massnahme der Credit Suisse nicht nur die gut 10'000 Pensionierten, sondern auch ­Angehörige von Rentnern und Bank­mitarbeitenden – gemäss CS rund 26'000 Bankverbindungen. Was die Bank mit der Verschlechterung der Konditionen summenmässig einspart, lasse sich ­«aufgrund unterschiedlicher Nutzung der Bankdienstleistungen nicht be­ziffern». Es dürfte sich um einen ­zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Hätten die Steuerbehörden – wie von der CS behauptet – die Besteuerungspraxis verschärft, hätte die Bank die bis­herigen Vorzugskonditionen für Rentner dennoch beibehalten können. Die Betroffenen hätten dann allenfalls un­wesentlich höhere Steuern zahlen müssen. Das habe man geprüft, aber aus recht­lichen Gründen verworfen, heisst es bei der Bank.

Nobel meint, da gehe es einfach um Gewinnmaximierung. Als zynisch bezeichnet er übrigens den Titel der neuen Broschüre, mit der die CS den Rentnern die schlechteren Konditionen nahebringt: «Best Services for Best People.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 21.11.2014, 06:57 Uhr)

Gratis-Halbtax, halbe Prämie, geschenkte Reka-Checks

Es muss nicht eine Grossbank sein. Auch wer bei einer Versicherungsgesellschaft oder einem Krankenversicherer arbeitet, ist in aller Regel wohl gebettet. Wer beispielsweise bei der Helsana arbeitet, teilt eine Sorge vieler Mittelstandsfamilien nicht: Die steigenden Krankenkassenprämien sind für das Haushaltsbudget kein Problem. Die Helsana zahlt den Mitarbeitenden nicht nur die halbe Prämie der Grundversicherung, sondern auch bis zur Hälfte der Zusatzversicherungsprämien und obendrein einen Grossteil der Prämien der Angehörigen.

Damit nicht genug: Das Helsana-Personal kommt auch zu Prämienvergünstigungen für Haftpflicht-, Sach- und Lebensversicherungen, zu Zinsvergünstigungen auf Hypotheken bei verschiedenen Banken, zu attraktiven Handyabonnements und zu einem jährlichen Gutschein zum Bezug eines SBB-Halbtax­abos. Und wenn der oder die Helsana-Angestellte in der Apotheke oder Drogerie einkaufen geht, zahlt er oder sie 20 Prozent weniger als der Nachbar, der als Koch oder Bauingenieur in einer weniger privilegierten Branche tätig ist.

Der Krankenversicherer Helsana mag seinen Mitarbeitenden besonders attraktive Lohnnebenleistungen bieten, ist aber innerhalb der Finanzbranche kein Sonderfall. Bei Banken sind Vorzugskonditionen auf eigene Produkte und Dienstleistungen die Regel: höhere Kontozinsen, tiefere Hypothekarkreditzinsen, spesenfreie Kredit- und Bankkarten oder gebührenfreie Depots. Bei den Versicherern sind Prämienverbilligungen der Normalfall. Und da es oft Partnerschaften zwischen Banken und Versicherungen gibt, räumt man gegenseitig den Belegschaften Privilegien ein.

Viele Gesellschaften in der Finanzbranche geben auch Reka-Checks ab, vergünstigen die Verpflegung oder die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Wer Vorzugszinsen beim Auto­leasing sucht, muss sich einen Job bei der Raiffeisengruppe suchen. Wer sich bereits nach fünf Jahren zum Dienst­jubiläum fünf zusätzliche Ferientage ­erträumt, geht zur Swiss Life. Und an­gehenden Vätern sei die UBS mit ihrem grosszügigen Vaterschaftsurlaub empfohlen. (bsi)

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

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