Google tut sich schwer mit den Auflagen des Datenschützers

Mitte Juli hätten neue, anonymisierte Street-View-Aufnahmen aufgeschaltet werden sollen. Doch Google arbeitet noch am «Feinschliff».

Der Berner Waisenhausplatz auf Google Street View nach der vollständigen Anonymisierung der Passanten. Screenshot: TA

Der Berner Waisenhausplatz auf Google Street View nach der vollständigen Anonymisierung der Passanten. Screenshot: TA

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Nicht nur das Weisse Haus in Washington, den Paradeplatz in Zürich und das zürcherische Aesch haben die Google-Kameras erfasst. Auch der Wanderweg zur Lauteraarhütte im Berner Oberland wurde Meter für Meter fotografiert und kann nun auf Google Street View vom Sofa aus erkundet werden.

Street-View-Aufnahmen für weltweit über 60 Länder sind auf Google Maps zu finden – in einigen Staaten wurde das Strassennetz fast flächendeckend abgelichtet, in anderen nur sehr punktuell. Die Schweiz liegt irgendwo dazwischen. Seit 2009 sind die Street-View-Autos hierzulande unterwegs und haben in den grösseren Städten praktisch jede Strasse erfasst, dazu die Autobahnen und wichtigen Kantonsstrassen.

Altersheim, Gefängnis, Gericht

Wie in den anderen Ländern auch verpixelt eine Software standardmässig alle fotografierten Gesichter und Nummernschilder. Anhand von Umgebung und Kleidung sind die abgebildeten Personen für ihre Bekannten aber meist immer noch identifizierbar.

Das ist in den Augen des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hans­peter Thür nicht legal. Er forderte schon früh eine bessere Anonymisierung – und setzte sich im darauffolgenden Rechts­streit bis vor Bundesgericht durch. Die Lausanner Richter auferlegten Google 2012 die Pflicht, in der Umgebung von «sensiblen Einrichtungen» alle Menschen vollständig zu anonymisieren – also von Kopf bis Fuss zu verpixeln. Als sensible Einrichtungen nennt das Bundesgericht unter anderem Altersheime, Frauenhäuser, Gefängnisse, Gerichte, Schulen und Spitäler.

Anstatt alle alten Street-View-Bilder zu überarbeiten, hat Google letztes und dieses Jahr neue Bilder aufgenommen – ist also Tausende Kilometer Schweizer Strasse nochmals mit den Kameraautos abgefahren. Diese neuen Aufnahmen wollte Google – korrekt anonymisiert – am 10. Juli dieses Jahres aufschalten. Doch am 10. Juli geschah nichts. Man arbeite noch am «Feinschliff», hiess es bei Google damals.

Auch heute, ein Vierteljahr später, spricht der Internetkonzern immer noch vom «Feinschliff», dem die neuen Street-View-Bilder unterzogen würden. Weiter wollte sich die Google-Niederlassung in Zürich dazu nicht äussern. Es sieht jedoch danach aus, als würde die manuelle Anonymisierung der Bilder deutlich mehr Aufwand mit sich bringen als vorgesehen. Die Google-Ingenieure scheinen derzeit noch mit den Verpixelungsvarianten zu experimentieren. So wurden beispielsweise auf den 2009 aufgenommenen Street-View-Bildern vom Berner Waisenhausplatz die Passanten je nach Blickrichtung einfach oder vollständig verpixelt.

Einen Zusatzaufwand könnten Google auch Anonymisierungsgesuche von Bürgerinnen und Bürgern bescheren. Hanspeter Thür hat auf seiner Inter­netsite ein Formular bereitgestellt, mit welchem die Verpixelung der eigenen Person oder des eigenen Hauses verlangt werden kann. Der Datenschützer verlangt, dass Google diese Anonymisierungen vor der Aufschaltung der neuen Bilder vornimmt.

Google will nicht sagen, wie viele solcher Gesuche eingegangen sind. Der Konzern verweist auf die Option «Bild unkenntlich machen», die bei jeder Steet-View-Ansicht aufgerufen werden kann. Dort kann ein Verpixelungsgesuch übers Internet eingereicht werden – für bereits veröffentlichte Aufnahmen.

Wieder unterwegs in Zürich

Klar ist: Aufgegeben hat Google das Projekt Street View Schweiz nicht. Denn auch dieser Tage sind die Street-View-Autos in der Schweiz unterwegs. Gemäss der Google-Website in 15 Kantonen – im Kanton Zürich in Affoltern, Bülach, Dielsdorf, Horgen, Pfäffikon, Uster, Winterthur und auch in der Stadt Zürich.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 16.10.2014, 20:04 Uhr)

Stichworte

Wie Street View vermarktet wird

Groupe Mutuel ist Kundin

Kommerziell genutzt wird Street View heute noch kaum. Anzeigen können auf den Aufnahmen (noch) nicht geschaltet werden. Google fertigt jedoch gegen Bezahlung Bilder von Unternehmen an. In der Schweiz ist die Groupe Mutuel einer der ersten Kunden: In Google Street View kann man ihre Filialen erkunden, auch jene am Zürcher Rennweg. Die Bilder sind erwartungsgemäss unspek­takulär – auch weil die Räume leer sind. So müssen sich die Google-Kunden nicht die Frage stellen, ob sie ihre Mitarbeiter und Kunden verpixeln müssen. (sul)

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