Greenspan für Zerschlagung von Grossbanken

Aktualisiert am 17.10.2009

Der frühere Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, schaut mit Sorge auf die jüngste Entwicklung in der Finanzindustrie.

Das Scheitern gehört zum Spiel: Alan Greenspan.

Das Scheitern gehört zum Spiel: Alan Greenspan.
Bild: Keystone

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Alan Greenspan

Während fast 20 Jahren von 1987 bis 2006 war Greenspan Vorsitzender des United States Federal Reserve Board, der US-Notenbank Fed. Greenspan erreichte in dieser Position internationales Ansehen. Insgesamt arbeitete er unter vier US-Präsidenten. «Geldpolitik ist keine angewandte Wissenschaft, sondern Kunst», pflegte er einmal zu sagen. Seine Berufung an die Spitze der Fed erfolgte durch den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Auch von Reagans Nachfolgern im Amt George Bush sen., Bill Clinton und George Bush jun. wurde Greenspan hoch angesehen. Allerdings mehrten sich in den letzten Jahren die Stimmen, die ihm Mitschuld am Subprime-Crash anlasteten. Das, weil er nachdem die Internet-Blase platzte, die Zinsen zu lange zu tief hielt. Erst das billig zu habende Geld ermöglichte die nächste Blase.

Diese Woche überstieg der Dow Jones erstmals seit einem Jahr wieder die 10'000-Punkte-Marke. Und nicht nur die Kurse steigen, auch die Boni sollen neue Rekordwerte erreichen. Alles in Ordnung also? Alan Greenspan lässt sich nicht blenden. «Das ist nur insoweit relevant, als es eine Nachricht auf den Titelseiten der Zeitung wert ist», wurde er von der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zitiert. Diesbezüglich geäussert hat sich der frühere Fed-Chef Ende der Woche vor den Mitgliedern des New Yorker Council on Foreign Relations.

Greenspan zeigte sich skeptisch über die Rettung vieler Konzerne durch die Regierung: «Fehlschläge sind ein wesentlicher und notwendiger Teil des marktwirtschaftlichen Systems. Wir müssen Scheitern möglich machen – andernfalls funktioniert das System nicht», so der frühere Notenbanker.

Wenn nötig aufteilen

Wenn Konzerne zu gross zum Scheitern sind, eine Pleite also unabsehbare Folgen für die Gesamtwirtschaft hätte, dann seien sie einfach zu gross, findet Greenspan. «Wenn man das nicht neutralisieren kann, dann zieht man eine grosse Gruppe von überholten Institutionen heran, die nur eine Belastung für die Gesamtwirtschaft sind. Ich bin absolut sicher, dass hier etwas geschehen muss.»

Und er würde dabei nicht mal vor drastischen Schritten zurückschrecken: «Radikale Massnahmen, wie etwa die Zerschlagung von Standard Oil im Jahr 1911, deren Einzelteile am Ende viel mehr wert waren als das ursprüngliche Ganze – vielleicht brauchen wir so etwas», sagte Greenspan. «Die US-Regulierungsbehörden sollten ins Auge fassen, Finanzinstitute, die als zu gross zum Scheitern betrachtet werden, aufzuteilen.»

Vorgeschlagene Massnahmen bringen nichts

Zudem hätten diese Banken einen Wettbewerbsvorteil, indem sie durch eine faktische Staatsgarantie, weniger Sicherheitsmarge im Geschäft einberechnen müssten. Dies hätte fatale Folgen für die Marktentwicklung. Greenspan glaubt auch nicht an die vorgeschlagenen Massnahmen. Höhere Eigenkapitalquoten oder eine Steuer für Finanztransaktionen, der Ex-Fed-Chef ist sicher, dass die Banken lernen werden damit zu leben, und dass sie möglicherweise trotzdem wieder die gleichen Fehler machen würden. (cpm)

Erstellt: 17.10.2009, 20:55 Uhr

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