Grober Denkfehler der UBS

Peter Burkhardt über die Vorschläge der Bank für ältere Mitarbeiter.

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Immer mehr Menschen über 50 sind in der Schweiz von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen – das heisst, sie sind ein Jahr und länger als arbeitslos gemeldet. Und weil die Babyboomer ins Pensionsalter kommen, ­jedoch zu wenig Junge nachrücken, werden den Unternehmen bis in zehn Jahren rund eine halbe ­Million Arbeitskräfte fehlen.

Zu Recht fragen sich deshalb die Ökonomen der Grossbank UBS, wie sich angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ältere Arbeitnehmer besser im Arbeitsmarkt halten lassen. Dazu machen sie einen brisanten Vorschlag: Die Ü-50 sollen, da sie angeblich nicht so produktiv sind wie die Jüngeren, auf Lohn oder Chefposition verzichten – und es so für die Arbeit- ­geber attraktiver machen, sie weiterzubeschäftigen.

Damit begehen die UBS-Ökonomen einen groben Denkfehler. Wenn sich der Fachkräftemangel tatsächlich verschärft, ist nach allen Regeln der Marktwirtschaft nicht Lohnsenkung bei den Arbeitnehmern angesagt, sondern höhere Löhne. Denn auch der Arbeitsmarkt funktioniert nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Da diese nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative nur noch begrenzt mit Zuwanderern gedeckt werden kann, erhalten die Arbeitnehmer in den Lohnverhandlungen mehr Gewicht. Nach ­Lohnreduktion zu rufen, ist da reichlich unrealistisch.

Zweifelhaft ist auch die Behauptung der UBS, ­ältere Arbeitnehmende seien weniger produktiv. Sie ist in der Fachwelt zumindest stark umstritten. Für die überdurchschnittlich hohe Langzeitarbeitslosigkeit der Ü-50 sind auch nicht primär höhere Löhne ver­antwortlich. Denn die Zeiten, wo der Lohn alters­bedingt steigt, sind in den meisten Firmen längst ­vorbei. Schuld ist vielmehr die Vernachlässigung der Weiterbildung älterer Arbeitnehmer. Und die hohen Lohnnebenkosten in Form höherer Pensionskassenbeiträge. Sie geben Arbeitgebern einen Anreiz, die Ü-50 auszusortieren. Dieses Problem könnte fair ­gelöst werden: Alle Generationen zahlen gleich hohe Pensionskassenbeiträge. Für die Jüngeren würde das etwas Konsumverzicht bedeuten. Dafür würden die Älteren nicht diskriminiert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.07.2017, 22:00 Uhr

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