Grossaktionär macht bei Vögele den Abflug

Beim Modekonzern wird das Kapital knapp, und die Hoffnung auf eine Sanierung sinkt. Jetzt soll einmal mehr ein Käufer aus dem Schneider helfen.

Die Filiale des Modehauses Charles Vögele in Basel. (29. April 2014) Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Die Filiale des Modehauses Charles Vögele in Basel. (29. April 2014) Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als langfristiger Investor hat er sich bezeichnet und grosse Ankündigungen gemacht: Der Hedgefonds Teleios – griechisch für vollkommen – ist vor gut einem Jahr beim Kleiderverkäufer Charles Vögele eingestiegen. Man wolle das volle Wertpotenzial realisieren, so die Ansage damals. Die ist jetzt bereits Makulatur. Teleios hat den Anteil von 15 Prozent verkauft, wie gestern bekannt wurde. Eine Gruppe, die Teleios mit weiteren Aktionären gebildet hatte, wurde aufgelöst. Neu hält Aspen Trust, ein Mitglied der bisherigen Gruppe, einen Anteil von knapp 14 Prozent.

Teleios liess gestern ausrichten: «Zur langfristigen Werterhaltung und -steigerung wären rasche Veränderungen nötig.» Der Vögele-Verwaltungsrat habe aber eine andere Sicht, was Umfang und Dringlichkeit der notwendigen Veränderungen betreffe, so die Begründung weiter. Auf eine Konfrontation mit dem Vögele-Management wolle sich der Hedge-fonds-Chef Igor Kuzniar nicht einlassen, wie es aus seinem Umfeld heisst. Obwohl er Konflikte keineswegs scheue und für Vögele auch konkrete Vorstellungen gehabt habe. Zwei Verwaltungsräte wollte Teleios, einen neuen Chef und eine neue Strategie, hiess es.

Woran es genau gelegen hat, dass sie sich nicht einigen konnten, wollen beide Parteien offiziell nicht kommentieren. Hinter vorgehaltener Hand heisst es bei Teleios, mehrere potenzielle Verwaltungsratskandidaten hätten Gespräche mit Vögele-Präsident Max Katz geführt – ohne Ergebnis. Vögele-nahe Quellen sagen hingegen, Teleios habe keine klaren Vorschläge gebracht und mit wenig ­Vehemenz gehandelt. Auch habe der Fonds lange Zeit einfach nur aus Vögeles Immobilien Profit schlagen wollen. Daran sind andere Investoren zuvor schon gescheitert. Vögeles Liegenschaften lassen sich nicht versilbern, sie gehören grösstenteils den Banken – als Kreditsicherheit.

Teleios’ Ausstieg bringt dem Fonds Verluste. Der Aktienkurs ist seit dem Einstieg Ende 2014 um mehr als die Hälfte gesunken. Gestern kosteten die Vögele-Papiere zu Handelsschluss noch 5 Franken. Damit ist das Unternehmen an der Börse noch 44 Millionen Franken wert. Vom früheren Milliardenkonzern ist nicht mehr viel geblieben.

Käufer gesucht

Der Abflug des Grossaktionärs bedeutet für Vögele mehr freie Management-kapazitäten. Zeit, welche die Führung des Modehändlers gut gebrauchen kann. Denn die Lage ist düster. Das Unternehmen kann sich dem Abwärtsstrudel nicht entziehen. Nach einigen Lichtblicken bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung haben der starke Franken und der Kundenabfluss ins Ausland und Internet die Verbesserungen zunichtegemacht. Vögele konnte den Umsatzrückgang im letzten Jahr nicht wie geplant stoppen. Im Herbst musste der Händler eine Gewinnwarnung publizieren.

Die Hoffnungen auf ein gutes Jahresendgeschäft mit einer erfolgreichen Herbstkollektion zerschlugen sich ebenfalls – der warmen Temperaturen wegen. Aber nicht nur. Modemarktkennern zufolge hat Vögele zudem vor allem mit der Damenkollektion Schwierigkeiten. Diese käme bei Kundinnen nicht wie gewünscht an. Seit Jahren hat der Modekonzern Schwierigkeiten mit der Positionierung. Nach einer Verjüngungskur des Ex-Chefs André Maeder vor sieben Jahren, der Vögele auf die Spuren von H&M bringen wollte, konnte das Unternehmen nie mehr richtig Tritt fassen. Heute fragen sich Branchenbeobachter, welche Kunden Vögele überhaupt noch brauchen.

Mit dem schlechten Herbstgeschäft habe auch das Management und der Verwaltungsrat den Glauben verloren, einen Turnaround zu schaffen, sagen mehrere Quellen. Weil die Nettoverschuldung steigt, benötigt das Unternehmen gemäss der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» eine Kapitalerhöhung. Im Frühling läuft zudem ein Syndikatskredit über 250 Millionen Franken aus, der neu verhandelt werden muss.

Als Ausweg suche Vögele einen Käufer, sagen die Quellen. Noch immer habe die US-Investmentbank Lazard ein Mandat. Schon der frühere Vögele-Präsident Hans Ziegler hatte erfolglos Käufer gesucht. Seither haben sich die Voraussetzungen für eine Übernahme eher verschlechtert. Was Vögele vor allem zu bieten hat, sind Standorte. Doch diese verlieren angesichts des Online-Shopping-Booms an Bedeutung.

Das Unternehmen will konkrete Fragen erst Ende April, bei der Präsentation der Jahreszahlen, beantworten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.02.2016, 21:42 Uhr)

Migros-Beteiligung

Zeitweise über 100 Millionen wert

Vor acht Jahren tauchte der Migros-Genossenschafts-Bund zum ersten Mal als Aktionär von Charles Vögele auf. Damals, am ­4. Februar 2008, erreichte die Beteiligung 3,16 Prozent, wodurch die Migros aufgrund der Meldepflicht ihre Anteile offenlegen musste. Ab 2009 stieg auch die Migros-Pensionskasse bei Charles Vögele ein und trat zusammen mit dem Migros-Genossenschafts-Bund als Aktionärsgruppe auf. In der Folge nahm die Beteiligung kontinuierlich zu – bis sie im Dezember 2011 über ­25 Prozent erreichte. Zu den besten Zeiten hatte das Migros-Investment einen Wert von deutlich über 100 Millionen Franken. Trotz dieses bedeutenden Anteils wiederholten die Migros-Verantwortlichen stets wie ein Mantra, es handle sich bei Charles Vögele um eine reine Finanzbeteiligung. Tatsächlich sass nie ein Migros-Vertreter im Verwaltungsrat des Modehändlers.

Ab August 2012 begann die Migros die Beteiligung sukzessive zurückzufahren, bis auf 14,9 Prozent im vergangenen Februar. Im November dann verschob die Pensionskasse der Migros ihre Vögele-Beteiligung in einen sogenannten Einanlegerfonds, der von der Credit Suisse Funds AG geleitet wird.

Seither werden die Beteiligungen des Migros-Genossenschafts-Bundes und des Fonds separat ausgewiesen. Der Migros-Genossenschafts-Bund hält aktuell eine Beteiligung von 5,86 Prozent, der Migros-Anteil im neuen Fonds der Pensionskasse liegt bei 4,55 Prozent. Der Wert der beiden Beteiligungen beläuft sich zum gestern erreichten Schlusskurs der Aktie von 5??Franken gerade noch auf 2,5 beziehungsweise 2??Millionen Franken. (map)

Artikel zum Thema

Der Profisanierer tritt kürzer

Hans Ziegler zieht sich bei Charles Vögele als Verwaltungsratspräsident zurück. Er verabschiedet sich aus seinem jüngsten Rettungsmandat. Die Bilanz ist durchmischt, die Zahl kritischer Stimmen wächst. Mehr...

Charles Vögele und Valora kehren Migros und Coop den Rücken

Die Interessengemeinschaft Detailhandel muss mit weniger Mitgliedern auskommen. Kioskkonzern Valora und Textilhändler Vögele treten aus. Mehr...

Modehauserbe von eigener Frau erpresst

Marco Vögele, millionenschwerer Erbe der gleichnamigen Modehaus-Dynastie, sollte zwei gedungenen Erpressern 40 Millionen Franken zahlen oder sterben. Hinter der Aktion stand Vögeles Ehefrau. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Sponsored Content

Heisse Karrierefrau sucht

Erfolgreiche Frauen suchen unverbindlichen, schnellen Spass.

Die Welt in Bildern

Geht in sich: Ein Sadhu, ein heiliger Mann des Hinduismus, betet vor der jährlichen Reise zur Pilgerstätte Amarnath im nordindischen Jammu. (30. Juni 2016)
(Bild: Mukesh Gupta) Mehr...