Wirtschaft

Grosszügig vor allem mit sich selbst

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 10.12.2010 57 Kommentare

Ein internationaler Vergleich zeigt: Das Investmentbanking der Schweizer Grossbanken zahlt sich nur für die Angestellten aus. Die Aktionäre werden schlecht bedient.

1/2 Walter Kielholz versprach für die CS zu viel – wie Ospel für die UBS. (Bitte blättern Sie weiter zur Grafik)

   

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Wer es bisher nicht geglaubt hat, der liest es staunend im renommierten Onlinedienst «Financial News»: Die Schweizer Grossbanken sind extrem grosszügig, wenn es um die Bezahlung der meist US-amerikanischen Investmentmanager geht. «Financial News» verglich in seiner Untersuchung acht der grössten Investmentbanken über die letzten fünf Jahre. Ausgesucht wurden die Unternehmen, die eine einigermassen vergleichbare Rechnungslegung für das Investmentbanking haben.

Die untenstehende Tabelle zeigt Folgendes: Total flossen den Angestellten im Investmentbanking der acht verglichenen Banken Lohnzahlungen von 311 Milliarden Dollar zu. Im Schnitt zahlten diese Banken damit 2,6-mal mehr Lohn aus als die 120 Milliarden Dollar, die sie im selben Zeitraum als Gewinn ausweisen. Aus Sicht des Kapitalgebers, der die nötigen finanziellen Mittel bereitstellt und das Risiko trägt, ist das ein schlechtes Geschäft, aus Sicht der Angestellten aber sehr lukrativ.

Bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) schlecht bedient

Dass die Investmentbanker sehr darauf achten, dass sie nicht zu kurz kommen, ist historisch begründet. In den USA waren diese Banken bis vor etwas mehr als zehn Jahren als Partnerschaften organisiert und damit im Besitz der Angestellten. Traditionellerweise wurden darum etwa 50 Prozent der Einnahmen als Löhne und Boni ausbezahlt. Dass sie heute in Aktiengesellschaften umgewandelt sind und damit dem Kapitalgeber der Gewinn und dem Arbeitnehmer der Lohn zusteht, ist offenbar branchenweit noch nicht angekommen. Im Gegenteil.

Auffallend ist, dass das Verhältnis bei den Schweizer Banken aus Aktionärssicht besonders schlecht ist. Im Vergleich am schlechtesten bedient wurden die Aktionäre der UBS. Dort lässt sich nicht einmal ein vernünftiges Verhältnis berechnen, weil zwar Löhne für 34 Milliarden Dollar ausbezahlt wurden, die Investmentbank in derselben Periode aber fast 45 Milliarden Dollar verlor.

Doch auch im letzten Jahr, seit sich die Bank langsam wieder erholt, lag das Auszahlungsverhältnis bei rund 70 Prozent, und es wurde dreimal mehr Lohn bezahlt als verdient. Die UBS verweist auf Verbesserungen in jüngster Zeit.

Werden Äpfel mit Birnen verglichen?

Bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) ist das Verhältnis ebenfalls sehr schlecht, fast neunmal mehr zahlt die zweitgrösste Schweizer Bank ihren Angestellten der Investmentbank, als sie mit ihnen Gewinn macht. Auch wenn man die Rechnung in Schweizer Franken macht, kommt man auf ein Verhältnis von 7,5, was immer noch viel höher ist als bei der Konkurrenz aus den USA und England. Das steht im auffallenden Gegensatz zu früheren Versprechen der Repräsentanten, die für die strategische Aufstellung der Schweizer Grossbanken verantwortlich sind: Marcel Ospel (UBS) und Walter Kielholz (CS).

Auf den Vergleich angesprochen, sagt CS-Sprecher Andres Luther: «Wenn man den Gesamtgewinn der Bank ansieht, dann sind wir profitabler als die meisten.» Mit anderen Worten: Da würden Äpfel mit Birnen verglichen. Zudem habe die CS eben ein Geschäftsmodell, das mit geringeren Risiken fahre als jenes bei der Konkurrenz. Luther: «Dass bei uns im Investmentbanking der Anteil an Löhnen höher liegt als bei der Konkurrenz, liegt daran, dass wir weniger Kapital für den Eigenhandel eingesetzt haben. Damit wird logischerweise der Anteil der Löhne am Gewinn grösser. Gleichzeitig ist aber das Risiko kleiner.»

Keine Dividende für UBS-Aktionäre

Sieht man sich die Zahlen der CS genauer an, dann fällt auch auf, dass sie nicht wie im Schnitt 50 Prozent der Einnahmen als Lohn auszahlt, sondern 60 Prozent. Und es stellen sich Fragen zum Geschäftsmodell: Die Verzinsung des Eigenkapitals in der Sparte Investmentbanking betrug gerade mal 3 Prozent. Zum Vergleich: Im Private Banking betrugen die Auszahlungsrate 36 Prozent und die Rendite des eingesetzten Kapitals 55 Prozent. Auch wurde etwa gleich viel als Löhne ausbezahlt, wie Gewinn gemacht wurde.

Mit den neuen Vorschriften der internationalen und nationalen Regulatoren wird es in Zukunft aus Aktionärssicht noch schwieriger, dem Geschäftsmodell der Grossbanken viel abzugewinnen. Es ist absehbar, dass die zwei Grossbanken bis 2018 je 20 Milliarden Eigenkapital brauchen und damit die UBS über Jahre keine Dividende auszahlen kann und die CS-Aktionäre auch nicht mehr so üppig Dividenden erhalten wie früher. Es sieht so aus, als schluckten die Aktionäre das Grossbankenmodell nicht mehr. Die CS-Aktie sank seit Anfang Jahr um 24 Prozent und jene der UBS trotz Rückkehr in die Gewinnzone um 2 Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.12.2010, 23:30 Uhr

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57 Kommentare

Olaf Wenger

10.12.2010, 12:33 Uhr
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Oh je, das Neidgeheul! Bloss nichts ändern bei den Banken, sonst gehts mir eventuell ein bisschen schlechter. Und damit nichts ändert, wähle ich die ehrlichen Mannen mit dem Sünneli. Antworten


Susanne Reich

10.12.2010, 12:09 Uhr
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Die Verantwortlichen fühlen sich zu sicher sich alles erlauben zu können was gegen jeglichen Anstand verstösst u. dem gesunden Menschenverstand absolut widerspricht. Weshalb schiebt man diesen Machenschaften keinen Riegel? Sind die Interessen allzu sehr vernetzt? Es bräuchte eine neutrale Stelle welche wirklich unabhängig eingreifen könnte. Ich glaube nicht dass die Bevölkerung noch lange zusieht. Antworten



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