Wirtschaft

Grübel enttarnte Madoff vor Jahren

Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 08.01.2009 17 Kommentare

Der ehemalige CS-Chef warnte Kunden vor dem Jahrhundert-Betrüger. Und zwar bereits im Juni 2000.

Oswald Grübel empfahl in der Folge Kunden, ihre Gelder aus Madoffs Anlagevehikel zu ziehen. Diese Warnung habe zu Spannungen geführt. Verschiedene Kunden hätten nicht einsehen wollen, warum sie aus einem Fonds aussteigen sollten, der Jahr für Jahr konstante Renditen von rund 11 Prozent erzielte. Kreise im Umfeld der Credit Suisse bestätigten eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Grübel war damals Leiter der Private-Banking-Sparte der Credit Suisse, von 2004 bis 2007 war er alleiniger Chef des Finanzkonzerns.

Grübel war auf Madoff aufmerksam geworden, nachdem immer mehr CS-Kunden in dessen Fonds investiert hatten. In der Folge habe er den ehemaligen Nasdaq-Chef zu einem persönlichen Gespräch in New York getroffen. Dabei habe Madoff nicht überzeugend erklären können, wie sein Hedge-Funds Jahr für Jahr zweistellige Renditen erzielen konnte, heisst es. Auf Fragen habe Madoff ausweichend geantwortet. Ein System, das seine fulminanten Gewinne erklären konnte, sei nicht erkennbar gewesen.

Ein obskurer Wirtschaftsprüfer

Grübel sei zudem aufgestossen, dass Madoff nicht sagen konnte, wie viel Geld er verwaltet. Der ehemalige Nasdaq-Chef habe nur erklärt, zwölf seiner Mitarbeiter seien für die Strategie zuständig, sechs leitende Händler setzten sie um. Unverständlich für Grübel war ausserdem, dass Madoff mit einem kaum bekannten Wirtschaftsprüfer zusammenarbeitete, der nur einen einzigen Kunden hatte. Stutzig machte auch Madoffs Erklärung, er berechne seinen Kunden keine Verwaltungsgebühren, sondern erziele seinen Gewinn allein mit den Provisionen aus Käufen und Verkäufen, die bis zu 3 Prozent der investierten Summe ausmachen könnten.

Auf Grübels Rat hin habe rund die Hälfte der betroffenen CS-Kunden ihre Gelder aus den von Madoff verwalteten Fonds abgezogen, schreibt Bloomberg. Es soll sich um 250 Millionen Dollar gehandelt haben. Für die Kunden, die vor acht Jahren Grübels Rat befolgten und ihr Geld aus Madoffs Firma abzogen, war dies wohl ein Glücksfall. Beim Zusammenbruch von Madoffs Firma im Dezember haben CS-Kunden gemäss Schätzungen der Zeitung «Sonntag» knapp 1 Milliarde Dollar verloren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2009, 10:03 Uhr

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17 Kommentare

Andreas Moser

08.01.2009, 00:14 Uhr
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Immerhin, bravo Herr Grübel! Leider hat es keine Auswirkungen auf seine Nachfolger gehabt! Alles in Allem bleibt das Fiat-Geldsystem ein Monopolyspiel! Eigenverantwortung ist gefragt - Banker sind auch nur Verkäufer. Ich habe mein Papiergeld in echtes Geld gewechselt, das seit Jahrtausenden nicht pleite ging. So vergingen Imperien mit ihren Währungen und Sachwerte blieben erhalten! Antworten


Geri Iten

08.01.2009, 11:58 Uhr
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Was lernt man daraus : Rendite um jeden Preis kann zum Bumerang werden und bei unsachgemässem Einsatz kann dich dieser mit voller Wucht treffen. Antworten



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